der Siegler Schriftführer des Konsistorialgerichtes (S. 68, 649). Andere Ausführungen Vasellas betreffen die Prozesse, Bussen und Dispense Bastian Kremeis und der Anna Haslerin wegen gebrochenem Ehe- versprechen und einer trotz bekannter Blutsver- wandtschaft vollzogenen Heirat. Bastian Kremel erscheint auch als Zeuge im Zehntenstreit (1536) des Pfarrers von Eschen mit dem Abt von Pfäfers (S. 83). Angesprochen wird auch der Fall des Schaaner Kaplans Johannes Winzürn, der beim Ehebruch ertappt und bald darauf erschlagen wur- de, vermutlich von Verwandten seiner betrogenen Frau. Das geistliche Gericht verhängte das Inter- dikt (u.a. Verbot, den Gottesdienst zu besuchen) über die Gemeinde Schaan, die Erben des erschla- genen Geistlichen bedurften einer eigenen Erlaub- nis zur kirchlichen Beerdigung des Kaplans. Die Täter wurden nicht nur gezwungen, die gericht- liche Absolution zu erwirken, sondern auch für die Aufhebung des Interdikts verantwortlich gemacht. Solche konkreten Einzelfälle zeigen einige negative Seiten der Situation des Klerus in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Viele Geistliche trugen Waf- fen, waren notorisch dem Trunk zugetan, und foch- ten nicht selten untereinander Streitereien mit Messer, Axt oder Schiesseisen aus, auch in der Wirtschaft, wie etwa 1515 in Vaduz (S. 659 f.). Diese aus den Quellen herausgearbeiteten Schilde- rungen informieren nicht nur über sozialgeschicht- liche und rechtliche Bedingungen sowie allgemeine gesellschaftliche Verhältnisse jener Zeit, sondern verdeutlichen auch die unerfreuliche, zu vielen Kla- gen Anlass gebende Situation innerhalb des nie- deren Klerus am Vorabend der Reformation und während der ersten Jahrzehnte des 16. Jahrhun- derts. Namentlich bekannt werden in Vasellas Studien auch die Schaaner Pfarrherrn Jakob Fry (Pfarrer 1512-1524) und Christoffel Fisel (Pfarrer 1516) so- wie verschiedene Schaaner Einwohner (S. 86 u. ö.). Ebenso wird der bekannte Prozess vom Mai 1543 zwischen dem Pfarrer von Bendern als dem Vertre- ter des Abtes von Roggenburg auf der einen sowie der Stadt Chur auf der anderen Seite vor dem Frei-herrn 
Ulrich Philipp von Hohensax angesprochen. Vertreter der Stadt Chur hatten die Herausgabe des Zehnten verlangt, den das Kloster St. Luzi im links- rheinischen Haag (das bis 1637 zur Pfarrei Ben- dern gehörte) besessen hatte (S. 511 f.). Wichtige Informationen bringt Vasella hinsicht- lich der Wiedertäufer und der Bauernunruhen in unserer Gegend. Die Täufer hatten, wie eine In- struktion der Regierung in Innsbruck an Vogt Ul- rich von Schellenberg vom 15. September 1531 über das Vorgehen gegen die Täufer zeigt (S. 119), auch in der vorarlbergischen Nachbarschaft - wenn auch erfolglos - Bestrebungen für Missionierungen in Gang gesetzt. Die Vorarlberger Täufer hatten Verbindungen nach Süddeutschland und Graubün- den. Im benachbarten Weisstannen etwa hatte sich der Pfarrer Caspar Albrechtshofer um 1523 der Täuferbewegung angeschlossen. Im Sarganserland war seit 1523 eine von Geist- lichen geführte bäuerliche Oppostionsbewegung gegen das Kloster Pfäfers entstanden, das dort (wie auch in der Herrschaft Schellenberg) reiche Zehn- ten besass. Gleichzeitig hatte sich auch in Bludenz eine kirchliche Opposition in Verbindung mit einer bäuerlichen Bewegung gebildet. Sie war aus kirch- lichen Missständen herausgewachsen und ver- knüpfte sozialpolitische und religiöse Motive. 1525 liess die Regierung in Innsbruck deshalb Festun- gen, Schlösser und Burgen in Verteidigungszustand versetzen, darunter Vaduz und Gutenberg. 1525 erwarteten die aufständischen Bauern in Vorarl- berg «starke Hilfe» aus der Flerrschaft Schellen- berg und der Grafschaft Vaduz, nachdem von dort «die Meldung vom Aufstande der Leute am Esch- nerberg, der Vaduzer und Schaaner» (S. 147) er- folgt war. Am 12. Juni 1525 berichtete Erzherzog Ferdinand an den Vogt und Hubmeister zu Feld- kirch, die Grafschaft Vaduz stehe «in heller Empörung». Hier suchten die Bauern, wie Vasella ausführt, «Verbindung im benachbarten Maienfeld und in Chur, ja sie gelangten an den Bundestag in Chur, mit der Hoffnung, auch hier eine Gemein- schaft der Tat verwirklichen zu können» (S. 148). Vaduz und Schellenberg spielten also in der breit angelegten, aber rasch unterdrückten und darum 270
        

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