Liechtenstein anwendbar. Erstmals konnte der Sprachgebrauch in Liechtenstein in dieser Aus- führlichkeit dokumentiert werden. Die in der Aus- gangslage der Arbeit angestrebten Ziele wurden erreicht. Die Vorherrschaft der Mundart in fast allen mündlichen Kommunikationssituationen und die grosse Bereitschaft der Mundartsprecher, auf Standarddeutsch umzuschalten, wenn sie merken, dass der Gesprächspartner Verständnisschwierig- keiten hat, sind wichtige Merkmale der Sprachsi- tuation im Fürstentum Liechtenstein. Besonders zeitaufwendig und arbeitsintensiv war die Erarbeitung der Grundlagen zur Beschrei- bung der Basismundart. Die Interviews mit den Ge- währspersonen nahmen jeweils einen halben Tag in Anspruch. Es muss hier aber auch erwähnt wer- den, dass diese Aufnahmen zu den wohltuenden Abwechslungen vom Büroalltag gehörten und dem Autor einen Einblick in eine bäuerliche Kultur und Lebensform ermöglichten, wie diese wohl nicht mehr lange anzutreffen sein wird. Dem grossen Aufwand entsprechend wurde im Kapitel «Die Liechtensteiner Mundart. Beharrung und Verände- rung» ein möglichst umfassender Überblick über den Lautstand der Basismundart gegeben. Bereits bei diesen Aufnahmen zeigte sich die Enge und Starrheit einer homogenen Dialektbescheibung, zumal schon zu diesem Zeitpunkt manche Variati- on augenfällig zu Tage trat. Hilfreich für die Erstel- lung unserer Interviewmanuskripte war das Vor- bild der Fragebücher zum «Sprachatlas des Vorarl- bergs mit Einschluss des Allgäus, Liechtensteins und Tirols». Diese reiche Fragensammlung, die Eu- gen Gabriel für seine Aufnahmen gebrauchte, ba- siert ihrerseits wiederum auf den Fragebüchern zum Schweizerdeutschen Sprachatlas. Darauf auf- bauend und auf Grund der Erfahrung des Verfas- sers als Explorator des Liechtensteiner Namenbu- ches ergab sich eine reiche und umfassende Erhe- bung zur Basismundart. Pro Gemeinde wurden zwei Probanden befragt. Abweichungen anderer Mundartsprecher einer Gemeinde von unseren Ma- terialien sind daher nicht nur möglich, sondern sehr wahrscheinlich. Die Darstellung der Ergebnis- se in Tabellenform ermöglicht einen raschen und 
vollständigen Überblick. Hier zeigte sich einmal mehr der Vorteil der Kleinheit des untersuchten Gebietes. Wo sonst noch kann man mit der sprach- lichen Beschreibung von elf Gemeinden zu recht behaupten, man hätte die basismundartlichen Lau- te eines ganzen Landes dargestellt? Das anfängliche Unterfangen, den Lautwandel auch in Abhängigkeit von der Morphologie zu un- tersuchen, mussten wir im Verlauf der Untersu- chung aufgeben. Die dafür benötigte Zeit hätte un- sere Kapazitäten bei weitem überschritten. Als Be- obachtung konnten wir dennoch feststellen, dass Neuerungen im Lautstand der Ortsmundarten des Fürstentums Liechtenstein in starkem Zusammen- hang stehen mit der Aufnahme von neuen Lexe- men in den Wortschatz, die in ihrer hochdeutschen Morphologie von denjenigen der Ortsmundarten abweichen. Als Beispiel sei die Substantivbildung aus Adjektiven genannt. Während die Substantive in den Ortsmundarten durch Anhängung eines -i (Dümmi, Schöni) gebildet werden, realisiert das Standarddeutsche dasselbe durch -keit, -heit (Dummheit, Schönheit). Die Übernahme fremder Lexeme mit andersartiger Morphologie verursacht Änderungen im Lautstand der Mundart. Ein tref- fendes Beispiel ist das Wort «Eigenheim». Das nichtbasismundartliche Kompositum besteht aus zwei Wörtern, die nativ mundartlich sind: «eigen» und «heim». Deren Realisation geschieht in den Ortsmundarten immer durch Monophthong. Im Kompositum ergeben sich die unterschiedlichsten Formen /ae:geha3:m/, /ejgahejm/, /ae:g8hejm/, /ejgahcB.-m/, /o.-geho.m/, /sjgshö-.m./, o:gehej:m/. Die Lautung der Ortsmundarten ist Wandelvor- gängen und Variationen besonders ausgesetzt, al- lerdings bei weitem nicht im gleichen Ausmass, wie dies beim Wortschatz geschieht. Die diesbezüg- liche gegenseitige Abhängigkeit ist offensichtlich. Die Veränderungen des Wortschatzes wiederum scheinen in starker Abhängigkeit von sozialen Er- neuerungen der liechtensteinischen Gesellschaft in den letzten fünfzig Jahren vor sich zu gehen. Die Gründe hierfür liegen in der Industrialisierung und der Aufgabe der bäuerlichen Tradition in den letz- ten fünfzig Jahren. Das Verschwinden von Gerät- 234
        

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