DER WEG DER LIECHTENSTEIN-GALERIE VON WIEN NACH VADUZ / GUSTAV WILHELM zeugt, Schirach habe mit seiner Genehmigung si- cher seine Kompetenzen überschritten und es müs- sten wohl noch Stellen in Berlin gefragt werden. Ich persönlich bin überzeugt, dass Berg und Seiberl sich gleich am 1. Juli, als sie von Schirachs Geneh- migung erfuhren, an Berliner Stellen wandten, um den Transport nach Vaduz zu hintertreiben. Von 4. bis 7. Juli war ich in Feldsberg, wo ich wieder eine Reihe kleinformatiger Bilder verpack- te, um sie per Auto nach Vaduz gelangen zu lassen. Die Machinationen, die gegen Schirachs Bewilli- gung einsetzten, machten es mir eher unwahr- scheinlich, dass eine offizielle Ausfuhr durchgesetzt werden könne. Nach meiner Rückkehr nach Wien fand ich die Lage unverändert. Gleich am 7. Juli war ich bei Dr. von Berg, der vom Generalreferen- ten Stuppäck über die Bewilligung Schirachs infor- miert worden war. Ich hatte den festen Eindruck, dass die Wiener Stellen - ausgenommen einzig das Kunsthistorische Museum - eine Einheitsfront ge- gen Schirach und seine Zusage bezogen hatten. Schützenhilfe holten sie sich bei den Regierungs- stellen, die gerne eine Gelegenheit ergriffen, um dem Parteimann Schirach eins auszuwischen. Berg teilte mir damals mit, dass mit der ganzen Angele- genheit bereits der Regierungspräsident von Wien, Dr. Dellbrügge, befasst sei. Dr. Adriani und Restau- rator Hajsinek vom Kunsthistorischen Museum in Wien, mit denen ich zwei Tage später die Frage besprach, waren der Ansicht, dass die Zusage Schirachs von Berg und Seiberl bewusst torpediert würde. Schirach war nicht zu erreichen, auch Dr. Dwor- schak vom Kunsthistorischen Museum in Wien konnte ich erst am 14. Juli sprechen. Er war der Ansicht, dass ich mit der Zusage Schirachs allein die Bilder nie über die Grenze bringen würde. Schliesslich einigten wir uns dahin, dass die Fürst- liche Kabinettskanzlei einen Brief an Dworschak schreiben solle, in der sie die Sachlage ihm als dem staatlichen Bergungsleiter schildern und um Aus- fuhr nach Liechtenstein ansuchen sollte. Den Ent- wurf dieses Schreibens legte ich tags darauf dem Fürsten vor und übergab ihn am 17. Juli mit einer Liste der in Liechtenstein zu bergenden Bilder an 
Dr. Dworschak. Er wollte versuchen, mit diesem Brief bei der Führerkanzlei etwas auszurichten und diese mit dem Hinweis, dass eine Entschei- dung einer Parteistelle von Staatsstellen torpediert würde, auf unsere Seite zu bringen. 48) Haupt (1991), S. 124 und 134: Dr. Leopold Ruprecht war einer der «wenigen Akademiker», die «Begeisterung für den National- sozialismus» zeigten (ebenda. S. 124). - Ruprecht begleitete Adolf Hitler bei dessen Rundgang durch die Waffensammlung in der Neuen Burg in Wien am 11. Juni 1939 (ebenda, S. 134, daselbst eine Abbildung). 49) Haupt (1991), S. 124 und 265: Dr. Gert Adriani, ein deutscher Kunsthistoriker, war seit 1938 am Kunsthistorischen Museum in Wien tätig. 1943 wurde er dort Leiter der Gemäldegalerie. 50) Haupt (1991), S. 147: Univ. Prof. Alphons Lhotsky (*1903;+ 1968) war «Haushistoriker» des Kunsthistorischen Museums in Wien. Er verfasste 1941/45 die Festschrift zur Feier des 50-jährigen Beste- hens des Museums. DDr. Heribert Seiberl, Leiter des Denkmalamtes in Wien. Er hintertrieb die Bemühungen von Gustav Wilhelm, für die Gemäl- desammlung eine Ausfuhr- genehmigung zu erhalten. 21
        

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