DIE MUNDART DES FÜRSTENTUMS LIECHTENSTEIN ROMAN BANZER tern. Zweitens konnten wir nicht nachweisen, dass die Arbeitstätigkeit und das Pendlertum signifikan- ten Einfluss auf den Gebrauch der Varianten ha- ben. Die Abweichungen der einzelnen Gruppen in Tabelle 21 (Pendler, Stationärer, Manuell, Nicht- Manuell) vom Durchschnittswert ist mit maximal 0,7 Prozent für basismundartliche Varianten und maximal 1,4 Prozent für nichtbasismundartliche Varianten verschwindend klein. Im Fragebogen wurden 168 Wörter erhoben, wovon 34 nichtbasismundartlich waren. Die Ab- weichungen vom Durchschnitt (56,3 %) der basis- mundartlich produzierten Laute in nichtbasis- mundartlichen Wörtern liegen für einzelne Proban- den maximal 25,7 Prozent über oder maximal 18.3 Prozent unter dem Durchschnittswert. Diese Streu- ung zeigt, dass einzelne Probanden mehr zur Über- nahme von Neuerungen neigen als andere. Es ist allerdings nicht gelungen, gewisse sprachliche Ten- denzen einzelnen sozialen oder situativen Faktoren zuzuordnen. Wir wiederholen und betonen auch an dieser Stelle noch einmal, dass sich die Angaben lediglich auf das untersuchte Korpus beziehen. Das heisst, dass weder mit Sicherheit alle variablen Entwick- lungsregeln einer Gemeinde aufgeführt sind, noch alle Einwohner eine Entwicklungsregel in der von uns beschriebenen vorgeschriebenen Form produ- zieren. Dies war lediglich für unsere Probanden der Fall. In allen Tabellen handelt es sich immer um die untersuchten Laute. 4.5.2. DAS UNTERLAND Auch für das Unterland konnten wir nicht nachwei- sen, dass die Arbeitstätigkeit und das Pendlertum signifikanten Einfluss auf den Gebrauch der Vari- anten haben. Wie im Oberland sind auch im Unter- land die Abweichungen der einzelnen Gruppen (in Tabelle 23) vom Durchschnitt mit maximal 0,6 Pro- zent für basismundartliche Varianten und maximal 4,2 Prozent für nichtbasismundartliche Varianten unbedeutend. 
Im Fragebogen wurden 168 Wörter erhoben, wovon 35 nichtbasismundartliche Wörter waren. Eines mehr als im Oberland, weil «Wiese» im Un- terland nicht basismundartlich ist. Im Unterland werden im Unterschied zum Oberland sowohl in basismundartlichen wie auch in nichtbasismund- artlichen Wörtern mehr Laute fremd realisiert. Bringt man diese Aussage in Verbindung mit den Ergebnissen auf den Seiten 231 ff, wo wir feststell- ten, dass für die meisten Neuerungen als mögliche Gebervarietät das Oberland vorkommt und den Er- gebnissen aus Tabelle 15, wo wir sehen, dass im Unterland mehr Entwicklungsregeln variieren, kommen wir zum Schluss, dass das Potential zu Neuerungen und damit möglicherweise zum Laut- wandel im Unterland deutlich höher anzusetzen ist als im Oberland. Wir waren überrascht, dass unsere Untersu- chung nicht die erwarteten Resultate brachte. Auch Toni Banzer hat in seiner Arbeit, die zeitlich paral- lel zu der vorliegenden entstanden ist, deutlich ge- zeigt, dass die in unserer Arbeit untersuchten Re- dedeterminaten (Pendler, Arbeit) isoliert betrachtet keinen Einfluss auf die Sprachproduktion der Wals- ergemeinde Triesenberg haben. «Fast schon iden- tisch mit den Ergebnissen für die Variable Berufs- Art fällt die Auswertung zur Variable Berufs-Ort aus. Die Triesenberger Mundart scheint in ihrem Wandelprozess auch von diesem Faktor nicht be- einflusst zu werden, wenn er isoliert bewertet wird» (Banzer Toni 1991, S. 73). Offenbar bedin- gen kleinmaschigere Faktoren das komplizierte Zu- sammenspiel von Sprache und sozialem Geflecht. Diese wurden in unsere Analyse offensichtlich nicht aufgenommen. Wir vermuten, dass die Rede- determinanten des Gesprächspartners und des Ge- sprächsortes hier nicht hätten vernachlässigt wer- den dürfen. In nachfolgenden Beobachtungen ist uns vor allem aufgefallen, dass Probanden bei der Erhebung durch den Fragebogen zu Hause viel nä- her an der Basismundart sprachen, als wenn sie bei geschäftlichen oder gesellschaftlichen Anlässen auftraten und so das primäre soziale Netzwerk der Familie oder der engen Freunde verliessen. Ganz besonders konnte dies für die Gemeinden des Un- 231
        

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