waren bereits bei unseren Aufnahmen zur Basis- mundart grosse individuelle Unterschiede vorhan- den, was uns schliesslich auch veranlasst hat, die Nasalierung in den Erhebungen zu den Ortsmund- arten mittels eines besonderen Teils im Fragebo- gen gesondert zu betrachten. Die diesbezüglichen Auswertungen haben erge- ben, dass heute in frappanter Konsequenz bei allen Probanden sowohl an-, in- und auch auslautend nur mehr die kurzen und langen o- und ö- Laute nasaliert werden. Eine Ausnahme macht hier das -o- im Personennamen Anton, das in dieser stand- ardnahen Form nicht nasaliert wird. In der mund- artlichen Abkürzung Tone, Toni hingegen wird das -o- klar mit nasaler Färbung gesprochen. Dies be- legt die Auswertungstabelle der Ortsmundarten des Unterlandes im Anhang. Wie Tabelle 22 zeigt, erhielten wir andere Er- gebnisse, als wir die Laute in nasaler Stellung nicht gesondert, sondern im Rahmen der allgemeinen Untersuchung erhoben haben. Hier haben wir her- ausgefunden, dass auch andere Laute ausser den -o- und -ö- Lauten noch nasaliert gesprochen wer- den. Zudem hat sich hier ergeben, dass auch bei den -o- und -ö- Lauten die nasalierte Form nicht durchwegs gebraucht wird. Wieso diese Differen- zen? Unserer Ansicht nach gibt es hierfür zwei Flauptgründe. Bei der Erhebung wurden unter- schiedlich Lexeme gebraucht. Wahrscheinlich un- terscheiden sich diese Lexeme im Leveling.111 Die Aufnahme der Neuerungen ins Lexikon scheint in den einen Fällen bereits abgeschlossen zu sein, währenddessen die anderen noch im Sta- dium der Variabilität stehen. Zudem ist auch durchaus möglich, dass durch die Untersuchungs- anlage, in der die Nasalierung in einem gesonder- ten Block zusammengefasst wurde, Beeinflussun- gen bei der Sprachproduktion entstanden. 
4.3.5. DIE KONSONANTEN Lediglich 11 von 53 Entwicklungsregeln beschrei- ben die Entwicklung der mhd. Konsonanten in den Ortsmundarten des Fürstentums Liechtenstein. Auffallend ist die starke Resistenz der Konso- nanten gegen Neuerungen. Nur in sehr wenigen Fällen konnten wir hier Unterschiede zur Basis- mundart feststellen. Diesen haftet unserer Ansicht nach sehr stark der Beigeschmack der Innovation an, also der subjektiven Variable. Dies scheint bei /six/ «sich», /fenjter/ «Fenster» u.a. so zu sein. 4.4. NEUERUNGEN UND INTERFERENZEN In den variablen Entsprechungsregeln der Orts- mundarten werden als Varianten zu den basis- mundartlichen Lauten Neuerungen gebraucht. Die nachfolgende Tabelle listet die Varianten auf, die einen basismundartlichen Laut ersetzen. Woher stammen die Neuerungen? Verschiedene Möglich- keiten bieten sich an: a) Ausgleich innerhalb der liechtensteinischen Ortsmundarten b) Neuerungen aus benachbarten Dialekten c) Neuerungen aus der Standardsprache d) Koinzidente Interferenz. Eine Neuerung oder auch Ausweitung oder Verallgemeinerung kann gleichzeitig ein Laut sowohl einer fremden Mundart als auch der Standardsprache sein. Wir sprechen in diesem Fall von einer koinzidenten Neuerung. e) «autochthone» Innovationen, die im eigenen System entstehen. Als Gebervarietäten werden sämtüche Gemeinden Liechtensteins, das Ober- und das Unterland, die benachbarten Kantone der Schweiz, St. Gallen (SG) und Graubünden (GR), das österreichische Bundes- land Vorarlberg (Vrlbg) und das Standarddeutsche (Lid) untersucht. 224
        

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