DIE MUNDART DES FÜRSTENTUMS LIECHTENSTEIN ROMAN BANZER dort untersuchten Texten 1,5 Prozent bis 21,2 Pro- zent nichtbasismundartliche Wörter des Gesamt- textes ermittelt wurden. 4.3.3. TRIESENBERG Keine Ergebnisse resultieren aus der Untersuchung für die Walsergemeinde Triesenberg. Bereits nach den ersten zwei Aufnahmen zeigte sich, dass der benützte Fragebogen nicht die erwünschten Resul- tate erbrachte. Aus teilnehmenden Beobachtungen ist uns bekannt, dass einige Einwohner Triesen- bergs ihren Walserdialekt fast bis zur Gänze aufge- ben, wenn sie mit mehreren Einwohnern einer an- deren Gemeinde auswärts kommunizieren. Sie sprechen dann meist eine den oberländischen Orts- mundarten angepasste Varietät, die sie aber so- gleich wieder aufgeben, wenn sie zurück in ihre Heimatgemeinde kommen. So können Pendler an ihrem Arbeitsort völlig anders als zu Hause spre- chen. Dieser Wechsel der Varietäten, der vor allem bei der jüngeren Generation häufig zu beobachten ist, hängt von der Gesprächssituation ab, die hauptsächlich bestimmt ist durch die Gesprächs- teilnehmer, den Ort, die soziale Einbindung und möglicherweise auch stark durch die Bewertung des eigenen Idioms. Toni Banzer konnte in seiner Arbeit die Abhängigkeit der Sprachproduktion vom Faktor Alter für Triesenberg belegen (Banzer Toni 1990/91, S. 59). Um den Sprachwandel in Abhän- Tabelle 19: Stabilität der nasalierten Vokale in %, N/Gemeinde = 12 
gigkeit vom Pendeln zum Arbeitsort beschreiben zu können, müsste ein anderes Untersuchungsin- strumentarium angewandt werden als die von uns verwendeten Fragebögen. Direkte teilnehmende Beobachtungen und Tonbandaufnahmen von Ge- sprächen am Arbeitsort könnten hier unter Um- ständen weiterhelfen. 4.3.4. DIE NASALIERUNG IM UNTERLAND Nach Jutz ist die Nasalierung im Unterland auf be- stimmte Laute beschränkt und im Oberland nur mehr als Individualismus vorhanden, obwohl die Nasalierung auch hier einmal gegolten hat. Vetsch schrieb 1910 bezüglich der Nasalierung im Appen- zell: «Auf dem ganzen Gebiete wird von den älteren Leuten noch jeder Vokal in nasaler Umgebung na- saliert gesprochen. Die Nasalierung ist also sowohl progressiv als regressiv und betrifft Kürze und Län- ge; auch wo der Nasal im Auslaut geschwunden ist, ist die Nasalierung meist erhalten. Die jüngere Ge- neration jedoch hat ausser in I (R.B.: Innerrhoden) die Nasalierung in weitem Umfange aufgegeben, doch mit starken individuellen Schwankungen» (Vetsch 1910, S. 104). Diese Feststellung von Vetsch aus dem Jahre 1910 für die Appenzeller Mund- arten gilt teilweise auch für das Liechtensteiner Unterland. Wenn Jutz (1925) grundsätzlich für alle Vokale in nasaler Umgebung Nasalierung mit unterschiedlichen Stärkegraden erhoben hat, so Er Betrifft 
E M G 
R Sb HS 
Ul 8 e vor nK 
0 0 0 
0 0 0 
0.0 17 ö vor nK 
66 75 84 
84 75 66 
75.0 26 d vor nK 
93 81 87 
68 87 93 84.8 27 ce vor nK 60 0 10 0 100 100 
45.0 28 
6 vor nK 85 90 95 
90 90 90 
90.0 35 ei vor nK 
83 79 
74 
66 76 84 77.0 36 ei vor nK 100 100 100 100 100 100 100.0 40 ie vor nK 100 92 73 55 75 75 
78.3 41 uo vor nK 
75 62 62 
62 75 62 
66.3 42 üe vor nK 75 62 100 
87 87 75 81.0 223
        

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