DIE MUNDART DES FÜRSTENTUMS LIECHTENSTEIN ROMAN BANZER Liechtenstein. Somit wurde die einheimische Be- völkerung durch die Auflösung bäuerlich-dörflicher Strukturen, die sprachlich ihre Spuren hinterlassen hat, vermehrt mit benachbarten und fremden Idio- men konfrontiert. Wir stellen daher die Hypothese auf, dass die Arbeitstätigkeit und das Pendlertum hauptsächlich verantwortlich sind für die sprachli- chen Veränderungen. «Durch das Datenmaterial konnte mit statistischer Signifikanz nachgewiesen werden, dass am Untersuchungsort Knutwil eine Reihe von Grundfaktoren für den Vokalisierungsge- brauch bestimmend sind. Die deutlichsten Vokali- sierungsunterschiede kommen durch die Art der Berufstätigkeit zustande, während der Einfluss der Berufsposition weniger klar wird» (Christen 1988, S. 207). Auch andere Untersuchungen haben die Relevanz dieses sozialen Faktors belegt.104 Aufgrund der gleichen sprachpragmatischen Verhältnisse in der Schweiz und in Liechtenstein sowie aufgrund der vergleichbaren wirtschaftlich- sozialen Verhältnisse (Wirtschaftszentrum mit dörf- licher Umgebung) nehmen wir an, dass dieser Faktor auch für unser Untersuchungsgebiet von entscheidender Bedeutung ist. Wir unterteilen also die Probanden in manuell tätige (m) und nicht ma- nuell tätige (nm) und postulieren die Abhängigkeit der Sprachproduktion von der Arbeitstätigkeit. Nicht weniger wichtig für den Sprachausgleich innerhalb des Landes ist unserer Meinung nach das Zu- und Wegpendeln der Einwohner Liechten- steins vom Wohn- zum Arbeitsort. Der Einfluss des Wirtschaftszentrums (Schaan und Vaduz) vor allem auf die Ortsmundarten des Unterlandes hat sich in den Voruntersuchungen der Texte gezeigt. Wir un- terteilen in Pendler (P) und Stationäre (St) und po- stulieren die Abhängigkeit der Sprachproduktion vom Pendlertum. 
Die restlichen Determinanten werden konstant gehalten oder sind für unsere Untersuchung nicht von ausschlaggebender Bedeutung. Dies führt zu einer Einengung der Untersuchung. Man darf aller- dings nicht vergessen, dass im Rahmen der vorlie- genden Arbeit nicht mehr realisierbar ist, zudem muss man sich vor Augen halten, dass in der Ana- lyse die sozialbedingte Abhängigkeit von fast 50 va- riablen Lauten untersucht wird und es aus arbeits- technischen Gründen nicht möglich ist, eben diese Variablen mit mehreren Rededeterminanten zu korrelieren. 4.2.3.2. DIE PROBANDEN Die Auswahl der Probanden erfolgt durch eine ge- schichtete Stichprobe.105 Die Gewährsleute werden von Referenzpersonen vorgeschlagen. Nach stati- stischen Regeln ergäbe sich an die Forderung der Repräsentativität eine viel zu hohe Zahl an Proban- den, die nie zu bewältigen wäre. Die Untersuchung wird eingeschränkt auf Erwerbstätige, die ihren Arbeitsort im Wohnort haben oder zur Arbeit weg- pendeln. Pro Dorf werden vier Probanden befragt, woraus sich die folgende Struktur ergibt: Planken wird in diese Untersuchung nicht aufge- nommen, weil die 290 Einwohner zählende Ge- meinde bei der Analyse der Basismundart in der Lautung keinerlei Abweichungen von der Nachbar- gemeinde Schaan zeigte.'06 Zusätzlich wird der Weiler Hinterschellenberg in der Gemeinde Schel- lenberg in die Untersuchung aufgenommen, weil die Aufnahmen zur Basismundart hier Abweichun- gen zur restlichen Gemeinde belegen. s Tabelle 14: Probanden pro Dorf , , ' Total 1 Pendler, manuell ll Pendler, manuell 1 Pendler, nicht manuell 11 Pendler, :nicht manuell 1 Stationärer, manuell 11 Stationärer, manuell 1 Stationärer, nicht manuell 11 Stationärer, nicht manuell 215
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.