Aus diesen Gründen begann ich im Herbst des Jahres 1943 inoffiziell kleinformatige Bilder im Privatauto des Fürsten über die Grenze zu bringen. Jetzt zeigte sich auch der Pferdefuss meiner ge- meinsamen Bergung mit staatlichen Stellen in Ga- ming, da ich sehr fürchten musste, das Wegholen der kleinen und wertvollen Bilder aus dem Depot werde Dworschak mit der Zeit auffallen. Ich begab mich Ende September 1943 zu Dworschak und er- klärte ihm, ich wolle das Bergungsgut in Gaming etwas dezentralisieren, da mir dort zu viel wert- vollstes Gut an einem Ort beisammen wäre. Ich richte mir eben das Talschloss Seebenstein als neues Depot ein und möchte deshalb von Gaming Bilder wegbringen. Da grosse Transporte wegen Auto- und Benzinknappheit nicht mehr durchzu- führen wären, müsste ich die Dislokationen wert- mässig durchführen, so zwar, dass ich hochwertige kleinformatige Bilder wegnähme. Dworschak machte mir keinerlei Schwierigkeiten, und ich nahm so am 5. Oktober mit der grossen Lincoln [Limousine] des Fürsten Bilder wie Leonardo da Vinci37, van der Goes38, Jacometto, Foucquet39, die Kreuzigung Christi von Quinten Massys40, das Bild mit dem «heiligen Antonius und Paulus in der Wü- ste» des flämischen Malers Jan de Cock41, den klei- Hugo van der Goes: die Männerbildnis, dem Fran- Anbetung des Jesuskindes zosen Jean Foucquet durch die Hl. Drei Könige zugeschrieben 
nen Memling42 und den kleinen Ruisdeal43 mit. In den nächsten Tagen brachte der Fürst die Bilder gut nach Vaduz. Unsere in Klosterneuburg verla- gerten Tapisserien holte ich im Februar 1944 nach Wien und sie gingen auf demselben Weg nach We- sten. Nachdem einige Zeit verstrichen war, holte ich am 19. April 1944 insgesamt 14 Bilder aus Ga- ming, kleine Holländer, Rubensskizzen, Italiener und das Frauenporträt von Rembrandt.44 Die schon fast verzweifelte Kriegslage, die der Frühling 1944 brachte - die Russen standen schon in Polen, Rumänien und Bulgarien - veranlassten mich, neuerdings mit staatlichen Stellen in Ver- handlung zu treten, um eine Bergung in Liechten- stein noch in letzter Minute durchzusetzen. Die bei- den oben genannten Haupteinwände konnten zu dieser Zeit nicht mehr gemacht werden, denn kaum ein objektiver Mensch zweifelte mehr an der deutschen Niederlage (wenn auch darauf die To- desstrafe stand). Ende April 1944 traf ich mit dem Sonderbeauf- tragten der Ostmark für Bergungsfragen, Baron von Berg zusammen, der sich auf meine Sondie- rung völlig ablehnend verhielt und erklärte, allein wolle er über solche Fragen gar nicht diskutieren. So arrangierte ich am 18. Mai eine neue Unterre- dung in Wien, bei der ausser Berg noch der Chef des Denkmalamtes, Dr. Heribert Seiberl45, anwe- send war. Wir trafen uns in der Stallburg [in der Hofburg von Wien]. Baron Berg hatte aufgrund un- serer ersten Fühlungnahme die Sache bereits mit dem Generalreferenten für Kunstangelegenheiten, Hermann Stuppäck46, besprochen, dieser wieder war damit zum Reichsleiter von Schirach gegan- gen, welch letzterer abermals zu erkennen gab, dass er die Sorgen des Fürsten verstehe. Nun stand damals ein Besuch des Fürsten bei Baidur von Schirach bevor und man wollte vorher nichts un- ternehmen. Seiberl und Berg waren noch immer sehr skeptisch und offerierten mir damals, ich kön- ne mit meinem gesamten Bergungsgut in die Salz- bergwerke bei Altaussee und Ischl im Salzkammer- gut einziehen, wo zu dieser Zeit bereits ungeheure Schätze beisammen waren. Man lud mich ein, die Bergwerke zu besichtigen. Die Frage der Salzberg- 18
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.