DIE MUNDART DES FÜRSTENTUMS LIECHTENSTEIN ROMAN BANZER stellt. Als Ordnungsprinzip dient das mittelhoch- deutsche Normalsystem, das als solches nie ge- sprochen wurde, in der Literatur aber als normati- ves System einheitlich gebraucht wurde. «Es ent- spricht dialektologischer Tradition, die mundart- lichen Laute auf das  Vokalsystem zu beziehen. Selbstverständlich be- steht kein Zweifel daran, dass ein  Normalmittelhochdeutsch nie bestanden hat, es ist ja auch nicht denkbar, dass eine so weiträumige Sprache je hätte einheitlich sein können» (Haas 1978, S. 107). Es müssen alle mittelhochdeutschen Laute in allen möglichen Wortstellungen und in allen möglichen Vokal- oder Konsonantenverbin- dungen in ihrer Entwicklung zu den bestehenden mundartlichen Entsprechungen untersucht wer- den. Daraus ergibt sich, welche Laute sich in wel- cher Umgebung wie entwickelt haben. Es zeigen sich Tendenzen gleichmässiger Entwicklungen (z.B. Einfluss des Nasals), vor allem aber zeigen sich jene Wortstellungen und Lautkombinationen, die keinen Einfluss auf die Entwicklung der mittel- hochdeutschen Laute gehabt haben. Wir untersu- chen Lautentwicklungen und können dadurch für die Basismundart Entwicklungsregeln festhalten, die wir nachfolgend definieren. Nachdem sich Jutz als erster unter diesem Aspekt mit der Liechtensteinischen Mundart aus- einandergesetzt hat, kennen wir die linguistischen Bedingungen der Lautentwicklung. Gemäss Unter- suchungsanlage werden Basismundarten und die Ortsmundarten im Jahr 1989 miteinander vergli- chen, um somit den Lautwandel und die Lautvaria- tion zu erheben. Die Ergebnisse von Jutz aus dem Jahr 1925 können daher nicht übernommen wer- den, die basismundartlichen Daten für unseren Vergleich müssen für 1989 erhoben werden. 3.2.2. UNTERSUCHUNGSANORDNUNG In einem ersten Arbeitsgang wurden sämtliche bei Jutz festgestellten Lautentwicklungen extrahiert, systematisiert und zu einem Katalog zusammenge-fasst. 
Nach einer Überprüfung der Vollständigkeit wurden die bei Jutz genannten Beispiele aufgelistet und wenn nötig ergänzt, damit für die Erstellung des Fragebogens pro Lautentwicklung normaler- weise drei Belege zur Verfügung standen. Bei den Nasalen war dies nicht immer möglich. Daraus er- gab sich eine Liste mit zirka 430 Wörtern.42 Die Datenerhebung erfolgte durch direkte Befra- gung mit Hilfe eines Fragebogens. Die Fragen sind geschlossen und lassen nur eine richtige Antwort zu, eben die Nennung jenes Wortes, in welchem der Laut steht, der von uns in dieser Stellung erho- ben werden soll.43 Die Fragen wurden nach Themenbereichen ge- ordnet, um somit ein freies Gespräch zu ermögli- chen. Die Antworten wurden zur Kontrolle auf Ton- band aufgenommen. Wenn möglich wurde jedoch während der Aufnahme der vom Proband produ- zierte Laut in phonetischer Schrift auf einem Aus- wertungsbogen transkribiert. Pro Gemeinde wurden zwei Gewährspersonen befragt (vgl. Liste im Anhang). Eine Ausnahme machte hier lediglich die Gemeinde Schellenberg, weil in der Mundart der Gewährsleute im Weiler Hinterschellenberg zum Teil vom Rest der Gemein- de abweichende Formen auftreten. Hier wurden vier Aufnahmen gemacht. Die Gewährspersonen erfüllten folgende Voraus- setzung: Hohes Alter, Verbundenheit mit dem Dorf, keine längerdauernden Auslandsaufenthalte, Mut- ter und Vater aus Liechtenstein (wenn möglich aus dem gleichen Dorf). Pro Dorf wurden eine Frau und ein Mann befragt. Der Fragebogen lag lediglich dem Explorator vor. Um die erhobenen Daten zu vergleichen, muss die Gesprächssituation mit den Rededeterminanten Aufnahmeort, Gesprächsinhalt, Intention, Anzahl der Kommunikatoren, Stil und Öffentlichkeitsgrad sowie Alter der Gewährsperson grundsätzlich für jede Aufnahme identisch sein. Die Rededetermi- nante Aufnahmeort ist für uns dann für alle iden- tisch, wenn der Grad der Vertrautheit des Proban- den mit den sozialen und situativen Faktoren mög- lichst hoch ist. Die mentale Einstellung zum Ort be- stimmt den Grad der Vertrautheit. Es ist entschie- 179
        

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