folgenden jedoch unabdingbar, wenn es um die Un- terscheidung zwischen Basismundart und Orts- mundart geht. «Mundart ist stets eine der Schriftsprache vor- angehende, örtlich gebundene, auf mündliche Rea- lisierung bedachte und vor allem die natürlichen Lebensbereiche einbeziehende Redeweise, die nach eigenen, im Verlauf der Geschichte durch nachbarmundartliche und hochsprachliche Ein- flüsse entwickelten Sprachnormen von einem gros- sen heimatgebundenen Personenkreis in bestimm- ten Sprechsituationen gesprochen wird» (Sowinski 1974, S. 180). Diese Definition könnte durchaus durch eine andere ersetzt werden. Wir verwenden sie, weil sie relativ offen gehalten ist und trotzdem die nötigen Aspekte der Linguistik, der geographi- schen Geltung, des sozialen Verwendungsbereichs und der Historizität und LIeterogenität beinhaltet. Wir definieren Ortsmundart als de facto ge- brauchtes Kommunikationsmittel im Gegensatz zum linguistischen, theoretischen Konstrukt der Basismundart. Unter Ortsmundart (ungleich Mund- art, Dialekt; ungleich Basismundart) sind sämtliche in Gebrauch stehenden Inventare oder Varietäten zu verstehen, die durch die sozialen Normen der Sprachgemeinschaft eines Ortes als dialektal emp- funden und geduldet werden und nicht zur Stan- dardsprache oder zu einer Fremdsprache gehören. Ortsmundarten sind keine abgeschlossenen, homo- genen Grössen. Variation, Heterogenität und Histo- rizität sind konstituierende Elemente. «Sprache ist nicht homogen, sondern heterogen. Da sie sich zweckgebunden an die Unterschiede in den menschlichen Tätigkeiten anpasst, kann man ihre funktionale Variation nur verstehen, wenn man den sozialen Kontext in die Sprachbetrach- tung von vornherein einbezieht. Gerade aufgrund der sprachlichen Variation können für verschiede- ne kommunikative Zwecke flexibel stilistische Vari- anten gewählt werden ...» (Dittmar 1982, S. 27). Unser Begriff der Ortsmundart ist gleichzusetzen mit der Definition, die Ammon (1986, S. 227 ff.) für den Dialekt gibt. Sie passt besonders gut in die liech- tensteinische Diglossiesituation, weil Standard- deutsch nicht als Referenz miteinbezogen wird. 
Eine Ortsmundart liegt dann vor, 1. wenn es sich um eine Varietät handelt, 2. die keiner anderen Varietät übergeordnet ist, 3. die nicht standardisiert ist. Ortsmundarten sind Sprachen im Sinne von Va- rietäten, deren funktionale Normen ausschliesslich durch die Mitglieder einer Sprachgemeinschaft de- finiert werden. Varietäten funktionieren immer in Abhängigkeit von aussersprachlichen Determinan- ten und können sich auf allen grammatikalischen Ebenen unterscheiden, der phonetischen, morpho- logischen, syntaktischen und lexikalischen. Varie- täten können durch verschiedene Determinanten unterschieden werden: räumlich-geographisch, hi- storisch, funktional, sozial wertend. Eine Orts- mundart ist keiner anderen Ortsmundart überge- ordnet, nach den Worten von Ammon überdacht sie keine andere Varietät derselben Sprache. «Wenn man die Region einer Varietät als Menge von Gebietspunkten auffasst, so kann man es auch folgendermassen formulieren: die Region einer sol- chen Varietät a, die [R.B.: eine Ortsmundart] ist, bildet keine echte Obermenge über der Region ir- gendeiner anderen Varietät b derselben Sprache» (Ammon 1986, S. 228). Es wäre also falsch, von einer liechtensteinischen Ortsmundart zu spre- chen. Es gibt nur eine bestimmte Zahl von Orts- mundarten, die zusammen die Liechtensteinische Mundart ergeben. Ortsmundarten sind nicht stan- dardisiert. Das heisst, dass es keine schriftlich nie- dergelegten, verbindlich geltenden Regeln gibt, die den Sprachgebrauch bestimmen. Es liegt keine Grammatik vor, die präskriptiv gebraucht wird. 3.2.1. DIE ERHEBUNG DER LAUTE DER BASISMUNDART Die Basismundart ist gemäss unserer Definition ein archaisches Idealsystem, die idealisierte Sprach- form der Orte Liechtensteins in homogener und konstanter Form. Die Lautung der Basismundart der Orte des Fürstentums Liechtenstein wird in diachroner Analyse sprachgeographisch darge- 178
        

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