3. Die Liechtensteiner Mundart. Beharrung und Veränderung desfeierreden, staatsmännische Reden, Trauerre- den, Vorträge und Referate wohl das Vorherrschen der einen oder anderen Sprachform beschrieben werden, dies aber nie ohne Ausnahme. «Was der Mundartrede ihre Stellung heute sichert, ja noch immer erweitert, ist ihre Nähe zum Gespräch, die zum Kennzeichen der heutigen öffentlichen Rede überhaupt geworden ist. Dass sich daneben im ge- schlossenen Vortrag und in FachgeseOschaften das Schriftdeutsche seinerseits eine wesenseigene Stel- lung bewahrt hat, ja auch einmal bei einer Gele- genheitsrede ohne weiteres verwendet werden kann, gehört zu den Freiheiten unseres Sprachge- brauchs, der individueller Gestaltung so weiten Spielraum lässt, schöpfe der Redner nun die Mög- lichkeiten mundartlichen oder schriftsprachlichen Ausdrucks oder gar beider in ihrer gegenseitigen Ergänzung aus» (Schwarzenbach 1969, S. 311). Die Ausführungen von Schwarzenbach bezüg- lich des Sprachformengebrauchs vor Gericht be- schränken sich auf den Kanton Zürich. Vor allen Instanzen wird in Mundart befragt und auch so ge- antwortet. Die Vorträge von Staatsanwalt und Ver- teidiger erfolgen in Hochdeutsch. Allgemein ist auch hier die Mundart in der Minderheit. Dies gilt auch für die Liechtensteinischen Gerichte, wo in offiziellen Situationen kaum Mundart gesprochen wird. Der Sprachformengebrauch in den kantonalen Parlamenten der Schweiz ist unterschiedlich. Auf Bundesebene wird allgemein Hochdeutsch, in den Gemeindeversammlungen meist Mundart gespro- chen. In Liechtenstein wird in den Gemeindeparla- menten durchwegs die Mundart und im Landtag durchwegs das Schriftdeutsche verwendet. Ein zu- sammenfassender Vergleich des Sprachgebrauchs in den Schulen ist auf Grund der Unübersehbarkeit nicht möglich. Wir verweisen hier auf die ausführ- liche Arbeit von Sieber/Sitta 1986. 
3.1. ALLGEMEINES ZUR BASISMUND ART Die Beschreibung der Laute der Basismundart, des Lautwandels, der Lautvariation und damit die Dar- stellung der Ortsmundarten auf lautlicher Ebene bildet den Inhalt der folgenden Untersuchung. Der kontrastive Vergleich der heute de facto verwende- ten Sprachformen mit der Basismundart be- schreibt die Ortsmundarten. Der Vergleich von Ba- sismundart und Ortsmundart dokumentiert den Lautwandel und die Variation. Die Analyse beschränkt sich auf das Lautsystem. Veränderungen sind in allen grammatischen Berei- chen zu erwarten, aber vor allem die Lexik hat in den vergangenen Jahrzehnten Änderungen durch- gemacht, die augenscheinlich und leicht nachvoll- ziehbar sind. Jeder weiss um das Verschwinden von Wörtern und die Aufnahme von neuen Lexe- men in die deutsche Sprache, wie sie in den letzten Jahrzehnten als Zeichen des Wandels unserer Ge- sellschaft mit besonderer Vehemenz geschehen ist. Dies zeigt eine diesbezügliche Untersuchung (Ban- zer 1990) deutlich. Es wurden acht Texte von ver- schiedenen Sprechern in unterschiedlichen Situa- tionen untersucht. Die Texte umfassen insgesamt je 4105 Wörter, davon gehören 403 oder 9,8 Prozent nicht zur Basismundart. Die Texte 1 bis 8 zeigen signifikante Unterschiede in der Anzahl der nicht- basismundartlichen Wörter. Die Prozentzahlen nichtbasismundartlicher Wörter schwanken zwi- schen 1,5 für Text 1 und 21,2 Prozent für Text 8. Besonders betroffen davon sind die Substantive. Von total 547 (21 Prozent der Gesamtmenge) Sub- stantiven entstammen 213 oder 39 Prozent nicht der Basismundart. Hoch sind die Zahlen für die Texte der älteren Gewährsperson mit 61,2 Prozent, 53,6 Prozent und 54,8 Prozent. Von den nichtba- sismundartlichen Wörtern sind 213 (60%) Sub- stantive, 68 (19 %) Verben, 50 (14 %) Adjektive und 21 (5 %) übrige. 291 (72 %) der nichtbasismundart- lichen Wörter sind hochdeutsche, 99 (24 %) sind nichthybride Fremdwörter41 und 13 (3 %) sind hy- bride Wörter. Die Interferenzen sind vor allem für die Texte 5 bis 8 besonders stark. Dies wird belegt 176
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.