Die Einwanderung der Alemannen aus nörd- lichen Nachbarländern sowie die politische und kirchliche Trennung des Unter- und Oberlandes ha- ben zu einer deutlichen Sprachgrenze im Schaaner Riet geführt.8 Die beiden Landschaften Vaduz und Schellenberg wurden 1719 zum Staat Liechtenstein geeint und hatten davor eine unterschiedliche wirt- schaftlich-politische und kirchliche Ausrichtung. Die Verbindung der Unterländer zu Feldkirch im benachbarten Vorarlberg ist heute noch stark und bei der älteren Generation belegt durch den Aus- druck «in die Stadt gehen», wenn man nach Feld- kirch auf den Markt ging. «Nicht minder wichtig war auch die kirchliche Einteilung bei der Heraus- bildung der heutigen mundartlichen Kleinräume. Eigene Pfarreien ( gehörten, im Unterland Bendern, Eschen und Mau- ren, die bis 1370 zum Dekanat Walgau gehörten und erst dann dem Dekanat  unterstellt wurden» (Gabriel 1981, S. 177). In Liechtenstein wird ein alemannischer Dialekt gesprochen. Ob dieser aber dem Mittel- oder Hoch- alemannischen zugeordnet werden soll, darüber herrscht in der Literatur wenig Einigkeit.9 Auf alle Fälle lassen sich der klassischen Dialektgeographie gemäss Isoglossen10 finden, die die Postulation ei- ner Liechtensteiner Mundart für sinnvoll und rich- tig erscheinen lassen. Tabelle 1: Muttersprachen der Einwohner Liechten- steins 
«Die deutsche Sprache ist die Staats- und Amts- sprache», lautet Art. 6 der Verfassung des Fürsten- tums Liechtenstein. Nach den Angaben des Stati- stischen Amtes haben in der Volkszählung von 1980 von insgesamt 25'215 Einwohnern 22'892 Deutsch, 152 Französisch, 653 Italienisch, 102 Rä- toromanisch und 1416 «etwas Anderes» als Mut- tersprache (Statistik 1988, S. 40) angegeben. Was aber heisst hier Deutsch? Weder in der Verfassung noch in der Statistik wird das Wort näher definiert, obwohl unter Deutsch als Muttersprache und Deutsch als Amtssprache in Liechtenstein sicher nicht das Gleiche zu verstehen ist. Die Mutterspra- che ist vielfach ein alemannischer Dialekt, den im Schriftverkehr der Ämter wohl niemand passend finden würde. Bereits aus diesen Formulierungen der Verfassung und der Volkszählung ergeben sich einige Probleme zum Sprachgebrauch im Fürsten- tum Liechtenstein. Einen ungefähren Anhaltspunkt über die Zahl der Mundartsprecher mit Liechtensteiner Dialekt be- kommt man durch die Gleichsetzung der Liechten- steiner Bürger mit den Mundartsprechern. Von ins- gesamt 27'700 Einwohnern im Jahre 1988 waren 17'800 Bürger Liechtensteins. Auf Grund unserer Beobachtungen gehen wir davon aus, dass davon deutlich mehr als 90 Prozent die Mundart passiv und aktiv beherrschen. Rechnet man hier jene Einwoh- ner hinzu, die seit ihrer Geburt oder viele Jahre ohne Bürgerrechte in Liechtenstein leben und ihren frem- < Andere Fränzösich f Deutsch 154
        

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