DIE MUNDART DES FÜRSTENTUMS LIECHTENSTEIN ROMAN BANZER Zum Geleit Dissertation zur Erlangung der Doktorwürde an der philosophischen Fakultät der Universität Frei- burg in der Schweiz. Genehmigt von der Philosophischen Fakultät auf Antrag der Professoren Walter Haas (1. Gutachter) und Georges Darms (2. Gutachter). Freiburg, den 25. Februar 1994 Prof. Dr. Jean-Luc Lambert, Dekan 
Das Fürstentum Liechtenstein gehört zu den Staa- ten deutscher Sprache, in denen die Mundart im täglichen Leben eine privilegierte Stellung ein- nimmt, da sie von allen Bevölkerungsschichten in allen alltäglichen Situationen gesprochen wird. Diese Sprachsitutation, die das Fürstentum mit der deutschen Schweiz teilt, galt vor nicht allzulanger Zeit weitherum im oberdeutschen Sprachgebiet. Durch die neuern Entwicklungen in der Bundes- republik und in Österreich ist sie hinter die Gren- zen der beiden Kleinstaaten zurückgedrängt wor- den, die nie mit Sprach- oder auch nur Dialekt- grenzen zusammenfielen - heute aber zu «Sprach- verhaltensgrenzen» geworden sind. Der intensive Gebrauch der Mundart im täg- lichen Leben bedeutet Lebendigkeit, Lebendigkeit bedeutet Veränderung. Dass der Wortschatz nur mit den Entwicklungen des Lebens Schritt halten kann, indem er sich verändert, sieht man leicht ein. Von der Verständigungsfunktion der Sprache her schwieriger zu begreifen ist dagegen, dass sich auch Lautung, Formen und Satzbau in dauerndem Umbau befinden. Aber die Sprache hat auch an- dere Aufgaben als die blosse Verständigung; nicht zuletzt dient sie dazu, Zugehörigkeit und deren Grenzen zu markieren. Dies ist heutzutage viel- leicht die wichtigste Funktion der lokalen Mundart- unterschiede. Gerade die Laute sind überaus geeig- net, lokale Herkunft zu signalisieren, ohne doch die inhaltliche Verständigung zu behindern. Mit seiner Arbeit hat sich Roman Banzer zwei Ziele gesetzt. Zum einen will er den Gebrauch der Mundart im Fürstentum Liechtenstein beschrei- ben. Zum andern will er die lautlichen Verände- rungen, die die Mundarten in den letzten Jahr- zehnten erfahren haben, dokumentieren. Bei der Darstellung des Sprachgebrauchs verfällt Banzer nicht dem Fehler, sich als geborener Liechtenstei- ner auch schon für eine geborene Autorität auf die- sem Gebiet zu halten; deshalb begnügte er sich nicht mit einer essayistischen Beschreibung des schon immer Gewussten, sondern erhob in Umfra- gen bei zahlreichen Gewährspersonen den Sprach- gebrauch bei den Gerichten, in Parlament und Ver- waltung, in Kirche, Bildungswesen, Öffentlichkeit, 145
        

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