EIN BLICK AUS DEM FENSTER ELISABETH CASTELLANI ZAHIR der jüngeren oder Vaduzer Linie des reichsgräf- lichen Hauses von und zu Hohenems. Als Heran- wachsender stand er - zusammen mit seinem älte- ren Bruder Karl Friedrich (1622-1675) und sei- nem Onkel Franz Leopold, genannt Franziskus, (1620-1642)40 - unter den Fittichen seines Gross- vaters Graf Kaspar von Hohenems. In Innsbruck sowie in Mailand erhielt er eine sorgfältige, einem jungen Adeligen angemessene Ausbildung.41 Franz Wilhelm war ein durchschnittlicher Schüler, erle- digte brav, was von ihm verlangt wurde und tat sich weder positiv noch negativ hervor. Im Jahre 1646, nach dem Tod des Vaters, erhielt er als achtzehnjähriger Jüngling die Grafschaft Vaduz zu eigen,42 die vorher sein kinderloser und vier Jahre zuvor verstorbener Onkel Franz Maria (1608 bis 1642), zwölftes und letztes Kind seines Grossvaters Kaspar aus erster Ehe, besessen hatte.43 Der Onkel hatte noch in seinem Todesjahr am 9. Februar 1642 seine Hochzeit mit Susanna Hedwig Freiin von Raming auf Schloss Vaduz gefeiert.44 Der Neffe folgte ihm nach und feierte 1649 ebenfalls, auf Schloss Vaduz, seiner neuen Besitzung, die eigene prunkvolle Hochzeit mit der um einige Jahre älte- ren Eleonora Katharina Landgräfin von Fürsten- berg (1620-1670), mit der er am 14. Februar in der Schlosskapelle von Stühlingen die Ehe ge- schlossen hatte.45 Der Bräutigam war 21-jährig, die Braut hingegen bereits 29 Jahre alt. Franz Wilhelm I. starb schon 34-jährig am 19. September (und nicht am 10. Dezember, wie im Bild angegeben) 1662 zu Chur und ruht in der Fa- miliengruft zu Hohenems. Eleonora Katharina er- reichte ein respektables Alter von 50 Jahren und verschied am 18. Februar 1670 an den Folgen einer schmerzhaften Wassersucht.46 Unter den Kin- dern des Ehepaars heiratete der Jüngste, Franz Wilhelm II. (1654-1691), die Prinzessin Louise Jo- sefa von Liechtenstein (1670-1736); so wurden das Gräfliche Haus Hohenems und das Fürstliche LIaus Liechtenstein noch gegen Jahrhundertende ver- schwägert.47 Nach seinem Tod gebar die junge Liechtensteinerin einen Sohn, Franz Wilhelm III. (1692-1759); er wurde k.u.k. Generalmajor und Festungskommandant von Graz. Mit dessen Ab-leben 
im Jahre 1759 erlosch das Geschlecht der Reichsgrafen von Hohenems im Mannesstamm. ... UND ELEONORA VON HOHENEMS - VADUZ - FÜRSTENRERG Unser Hohenemser Gemälde steht nicht alleine. Es ist Teil 
eines Ehepaarporträts und hat sein Pendant im Konterfei seiner Gemahlin Eleonora Katharina von Hohenems-Fürstenberg (Abb. 2). Eleonora Katharina war die Tochter des 1631 zu Wien ver- storbenen Grafen Wladislaw I. von Fürstenberg, Reichshofratspräsident, und seiner dritten Gemah- lin Lavinia von Gonzaga-Novellara.48 In der Ehe von Eleonora Katharina und Franz Wilhelm wur- 36) Andreas Ulmer: Die Burgen und Edelsitze Vorarlbergs und Liechtensteins historisch und topographisch beschrieben. Dornbirn, 1925 (Nachdruck Dornbirn. 1978), Abb. S. 225. 37) Fischbach 1994, S. 313. - Ludwig Welti: Graf Kaspar von Hohen- ems 1573-1640. Innsbruck, 1963 [=Welti 1963], Farbtafel I (Die Hohenemser Kulturlandschaft um 1613). 38) Welti 1963, S. 4.34 f. - Der Kupferstich befindet sich in der Graphischen Sammlung von Schloss Vaduz. 39) In den meisten Biografien wird 1627 als Geburtsjahr angegeben. Franz Wilhelm I. ist aber während eines Hoflagers in Enisheim (Elsass) kurz vor dem 9. Januar 1628 geboren. Welti 1963, S. 262 f. 40) Ein Kinderbildnis von Franziskus befindet sich im Liechtenstei- ner Landesmuseum (Norbert Hasler: Kinderbildnisse der Hohen- emser Grafen Franziskus (1620-1642) und Franz Karl Anton (1650-1713) aus den Sammlungen des regierenden Fürsten von Liechtenstein im Landesmuseum, In: JBL 83 (1983), S. 215-218). 41) Welti 1963, S. 346-361. 42) Der Bruder Karl Friedrich behielt als Ältester die hohenemsi- schen Stammlande. Nach dem Tode Franz Wilhelms I. 1662 über- nahm der ältere Bruder Karl Friedrich die vormundschaftliche Regie- rung in Vaduz bis zu seinem Tode 1675 (Welti 1930, S. 121, 145). 43) Wiesor 1920, S. 64, Anm. 9. Wieser verwechselt in seinem Bericht einen Grafen «Franz Markus» (?) mit Graf Franz Maria. 44) Welti 1963, S. 329. 45) Bergmann 1861, S. 61 f. 46) Ebenda, S. 62. 47) Welti 1930, S. 152. 48) Welti 1963, S. 264, Anm. 2. 135
        

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