EIN BLICK AUS DEM FENSTER ELISABETH CASTELLANI ZAHIR spektivischer Verlängerung der Seitenkante des Beistellmöbels im Vordergrund, markiert durch Franz Wilhelms lässig daraufgelehnte rechte Hand, eine dynamische Diagonale in leichter Versetzung von links unten nach rechts oben durch die Garten- mauer des Schlosses im Bildfenster weiterläuft und dort einen architektonischen Tiefenraum er- schliesst, der das Schloss Vaduz recht eigentlich zum zweiten Bildmittelpunkt macht. Dieser Haupt- diagonalen entspricht eine ausgleichende formale Gegenbewegung von links oben nach rechts unten, deren Hauptträger das breite Bandelier bildet, wel- ches den Vornamen des Grafen «Franc» in der In- schrift mit Wappenkartusche und Degen in einer Richtungsdynamik verbindet, ein Verweis auf den ritterlichen Edelmann namens Franz. Alle genann- ten Kompositionslinien, d.h. die beiden Diagonalen sowie die Mittelachse, kreuzen sich in der vor die Brust gelegten linken Hand des Grafen, die damit den zentralen Bildpunkt abgibt. Soweit eine erste Bildannäherung. Sie gibt uns einen Hinweis auf die doppelte Funktion des Gemäldes als Porträt und Vedute. Ein Porträt erfüllt mit unterschiedlicher Akzentsetzung drei Aufga- ben: memoriale, repräsentative und exemplari- sche. Eva Kuby: «Ein Bildnis sollte einer gemalten Person ähnlich sein und an sie erinnern - auch nach ihrem Tod. Rang und Status in Familie, Beruf und Öffentlichkeit sollte ein Porträt ebenso wider- spiegeln wie gleichzeitig die besonderen Fähigkei- ten und Eigenschaften der Person herausstellen.»10 8) Die Grafschaft Gallarate im Mailändischen wurde von den Hohen- emsern 1578 erworben und nach dem Tode Graf Kaspars 1640 an seinen jüngsten Sohn aus zweiter Ehe und Studiengenosse Franz Wilhelms, Franz Leopold (1620-1642) vererbt. 1655 wurde die Herrschaft aus wirtschaftlichen Erwägungen von Franz Wilhelms ältestem Bruder Karl Friedrich unter Vorbehalt des Titels an die Visconti verkauft (Welti 1930, S. 145). 9) Die Inschrift ist in leicht veränderter Schreibweise abgedruckt bei Bergmann 1861, Nr. XXVII, S. 104, und bei Schaffer 1881, Nr. 21, S.25. 10) Eva Kuby: Porträts. Niederländische Malerei des 17. Jahrhun- derts der SOR-Rusche-Sammlung. In: Architektur, Kunst- und Kunstgeschichte in Nord- und Westdeutschland (AKK), 1995, Heft 1, S. 14 [= Kuby 1995]. 
Abb. 2: Gräfin Eleonora Katharina von Hohenems- Fürstenberg (1662). Ehe- paarpendant zu Abb. 1. Das Ölbild aus der ehe- maligen Hohenemser Gemäldegalerie, das 1993 im Palast Hohenems in Hohenems (Vorarlberg) 
ausgestellt war, befindet sich heute im Städtischen Museum von Policka (Tschechien). 127
        

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