Abb. 1: Graf Franz Wil- Das Ölbild aus der ehema- helm I. von Hohenems- ligen Hohenemser Gemäl- Vaduz im Jahr 1662. degalerie, das 1993 im Palast Hohenems in Hohe- nems (Vorarlberg) ausge- stellt war, befindet sich heute im Städtischen Museum von Policka (Tschechien). 
Künstler oder die ausführende Künstlerin ist bis- lang unbekannt. Dargestellt ist lebensgross und als Ganzfigur, der Betrachterin und dem Betrachter frontal zugewandt, mit leicht nach vorne ausschrei- tender Beinstellung, ein Edelmann in höfischer Kleidung, der den Bildraum majestätisch ausfüllt: Graf Franz Wilhelm I. von Hohenems (1628-1662). Das Bild ist oben links mit dem reich gezierten Fa- milienwappen der von Hohenems, einem goldenen Steinbock auf blauem Grund, bezeichnet und be- schriftet mit «FRANC: WILHELM: COMES IN ALTA EMBS GALARA & VADVZ. DNUS IN SHELLEN- BERG: OBIJT DIE 10 XBRIS Ao: 1662» [Franz Wil- helm Graf in Hohenems, Gallara8 und Vaduz, Herr in Schellenberg, gestorben 10. Dezember des Jah- res 1662].9 Franz Wilhelm befindet sich in einem Innenraum mit einem Fenster im Hintergrund rechts oben neben der Inschrift, das die perspekti- vische Tiefe einer Architekturdarstellung eröffnet. Es handelt sich um die Südseite von Schloss Vaduz mit der Umfassungsmauer einer Gartenanlage. Die kompositorischen Mittel sind gekonnt einge- setzt. Der hohe Horizont liegt im oberen Bildviertel auf Nasenhöhe der dargestellten Person, verbindet Wappenkartusche, Gesicht des Grafen und das Hauptgeschoss der Burg, reiht also die wichtigsten inhaltlichen Bildelemente auf einer waagerechten Linie: Herkunft, Person, Besitz. Der für Innen und Aussen einheitliche Horizont knapp unterhalb der Augen ist subtil gewählt, denn er erlaubt dem Gra- fen, /2eraözublicken auf diejenigen, die das Bild be- trachten - und sie nicht anzublicken. Er wahrt da- mit herrschaftliche Distanz und verbietet sich jeg- liche Familiarität. Die Bildmittelachse geht durch die senkrechte Körpermitte des Porträtierten. Sie ist gekennzeichnet durch die Bezeichnung «Alta Embs» [Hohenems] in der Inschrift, sein beleuchte- tes Gesicht und seine linke, vor der Brust ruhende Hand. Die Vertikalität wird unterstrichen durch die herablaufenden Schmuckstreifen seines Gewandes. Die fast unmerkliche Körperdrehung nach links lässt die Figur weniger starr erscheinen und er- zeugt eine leichte, unbewusst wahrgenommene Spannung. Ein Meisterstück ist die kompositori- sche Verbindung von Innen und Aussen, wo in per- 126
        

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