EIN BLICK AUS DEM FENSTER ELISABETH CASTELLANI ZAHIR So berichtete Hofrat Franz von Wieser (1848 bis 1923) am 18. Juni 1906 von Innsbruck an den fürstlichen Kabinettsrat Carl von In der Maur (1852-1913) nach Vaduz.1 Das besagte, 1906 in Vaduz bekanntgewordene, Bild verschwand als- bald wieder aus dem hiesigen Blickfeld.2 Es lag nur in einer schlechten Schwarzweissreproduktion in einer Publikation von 1930 vor und galt bis vor kurzem als verschollen.3 Dann tauchte es über- raschenderweise 1993 in Hohenems wieder auf (Abb. 1) als Exponat der Ausstellung «Die Porträt- sammlung der Grafen von Hohenems aus dem Städtischen Museum in Policka [Tschechien]», die im Palast Hohenems gezeigt wurde.4 DAS BILD Das Bild ist Bestandteil der einst berühmten, an die 1500 Gemälde umfassenden Hohenemser Kunst- sammlung, die im Kern ins 16. Jahrhundert zu- rückreicht und einst von Graf Jakob Hannibal I. (1530-1587) und seinem Sohn Graf Kaspar (1573-1640) angelegt wurde. Ein Teil davon, dar- unter 87 Gemälde, meist Porträts von Mitgliedern der Familie Hohenems, wurde dann 1803 aus dem Palast Hohenems nach Schloss Frischberg ins böhmische Bistrau verbracht und befindet sich heute im städtischen Museum in Policka [Tsche- chien] in Verwahrung.5 Ob das Bild aus Policka mit demjenigen von 1906 identisch ist, muss derzeit noch offen bleiben, da es einige Ungereimtheiten gibt6 und auch die Möglichkeit einer Kopie7 nicht auszuschliessen ist. Für unsere Bildbetrachtung spielt diese Frage aber keine ausschlaggebende Rolle und wir sind froh über den aufgetauchten Fund. Es handelt sich um ein Ölbild in schmalem schwarzem Rahmen im Format 192 x 105 cm. Der 1) HALV. Schlossbau, 18. Juni 1906. 2) Siehe Elisabeth Castellani Zahir: Die Wiederherstellung von Schloss Vaduz 1904-1914. Burgendenkmalpflege zwischen Historis- mus und Moderne. Band 1 und Band II. Vaduz. 1993 1= Castellani 
1993]. Die folgenden Ausführungen sind als ergänzender Nachtrag zu verstehen, der aufgrund neuer Erkenntnisse notwendig wurde. 3) Castellani 1993 I, S. 43, Abb. 37 sowie S. 319, Anm. 8. - Franz von Wieser erwähnt das Bild noch 1920 in seinem Rechenschaftsbe- richt über die Schlossrenovierung mit der Bemerkung: «Das Porträt ist jetzt im Besitz S. D. des regierenden Fürsten von Liechtenstein [Johann II.].»; siehe auch Rudolf Rheinberger: Eine bisher unver- öffentlichte Darstellung der Baugeschichte der Burg Vaduz (Rechen- schaftsbericht Franz von Wieser 1920), in: JBL 77 (1977), S. 63. Anm. 9 [= Wieser 1920]. 4) Die Ausstellung im Palast in Hohenems dauerte vom 29. Mai bis zum 3. Oktober 1993. Zur Ausstellung erschien ein Faltprospekt «Die Porträtsammlungen der Grafen von Hohenems» mit kurzen Angaben zur Sammlungsgeschichte [= Faltprospekt 1993]. Ausstel- lung und Prospekt wurden von Frau Dr. Christine Spiegel betreut, der ich für die Bereitstellung der im Artikel verwendeten Reproduk- tionen danken möchte. Die Vermittlung übernahm Norbert W. Hasler, auch ihm sei an dieser Stelle Dank ausgesprochen. 5) Die wechselvolle Geschichte der Hohenemser Porträtsammlung ist recht gut dokumentiert, die neueste Publikation stammt von Andrea Fischbach: «Was in dafern verbrochen». Die Gemäldegalerie der Grafen von Hohenems. Eine Untersuchung der Motivvielfalt anhand von Inventaren des 17. Jahrhunderts. In: Vierteljahreszeitschrift für Geschichte und Gegenwart Vorarlbergs, 46. Jahrgang, Heft 3 (1994), S. 313-327 [= Fischbach 1994]. Ergänzend zur dort aufgeführten Literatur seien noch erwähnt Wenzel Schaffer: Die Gemälde-Samm- lung im Schlosse Frischberg des A. H. K. Privatgutes Bistrau in Böhmen. Wien, 1881 [= Schaffer 1881], sowie Ilse Fingerlin: Die Grafen von Sulz und ihr Begräbnis in Tiengen am Hochrein. Stutt- gart, 1992, S. 42. 6) Erstens: Das quellentlich gesicherte Todesdatum von Franz Wilhelm I. von Hohenems am 19. September 1662 stimmt nicht mit demjenigen auf der Bildinschrift (10. Dezember 1662) überein. Darauf machte schon Joseph Bergmann aufmerksam. (Joseph Bergmann: Die Reichsgrafen von und zu Hohenems in Vorarlberg. Dargestellt und beleuchtet in den Ereignissen ihrer Zeit, vom Jahre 1560 bis zu ihrem Erlöschen 1759. Mit Rücksicht auf die weiblichen Nachkommen beider Linien von 1759-1860. Wien, 1861. S. 104 [=Bergmann 1861].) Zweitens: Auf der bei Ludwig Welti: Geschichte der Reichsgrafschaft Hohenems und des Reichshofes Lustenau. Innsbruck. 1930 [= Welti 1930] auf Tafel 26 abgebildeten Schwarz- weissreproduktion (evtl. die schlechte Vaduzer Fotovorlage von 1906. von der Franz von Wieser in Innsbruck Doubletten zurückbe- hielt) ist das Wappen nicht sichtbar und der Gesichtsausdruck ein anderer. Drittens: Wieso konnte sich das Gemälde 1920 in Besitz des regierenden Fürsten von Liechtenstein befinden (Wieser 1920, siehe Anm. 3), wenn es immer Bestandteil der Hohenemser Porträtgalerie in Bistrau war, wie die Erwähnungen aus den Jahren 1861 (Berg- mann 1861, S. 104) und 1881 (Schaffer 1881. S. 25 f.) sowie das jetzige Auftauchen in Policka nahelegen? Gibt oder gab es mehrere Bilder? 7) Bergmann 1861, S. 102, sowie der Hinweis im Faltprospekt 1993. Auch bei dem 1993 im Palast in Hohenems ausgestellten Bild bleibt die Frage offen, ob es mit dem 1906 in Vaduz bekanntgewordenen Bild identisch ist oder ob es sich um eine Kopie handelt, und wel- ches dann das Original wäre. 125
        

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