DR. MED. FRANZ XAVER GASSNER 1721/22 BIS 1751 RUDOLF RHEINBERGER Das Lebensschicksal Dr. Franz Xaver Gassners war bisher weitgehend unbekannt. Man wusste, dass er durch 14 Jahre das Kriss'sche Stipendium bezog, dass er in Innsbruck Medizin studierte, dort zum Doktor der Medizin promovierte, und als «ein Mann von vortrefflichen Gaben zu Philippsburg» im Jahre 1751 starb. Diese Tatsachen konnte man den Akten des Kriss'schen Stipendiums entnehmen und wurden von Johann Baptist Büchel im Jahre 1902 in seiner «Geschichte der Pfarrei Triesen» veröffentlicht.1 In seiner Veröffentlichung «Trisner Geschlechter» im Jahre 1958 vertrat dann der ver- diente Familienforscher Fridolin Tschugmell die Ansicht, dass es sich bei «Philippsburg», wo Franz Xaver Gassner starb, um eine Stadt dieses Namens in Nordamerika2 handeln müsse. Welche Anhalts- punkte er für diese in seiner Arbeit «Trisner Ge- schlechter» geäusserte Meinung hatte, ist mir nicht bekannt. Hätte Tschugmell recht gehabt, so wäre Gassner der früheste bekannte liechtensteinische Auswanderer nach Nordamerika gewesen. Meine eigenen Nachforschungen haben nun zu- sätzliche Informationen ergeben, welche das Le- bensbild unseres Landsmannes zu ergänzen, und irrige Vorstellungen zu korrigieren vermögen. Ich will das allzu kurze Leben Gassners im folgenden mit Einbezug der neu eruierten Fakten schildern. Das Geschlecht der Gassner ist seit 1515 in Trie- sen nachweisbar und zählt zu den ältesten noch le- benden Triesner Geschlechtern. Eine Linie mit dem Stammvater Christian Gassner lässt sich ab 1618 bis ins 19. Jahrhundert herauf verfolgen.3 Dieser Linie gehört auch unser Franz Xaver Gassner an. Er wurde um 1721/224 in Triesen als Sohn einer wohlhabenden Familie geboren. Seine Eltern wa- ren Martin Gassner und Katharina, geb. Rig. Sein im Jahre 1718 geborener Bruder Johann Georg war Landesfähnrich und Wirt in Triesen. Auch der Vater wird im Jahre 1740 als Wirt erwähnt.5 Franz Xaver absolvierte das Gymnasialstudium in den Jahren 1735 bis 1737 am Feldkircher Lyze- um.6 Vom Beginn seines Studiums in Feldkirch an bezog er durch 14 Jahre das Kriss'sche Stipendi- um, das er allerdings zeitweise mit anderen teilen musste. Zuletzt hatte er es noch im Jahre 1744.' Es 
ist nicht bekannt, wo Gassner das auf das eigent- liche Fachstudium vorbereitende «Philosophicum» absolvierte, aber man darf annehmen, dass dies an der Philosophischen Fakultät der Universität Inns- bruck geschah, denn aus dem Protokoll des Valen- tin von Kriss'schen Stipendiums8 wissen wir, dass er anschliessend an der Medizinischen Fakultät der Universität Innsbruck studierte und dort im Jahre 1744 zum Doctor medicinae promovierte.9 Er war der erste Liechtensteiner Arzt, der an einer Univer- sität das Doktorat der Medizin erwarb. Nach einer zweijährigen Zeit der praktischen Ausbildung bewarb sich Dr. Franz Xaver Gassner um eine Stelle als Militärarzt bei der österreichi- schen Truppe.10 In der Reichsfestung Philippsburg bei Karlsruhe suchte man zu dieser Zeit dringend einen Garnisonsarzt und so kam Dr. Franz Xaver Gassner dorthin. Philippsburg lag an einem alten Rheinarm und bildete einen oft umkämpften Brückenkopf, der einmal in französischer, dann wieder in deutscher Hand war. Die Festung war seit 1745 wieder von k.k. österreichischen Truppen besetzt und stand unter dem Kommando des Gene- rals Freiherr von Hagen. Die ganze Festung war von ausgedehnten Sümpfen und morastigem Gelände umgeben und daher war auch das Klima 1) Joh. Bapt. Büchel: «Geschichte der Pfarrei Triesen», in: JBL 2 (1902). 2) Es gibt in den Vereinigten Staaten mehrere Städte mit dem Namen Philippsburg. 3) Fridolin Tschugmell: «Trisner Geschlechter 1237-1958» in: JBL 58 (1958), S. 17. 4) Das genaue Geburtsjahr ist nicht bekannt. 5) Fridolin Tschugmell: «Trisner Geschlechter» in: JBL 58. S. 17. 6) Anton Ludewig. «Die am Feldkircher Lyceum im 17. u. 18. Jh. studierende Jugend», Innsbruck 1932. 7) Joh. Bapt. Büchel, «Geschichte der Pfarrei Triesen» JBL 2. S. 97-104. 8) 1.LA. 9) Die Matrikel d. Med. Fakultät Innsbruck aus der ersten Hälfte des 18. Jh. sind laut Mitteilung des Universitätsarchivs verschollen. 10) Für die Angaben aus dem österr. Kriegsarchiv danke ich dem Direktor des Archivs, Hr. Hofrat Dr. Rainer Egger, Wien. 119
        

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