GOTTESFÜRCHTIGE REBELLEN AUS LIECHTENSTEIN ALBERT EBERLE ihre Häuser abzumalen. Anfangs waren uns diese Herren etwas ungünstig gesinnt, aber jetzt sind sie uns recht freundlich und schicken uns Gemüse aus ihrem Garten. Letzten Montag kam eine Hottentottenfrau zu uns, um uns ein glückliches Neujahr zu wünschen. Sie klagte mir bitterlich in der Sprache der Schwarzen, dass niemand sich um die Hottentotten kümmere; sie hätten keine Leh­ rer der Religion und doch wollten sie auch zu Jesus in den Himmel, nicht zum Teufel in die Hölle. Ich tröstete die Frau, so gut ich konnte, und sagte ihr: «Nächstes Jahr werdet ihr einen Lehrer bekommen, wir müssen zuerst die Sprache lernen!» Gestern Mittag wurden wir mit dem einen Wagen des Königs fertig. P. Cronenberghs und ich haben ihn schön angestrichen. Seine Majestät war ganz voller Freude. Jetzt haben wir noch zwei andere Wagen zu reparieren und dann werden wir wohl unser Stück Land erhalten!130 FRANZ PFANNER SETZT SICH FÜR MARIA NIGG EIN G. s. J. u. M! Mariastern 22. 5. 1883 Ehrwürdige Frau Oberin Pia! Wahrscheinlich ist Antwort auf dieses Briefchen über­ flüssig. Am 4. 6. komme ich wahrscheinlich zu Rev. Fa- ther Volk German church, Union Str. 47 White chapel London. Bei ihm logiere ich. Etwas Wichtigeres. Ich weiss Ihnen eine prächtige Ar­ beitsschwester, aber sie ist schon 40 Jahre alt. Doch ma­ chen Sie eine Ausnahme in Afrika kann man schon Aus­ nahmen dieser Art machen. Sie kann melken Garten- Feldarbeiten, ausgezeichnet, stark, charakterfest^' 3 Brüder von ihr sind bei uns Trappisten und reisen nächsten Juli zu uns nach Natal in Afrika. Ihr 4. Bruder ist Jesuitenbruder in Afrika am Zambesi. Die ganze Fami­ lie hat Ordensgeist. Im Falle sie sich entschliesst, kann sie mit Ihnen reisen oder schliesst sich am 4. Juni abends unseren Brüdern in München an und kommt mit diesen nach London. In die­ sem Fall telegrafiert sie selbst nach London um einen Platz II. Klasse. Ich betrachte die Sache für abgemacht dass sie am 8. Juni mitfährt. Warum nicht? Sie ist fertig, wollte soeben in ein anderes Haus eintre­ ten. Ich höre sie seien es bloss 5, nehmen Sie wenigstens noch eine feste Arbeitsschwester mit nebst Jungfrau Nigg. Eine gute Bauerstochter richtet mehr aus als 4 Lehrerin­ nen, die das Arbeiten nicht gelernt haben. Verfügen Sie über mich stets; ich habe ja bloss zwei Klöster zu dirigieren und bin ja noch jung erst 59 bald. Der Papst hat viel mehr zu tun und ist 10 Jahre älter. Also! G. s. J. Chr. Ihr fr. Franz 
Herr Kaplan J. 0. Hunold in Balzers, Lichtenstein ist der Agent für Jungfrau Nigg und wird sich mit Ihnen in Kor­ respondenz setzen. Vielleicht findet sie Zeit mit Ihnen di­ rekt zu reisen. Doch sie ist gut aufbewahrt, wenn sie über München reist. Derselbe131 Mariastern 23. 5. 1883 Meine liebe Schwester Oberin! Ein Missverständnis. Was der Br. Zacharias tut in die­ sem Geschäft, ist gültig; er ist der alleinige Agent, ich mi­ sche mich nicht in diese Geschäfte ein, eben dass keine Konfusion entsteht. Gestern schrieb ich Ihnen wegen Jungfrau Nigg. Sie scheinen also Professen nach Afrika nehmen zu wollen. Ich kenne Ihre Regel nicht. Warum nehmen Sie denn keine Arbeitsschwestern mit? Wenn der Bischof zahlt, so müssen Sie allerdings nur so viele nehmen oder bringen, als er sagt. Da Sie selbst Zahlmeisterin und Hausmutter und Finanzminister sein müssemso rathe ich Ihnen 2 Arbeitsschwestern, Jungfrau Nigg gibt aber eine gute; und wenn sie nicht brauchbar wäre (was ich nicht glaube), so hat sie ein paar Tausend Vermögen, kann also auf Ihre Kosten zurückreisen oder sie bleibt bei Ihnen als Magd. Mägde sind dort gar nicht zu finden, ums theure Geld nicht, ausser faule. Ihre Brüder sind alle ausgezeich­ net, soll dann gerade sie eigensinnig sein? Also nie ist et­ was riskiert. Ich rekrutiere stolz das Haus mit Postulanten, und es geht. Man muss bloss behutsam sein. Sie können sie aller­ dings erst gut prüfen lassen in Menzingen, doch in diesem Fall mit Jungfrau Nigg wäre es gut; sie gleich mit zuneh­ men, weil sie aber von Natal Ihnen nicht nachreisen kann nach Umtata und der Bischof nicht Begleitung extra mit­ geben kann oder will, für sie allein. Schliesslich: Ich garantiere für sie, dass es gut geht; ich will den Schaden tragen. Man muss etwas wagen. Wie P. Franz; wer nichts wagt, gewinnt nichts. Gott zum Gruss, Ihr P. Franz.132 130) «Katholische Missionen», Jahrgang 1880. 131) Archiv des Instituts in Menzingen, VI, 2. 1. 10. 132) Ebenda. 111
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.