DER STRAFPROZESS VERHAFTUNGSBESCHLUSS, 16. MÄRZ 1882 ABRISSVERFUGUNG DER MAUER, 13. MÄRZ 1882 Die hohe fürstliche Regierung Beiliegende Protokolle wurden zur genügenden Kennt­ nisnahme gegen Rückschluss mit der weiteren Verständi­ gung übersendet, dass den Geschwistern Nigg und der Ortsvorstehung Triesen unter seinem instruiert (?) wurde, Mittwoch am 15. März Vormittag 8 Uhr habe unter Assi­ stenz des Herrn Gerichtsdieners Ospelt die executionswei- se Abtragung der nun erstellten Mauer am Unterforstwal­ de beim Meierhofe Triesen zu erfolgen, dass den Geschwi­ stern Nigg unter seinem die schriftliche Belehrung zu Teil wird, die Zusammenrottung mehrer Personen um die Ob­ rigkeit mit Gewalt Widerstand zu leisten, sei das Verbre­ chen des Aufstandes dessen sie sich schuldig machen würden, wenn sie in ihrer heutigen drohenden Haltung gegenüber den unter gerichtlicher Assistenz an der Ab­ tragung der Mauer arbeitenden Triesner Bürgern sich zei­ gen würden. Vaduz am 13. März 1882119 VERHAFTUNG DER GESCHWISTER NIGG, 15. MÄRZ 1882 Die hohe fürstliche Regierung Vaduz Die bedauerliche mit Waffengewalt unternommene Re­ sistenz der Geschwister Nigg zum Meierhof Triesen bei der gerichtlichen Vollstreckung exellatorisch bestätigten Exekutionsbescheides vom 26. November 1881 Nr. 3469 punkto Abtragung der Mauer vom Unterforstwalde Trie­ sen ist der f. Regierung eigene Anschauung bekannt. Unter geschehener Relation des Gerichtsdieners hat das f. Landgericht den Haftbefehl vorläufig gegen die Brü­ der Florian und Johann Nigg und deren Schwester Maria wegen Verbrechens des Aufstandes nach § 68 StGB erlas­ sen und stellt an die f. Regierung die Bitte um die Be­ schaffung der notwendigen Assistenz der mit der Verhaf­ tung betrauten Gerichtsdiener Ospelt welcher sich bei Herr Landesverweser stellen wird. Vaduz am 15. März 1882120 
Nachdem sich laut diensteidlicher Angabe des Landwei- bels Frommelt die Gebrüder Florian, Franz, Johann Nigg und deren Schwester Maria 13. März d. J. mit Schusswaf­ fen und Heugabeln versehen im Unterforstwalde Triesen postiert haben und zwar zur ausgesprochenen Abwehr gegen die Triesner Bürger, welche ca. 20 an der Zahl die am Unterforstwalde von den Geschwistern Nigg neu auf­ gestellte Einfriedungsmauer executionsweise abzutragen an Ort und Stelle versammelt waren - zu welcher Abtra­ gung sie gemäss gerichtlich bestätigtem Executionsbe- scheide vom 26. Nov. 1881 Z 3469 berechtigt sind. Nach­ dem die Geschwister Nigg gegenüber dem zur Aufrechter­ haltung der Ruhe von der f. Regierung Abgeordneten zum Schutze der Triesner Arbeiter anwesenden Hr. Landwei­ bel Frommelt laut erklärten, jeden niederzumachen, der es wage die Mauer anzugreifen; Nachdem die Bemühungen des Landweibels Frommelt jenen vom Widerstande abzubringen fruchtlos blieben, die drei Brüder Nigg sich sogar gewalttätig an dem Poli­ zeimann vergriffen, als er einem von ihnen das Gewehr abnahm, - ihn zu Boden würgten u. das Gewehr wieder entrissen. - Maria Nigg nach Angaben des Ortsvorstandes von Triesen sich mit einem Revolver gegen den dem Landweibel zu Hilfe kommen wollenden Wegmeister Marok von Triesen wendete; Nachdem die Geschwister Nigg auf ihren bedrohlichen Widerstande verharrten auch der f. Landrichter mit dem Gerichtskanzlisten sofort an Ort und Stelle sich begab, insbesondere Florian Nigg seine Brüder gegen den Befehl des Richters ihre Stellung zu verlassen aufforderte, zu bleiben, wo sie seien; nur Franz Nigg sich vom Landwei­ bel Frommelt die in Händen haltende Heugabel abneh­ men liess. Alle aber in ihrer Stellung u. auf ihrem Wohn­ sitze laut verharrten; Nachdem alle genannten Geschwister Nigg, dann F. Nigg, Sohn des Vetters Johann Nigg u. N. Ritsch, Sohn der Maria Ritsch - alle beim Meierhofe, dann eine sichere Magdalena Knobel von Triesenberg mit ihrem Sohn Franz aus ihrer Stellung auch am Nächmittag des 13. d. M. durch die Landweibel Frommelt und Beck nicht zu ver­ treiben waren, laut Bericht des Letzteren vielmehr Flori­ an und Johann Nigg erklärten, dass sie Gewalt gegen Ge­ walt brauchen werden. Nachdem den Triesnern Arbei­ tern während der Zeit des Mittagessens alles Werkzeug von Ort und Stelle verschleppt und versteckt wurde; nach­ dem die Geschwister Nigg sich in die gleiche bedrohliche, bewaffnete Stellung am Mittwoch den 15. März d. J. Mor­ gens versetzten, obwohl u. trotz dessen, dass ihnen noch am 14. gleichen Monates gerichtliche schriftliche Beleh­ 106
        

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