GOTTESFÜRCHTIGE REBELLEN AUS LIECHTENSTEIN ALBERT EBERLE in Durban zu bekommen. Bruder Nivard Streicher rannte nach Pinetown, erwischte gerade den Zug und kam mit dem nächsten und einer Kiste Eis, in Sägemehl gepackt, wieder dorthin zurück. Weil da­ mals ein Fuhrwerk eine Rarität war, nahm er die schwere Kiste auf die Schulter und marschierte Mariannhill zu, eine volle Wegstunde. Trotz Ver­ packung fing das Eis an zu schmelzen, und kaltes Wasser rieselte dem guten Bruder den Nacken hin­ unter, bis zuletzt das Wasser sogar in die Schuhe gelangte. Immerhin brachte er noch genug Eis heim, und die Operation verlief ganz normal.107 Die Wunde des amputierten Gliedes heilte trotz mehrerer Hauttransplantationen schlecht. Zudem trat eine Entzündung auf, und der Arzt befürchtete, diese könnte ins Kniegelenk fahren. Er entschloss sich daher, dem Patienten das linke Bein oberhalb des Kniegelenkes abzunehmen.108 Bruder Germanus aber hatte wenig Lust zu ei­ ner weiteren Amputation. Er liess Franz Pfanner rufen und erklärte diesem, lieber sterben zu wol­ len, als noch einmal operiert zu werden. Der Abt machte dem Bruder Mut, doch eine weitere Opera­ tion zu wagen. Germanus überlegte und bat seinen Vorgesetzten, das Los entscheiden zu lassen. Franz Pfanner war damit einverstanden und liess sich zwei Zündhölzchen bringen, ein kurzes und ein langes. Germanus wollte nicht selbst Schmied sei­ nes Schicksals sein. Er forderte deshalb seinen Vor­ gesetzten auf, die Hölzchen zu ziehen. Das Los ent­ schied für den Triesner. Somit blieb Bruder Germa­ nus eine weitere Amputation erspart. Erfreulicher­ weise ging nach einer weiteren Hauttransplanta­ tion die Entzündung zurück, die Wunde heilte.109 Der gute Steinmaurer wurde nun Flickschneider, aber er, der sein Lebtag im Freien gearbeitet hatte, hielt das Stubenhocken kaum zwei Jahre aus. Ger­ manus, das Zweitälteste der Geschwister Nigg, war keine fünfzig Jahre alt, als er am 12. Januar 1890 starb. 
Lesotho ist heute ein souveräner Staat, der jedoch wirtschaftlich stark von Südafrika abhängig ist. 105) Seubert, Manuskript, S. 4. 106) «Familia», Vol. IV, August 1914, Nr. 8. 107) Ebenda. 108) Ebenda. 109) Ebenda. - Bruder Nivard Streicher berichtete, dass auch bei den Trappisten der Humor nicht ganz vergessen ging; denn später wurde im Kloster mancher Witz gemacht, dass Bruder Germanus mit anderer Leute Haut herumlaufe, und wie denn das am Jüngsten Tag gehen soll! Bruder Germanus Nigg auf der Totenbahre - Bruder Cornelius und ein zweiter Mönch halten Totenwache Die Steinplatte, welche den Unterschenkel von Bruder Germanus zer­ quetschte. Sie wurde ne­ ben der Klosterkirche von Mariannhill in eine Mauer eingearbeitet. Nivard Streicher hat nach dem Unfall ein Kreuz und ein M in die Platte eingemeisselt. 103) «Familia», Vol. IV, August 1914, Nr. 8. 104) Lesotho war damals ein englisches Protektorat. Das Königreich Lesotho ist völlig vom Staatsgebiet der Republik Südafrika umgeben. 101
        

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