SPRACHWANDEL IN TRIESENBERG/ZUSAMMEN- FASSUNG/TONI BANZER Zusammenfassung Die vorliegende empirische Studie hatte zum Ziel, phonologische und morphologische Veränderun- gen in der Triesenberger Mundart zu erfassen. Sie stellt demnach zuerst einmal eine Bestandesauf- nahme dar, indem sie einerseits aussagt, welche typi- schen Triesenberger Mundartmerkmale heute noch so in Gebrauch sind, wie es die Basismundart vor- schreibt, und andererseits angibt, welche Merk- male sich wie verändern. Weiters interessierte die Frage nach den Sozial- faktoren, die den Sprachwandel begünstigen. Schon vor Beginn der Aufnahmen durfte angenom- men werden, dass die Mundart der Sprachinsel Triesenberg heute und in der jüngeren Vergangen- heit besonders bedeutenden Veränderungen ausge- setzt ist und war. Im Rahmen dieser Arbeit wurde der Einfluss der vier Faktoren Alter, Geschlecht, Berufsart und Berufsort untersucht. Zur Auswertung und Beurteilung gelangten 58 Einzelinterviews, in denen zu 16 typischen Phä- nomenen der Triesenberger Mundart rund 7500 Belege produziert wurden. In wenigen Worten sol- len hier nochmals die Erkenntnisse, welche im Er- gebnisteil der Arbeit dargestellt sind, zusammenge- fasst werden. 1. Die Hälfte der untersuchten Merkmale ist kon- stant. Von allen 58 Informanten wurden diese Merkmale konsequent basismundartlich realisiert. Die wenigen Abweichungen können als Innovatio- nen betrachtet werden. Nur gerade Informantin Nr. 10 fällt durch grössere Anzahl Abweichungen auf. Die Merkmale sind: Merkmal 1: Mhd.  sind in ihrer Qua- lität erhalten. Die talmundartliche Senkung ist nicht nach Triesenberg vorgedrungen. Merkmal 2: Mhd.  ist in seiner Qualität erhal- ten. Die talmundartliche Hebung zu [ee] ist im Kor- pus nicht belegt. Merkmal 3: Mhd. <ä> ist in seiner Qualität erhal- ten. Die talmundartliche Verdumpfung zu [öö] ist in Triesenberg nicht bekannt. 
Merkmal 6: Mhd.  sind in ihrer Qualität erhalten. Die talmundartliche Monophthongierung kommt in Triesenberg nicht vor. Merkmal 8: Vokale im einsilbigen Wort vor auslau- tender Lenis sind in Triesenberg durchwegs kurz, gegenüber langer Quantität in der Talmundart. Merkmal 9: Die spezielle Konjugation der Verben gehen und stehen ist in Triesenberg noch üblich. Merkmal 13: Konstante Verhältnisse zeigen sich auch bezüglich der Bildung des Sprossvokals bei <-rn->. Die Korpusbelege deuten nicht auf Anpas- sung an die Talmundart. Merkmal 16: Ebenfalls konstant basismundartlich sind die Triesenberger/innen in der Bildung des Verbalplurals, der entgegen der Talmundart nicht einförmig, sondern durchwegs zweiförmig gebildet wird. 2. Die Hälfte der untersuchten Merkmale ist varia- bel. Mit einer Ausnahme (M 4) verändern sich die variablen Phänomene in Richtung der liechtenstei- nischen Talmundart. Die Neuerungsanteile sind sehr unterschiedlich. Von M 11 (sch-Laut) mit 13 Prozent neuen Lautungen steigt der Prozentsatz bis 89 Prozent bei M 7 (Umlaut) an. Die variabel gebrauchten Merkmale sind: Merkmal 4: Mhd.  wird nur in einem Beleg- wort variabel als [ee] und [ää] realisiert. Die ande- ren Belege lauten konstant basismundartlich. Insgesamt 19 Prozent Neuerungen (beim betreffen- den Belegwort 52 Prozent). Merkmal 5: Aobdt.  wird von A I und A II va- riabel als [äu] und [üü] realisiert. A III ist konstant basismundartlich. Insgesamt 26 Prozent Neuerun- gen. Merkmal 7: Beim flektierten Adjektiv im Fem. Sg. und Neutr. PI. bilden praktisch nur noch die älteren Sprecher Umlaute. Die Sprecher der jüngeren Ge- nerationen besitzen meist nicht einmal mehr die variable Regel, sie verwenden fast kategorisch 71
        

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