SPRACHWANDEL IN TRIESENBERG/ERGEBNISSE TONI BANZER DAS ADJEKTIV Eines der interessantesten Phänomene in der Mundart von Triesenberg ist zweifellos der Ge- brauch des Adjektivs. Das Auftreten von Flexions- endungen bei Adjektiven in prädikativer Stellung (M 14) und die Umlautbildung beim flektierten Ad- jektiv im Femininum Singular und Neutrum Plural (M 7) sind typische Kennzeichen der Walsermund- art von Triesenberg. Bisher wurde diesen Erschei- nungen in der Literatur zuwenig Beachtung ge- schenkt. Die Korpusanalyse konnte beispielsweise zeigen, dass das Spektrum der Flexionsendungen beim prädikativen Adjektiv breiter ist, als es Gab- riel und Gassner angeben. Auch der Zusammen- hang zwischen beiden Phänomenen, die Abhängig- keit des Umlautes von der Flexionsendung und die nicht bestehende Abhängigkeit der Flexionsendung vom Umlaut, wurde zu wenig deutlich gemacht, da wohl auch zu wenig untersucht. Es soll hier, nicht zuletzt wegen des drohenden Verschwindens dieser Adjektivmerkmale, versucht werden, einige Einzelaspekte der Wandelvorgänge beider Merkmale zu beleuchten. Die Korpusanalyse hat ergeben, dass sowohl bei M 7 als auch bei M 14 nicht alle Genera und Nume- ri gleich stark vom Wandel betroffen sind. DAS PRÄDIKATIVE ADJEKTIV73 Im Korpus ist jedes dritte prädikative Adjektiv im Maskulinum Singular flektiert, während im Masku- linum Plural nur jedes 58-ste eine Endung auf- weist. Für alle Genera und Numeri zeigt das Kor- pus folgende Verhältnisse: Genus/Numerus 
Flektiert Mask. Sg. 
33 % 
(58 von 174) Fem. Sg. 
28 % 
(65 von 232) Neutr. Sg. 5% 
(6 von 108) Mask. PI. 
1,7% (2 von 116) Fem. PI. 8% 
(23 von 290) Neutr. PI. 6 % 
(15 von 232) 
Obwohl die Belegzahl zu gering ist, um repräsenta- tiv zu sein, lässt sich mit der gebührenden Vorsicht sagen, dass prädikative Adjektive im Singular ver- mehrt flektiert werden, während im Plural nur noch vereinzelt Flexionsendungen aufgetreten sind. Es fällt weiterhin auf, dass die meisten En- dungen, nämlich 123 von insgesamt 169, im Mask. Sg. und Fem. Sg. realisiert wurden. Diese Tendenz ist auch beobachtbar, wenn die Resultate der drei Altersgruppen einzeln betrachtet werden. Altersgruppe A III: Genus/Numerus Flektiert Mask. Sg.: 
77% (23 von 30) Fem. Sg.: 80 % (32 von 40) Neutr. Sg.: 25 % (4 von 16) Mask. PL-5% 
(1 von 20) Fern. PL: 
26 % 
(13 von 50) Neutr. PL-22 
% (9 von 40) Total: 
43 % (82 von 196) In den beiden ersten Personen des Singulars zeigen die Informanten aus A III sehr konservativ basis- mundartliches Verhalten. Endungsloses Adjektiv darf hier noch als Ausnahme bezeichnet werden. Alle realisierten Endungen im Singular entspre- chen den Angaben von Gabriel und Gassner, d. h. also, dass Adjektive im Maskulinum immer auf [-a] auslauten, im Femininum immer auf [-i] und im Neutrum immer auf [-s].14 Im Plural (und auch im Neutrum Singular) treten bedeutend weniger Flexionsendungen auf.75 Im Maskulinum, wo Gabriel und Gassner ent- weder [-a] oder endungslose Form angeben, hat einzig Informantin Nr. 14 flektiert, und zwar auf auslautendes f-i]. Das Adjektiv bezog sich aller- 73) Vgl. S. 24f. und S. 52. 74) Belege im Fragebogen: Mask. Sg. in Satz 8, 29 und 55, Fem. Sg. in Satz 14, 21, 22, 24 und Neutr. Sg. in Satz 31, 40. 75) Belege im Fragebogen: Mask. PI. in Satz 36, 39, Fem. PI. in Satz 5, 15, 41, 44, 45 und Neutr. PI. in Satz 9, 13, 34, 38. 65
        

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