SPRACHWANDEL IN TRIESENBERG /ERGEBNISSE TONI BANZER den. Immerhin 18 der 28 jungen Informanten, acht der 20 Informanten aus A II und vier der zehn In- formanten aus Altersgruppe A III, also insgesamt 30 von 58, gebrauchen die Neuerung. Für das Wort räss bedeutet dies wohl, dass der Wandel von [ee] > [ää] ziemlich fortgeschritten ist und alle Altersgruppen erfasst hat. - Bei Merkmal 11 (vgl. Tabellen 1,6 und 11,1, An- hang S. 86 und S. 93) ist der geringste Anteil Neue- rungen aller acht variablen Merkmale feststellbar. Wie auf Seite 43 bereits angedeutet, vermute ich einen besonderen Einfluss der schriftlichen Vorlage beim Wort «sie», wenn es an exponierter Stelle (am Satzanfang) steht. Bei 13 jungen, ebenso vielen mittleren und sechs älteren Informanten sind alle sch-Laute basismundartlich realisiert worden. Die anderen haben meist nur vereinzelt ein nicht- walserisches [s] gebraucht. Die statistische Auswertung vermag also die Hy- pothese, wonach der Anteil an sprachlichen Neue- rungen zunimmt, je jünger die Sprecher werden, für sechs der acht variablen Merkmale zu stützen. Zusätzlich liefert sie den Hinweis, dass bei acht variablen Merkmalen sechsmal signifikante Un- terschiede zwischen den Altersgruppen A I und A III bestehen, während A II nur zweimal signifi- kant von A III abweicht. Bei vier Merkmalen be- steht auch signifikanter Unterschied zwischen A I und A II. Daraus darf gefolgert werden, dass sich vor al- lem bei den jungen Sprechern der Triesenberger Mundart etwas tut. Die mittlere Generation zeigt zwar meist auch mehr Neuerungsanteile als die Al- ten, diese sind aber nur bei den linguistisch zusam- menhängenden Merkmalen M 7 und M 14 (Umlaut und Flexion beim Adjektiv) statistisch signifikant. Gerade die beiden Adjektiv-Merkmale dürfen ne- ben dem sch-Laut (M 11) als sehr typisch für die Triesenberger Mundart angesehen werden, so dass der allmähliche Verlust des Umlautes und der Flexi- onsendung als die auffälligsten Wandelvorgänge betrachtet werden können. Die hohen Prozentwer- te bei den beiden jüngeren Generationen belegen, dass es wohl nicht mehr allzu lange dauern wird, 
bis diese Merkmale aus der gesprochenen Mundart von Triesenberg verschwinden. Ganz ausgeprägt erweisen sich die Jungen auch als Träger des Wandels bei den Merkmalen M 10 und M 15 und eventuell noch beim Merkmal M 5. Während die älteren Sprecher (A II und A III) germanisch  im Anlaut (M 10) noch mehrheit- lich zu [ch] verschieben, scheint sich bei den Jun- gen die im Tal übliche Aspirata [k] durchzusetzen. Gleiches gilt für die Verwendung der verschiede- nen Diminutivsuffixe (M 15), denn auch hier passen sich die Jungen immer mehr der Talmundart mit dem Suffix [-Ii] an, während bei den älteren Gene- rationen die Suffixe auf ]-i] und [-Iti] noch bedeu- tend lebendiger sind. Als drittes kann dem doch recht ausgeprägt konservativen Sprachverhalten von A II und A III bezüglich der Monophthongie- rung des Diphthongs [äu] (M 5) der vergleichsweise hohe Neuerungsanteil der Jungen entgegengestellt werden. Die Zahlenwerte stellen die Neuerungsanteile in Prozent dar. Die Faktoren Berufsart und Berufsort sind bei A III konstant gehalten, weshalb diese Gruppe dort nicht berücksichtigt wurde. Merkmal 7 (Umlaut beim Adjektiv) wurde nur für die Kombi- nationen mitgerechnet, bei denen A III enthalten ist. Der Grund liegt darin, dass bei den Neuerungs- anteilen von A I und A II (97 % und 99 %) weitere Analysen nichts bringen. Die Anzahl Informanten einer Gruppe ist jeweils in Klammern hinter dem Gruppenkürzel angegeben. Die Tabelle zeigt innerhalb einer Altersgruppe den Einfluss je eines anderen Sozialfaktors. Inter- pretationen zu jedem einzelnen Mundartmerkmal würden zu weit führen, es sollen die Auswirkungen auf den gesamten Sprachgebrauch angeschaut werden. Dabei fällt auf, dass bei Altersgruppe A II und A III kaum Tendenzen ausgemacht werden können, die Werte sind einmal da und einmal dort höher. 70) Informantin Nr. 16 hat von allen Jungen am wenigsten Neuerun- gen gebraucht. 53
        

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