SPRACHWANDEL IN TRIESENBERG/DIE EMPIRISCHE UNTERSUCHUNG/TONI BANZER GESTALTUNG DES FRAGEBOGENS Die Sätze des Fragebogens enthalten die phonolo- gischen und morphologischen Merkmale. Pro Satz konnten nicht mehr als drei bis vier Erscheinungen versteckt werden, damit die Konzentration beim Zuhören und Mitschreiben nicht überstrapaziert wurde. ÜBERSETZUNGSSÄTZE Der Fragebogen ist dreigeteilt. Im ersten Teil sind 60 Sätze aus dem Hochdeutschen in Mundart zu übersetzen. Die Sätze wurden zuerst einer älteren Person vorgelegt. Dies erschien sinnvoll, da gerade von den über 60jährigen Schwierigkeiten in der Fähigkeit, ab Vorlage zu übersetzen, erwartet wer- den mussten. Tatsächlich waren drei Anläufe nötig, bis der Fragebogen tauglich erschien. Es war wichtig, die Sätze möglichst mundartfreundlich zu gestalten, damit sie ohne grosse Schwierigkeiten zu übersetzen waren. Drei hauptsächliche Probleme, die in der Testphase mit der älteren Person auftra- ten, waren zu beachten: 1. Zum einen durften die Sätze nicht zu lang sein, da sonst keine flüssige Produktion der mund- artlichen Entsprechungen gewährleistet wird. Als Höchstlänge habe ich eine Zeile einer A4-Seite ge- nommen. 2. Lexik und Syntax mussten beachtet werden. Nicht jeder hochdeutsche Satz lässt sich eins zu eins in Mundart übersetzen. Ein schlechtes Beispiel aus dem Fragebogen, das durch die Ausbesse- rungsphase gerutscht ist, soll dies verdeutlichen. Der Satz «Was macht ihr heute Abend?», kann trie- senbergerisch als [was machat ier hüüt am aabat] oder als [was machat ier hina] übersetzt werden. Wenn aber gerade das Wort Abend interessiert, wäre es klüger, einen Satz zu konstruieren, bei dem es nicht mit [hina] übersetzt werden kann, z. B. «Er geht jeden Abend in die Kirche» oder ähnlich. 3. Der dritte Punkt, der Probleme bereitete, war das Thema. Die Sätze sollten eine Welt betreffen, die möglichst allen Probanden bekannt ist. Es ist 
wenig sinnvoll, ausschliesslich Sätze zu bäuerli- chen und ländlichen Themen zu machen, da hierzu vielen jüngeren Informanten das sachliche und lexikalische Wissen fehlt; ebensowenig geeignet sind Sätze über modernste Formen des Lebens, da vielen älteren Personen der Bezug dazu fehlt. So musste beispielsweise ein Satz, in dem der Titel einer bekannten Fernsehserie vorkam, geändert werden, weil die Versuchsperson damit nichts an- zufangen wusste. DIMINUTIV-LISTE Der zweite Teil des Fragebogens enthält eine Liste von zwölf Substantiven. Die Probanden sollten dazu die Diminutivformen produzieren. Diese Sub- stantive wurden nicht in die 60 Sätze des Überset- zungsteils eingebaut, da sich bei den Versuchen mit dem Fragebogen gezeigt hat, dass der Diminutiv sehr oft mit «klein» umschrieben wurde, anstatt das Diminutivsuffix anzuhängen. Formen wie bei- spielsweise [chleina öpfel] 'kleiner Apfel' sollten aber zugunsten der Form [öpfelti] 'Äpfelchen' mit Diminutivsuffix vermieden werden. BEWERTUNGSSÄTZE Der dritte Teil schliesslich beinhaltet acht Bewer- tungssätze zu den Merkmalen M 7 und M 14 (Um- laut und Flexion des Adjektivs). Hier wurden hoch- deutsche Sätze in mögliche dialektale Varianten übersetzt und der Bewertung durch die Informan- ten ausgesetzt. Es interessierte die Meinung des Sprechers, welches die urchige, basismundartliche Variante sei und welche Variante er bzw. sie selbst gebrauchen würde. Dieser dritte Teil diente als Ver- gleich zum ersten Teil, wo die Merkmale in den Sät- zen versteckt waren, und wurde bei der rechneri- schen Auswertung nicht berücksichtigt. 54) Wodak 1982, S. 541. 55) Ebenda, S. 540. 39
        

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