ge Resten für Kleider und Schürzen. Die Base und Mama kauften allerlei, die Base hatte ja auch einige kleine Kinder. Dann sind wir mit dem Zug von Fra- stanz nach Feldkirch gefahren. Das war meine er- ste Eisenbahnfahrt, ich vergesse sie nie. Die Zeit ging so dahin und Kathrile ist inzwi- schen vierzehnjährig geworden und kam aus der Schule. Sie ging voll Freude in die Fabrik bei Häm- merle in Gisingen. Kaum einige Wochen ging sie, und Mama hatte grosse Freude, dass jetzt eines verdienen könne, da kam das ärgste Unglück über uns, das Vater und uns Kinder treffen konnte. Mama erkrankte plötzlich und starb nach drei Ta- gen schrecklicher Krankheit im Alter von 42 Jah- ren. Vater war erst 39 Jahre alt. Wie es weiterging, weiss ich nicht mehr. Kathrile musste natürlich aus der Fabrik daheim bleiben, und sie hat es am ärg- sten getroffen. Sie war die älteste und musste die Mama ersetzen. Ich war zwölfjährig, Georg und Felix noch jünger und Agnes erst vier Jahre alt. Vater wollte verzweifeln und war seitdem nicht mehr der Gleiche. Man hatte kein Geld und keinen Verdienst. Die Landwirtschaft musste besorgt sein. Was von der Landwirtschaft herausschaute, brauchte man zum Leben. Ich und die jüngeren Ge- schwister haben es nicht so sehr empfunden wie s'Kathrile, die schon immer ernster veranlagt war als wir. Sie musste alles zusammenhalten, musste kochen und alle Arbeit tun, wie die Mama, so mein- te der Vater, und war doch auch noch ein halbes Kind. Zu allem Unglück war Base Louise auch ge- storben, diese im Jänner und Mama im Mai glei- chen Jahres, und so standen die zwei Brüder da, Götte war noch etwas jünger als Vater und hatte sechs Kinder. Wir hatten fünf Kinder. Die Base war erst 29 Jahre alt, als sie starb. Ich weiss nicht mehr, wie es vorwärtsgehen konnte. Zu uns kam dann 
die Nana, die Mutter von Mama. Wir hatten schon vor Mamas Tod das Kleinste vom Götte bei uns. Es war einige Monate alt und hiess Klärle und ist dann auch gestorben, einige Zeit vor der Mama. Gottes Kinder waren alle noch jünger als wir und wurden verstellt, die armen, und es leben heute, im Februar 1966, alle noch, die Klothilde, Emma, Hedwig, Rudi und Olga. Kathrile musste nun mit 
dem Vater weitermachen. Sie hatte es nie gut, und ich machte mich davon, so gut ich konnte, ging als Kindsmagd in den «Engel» nach Nendeln, als ich vormittags noch in die Schule musste. Man hatte einen dort nicht umsonst, man musste viel arbei- ten. Als ich dann 14 Jahre alt war, ging ich heim und auch in die Fabrik zum Ganahl nach Feldkirch mit den Nachbarmädchen. Aber von der Schule in die Fabrik, das war etwas. Den ganzen Tag musste man schnell laufen, und ich war so müde, dass ich kaum mehr heimlaufen konnte. Man musste am Morgen um 6 Uhr anfangen bis abends 6 Uhr. Am Morgen mussten wir um 5 Uhr auf den Weg und am Abend mehr als eine Stunde laufen, bis wir wieder daheim waren. Es war nicht leicht, aber ich bin doch drei Jahre gegangen, nur um nicht da- heim bleiben zu müssen. Dann wollte ich in die Fremde. Der erste Platz war im Felsengarten in St. Gallen, eine von Schwestern geleitete Pension, wo alle Tage etwa 100 Personen, Frauen und Töch- ter, zum Mittagessen kamen und etwa 80 in ganzer Pension waren. Da gab es Arbeit in Hülle und Fül- le, aber es war 
auch kurzweilig, und es hat mir dort gut gefallen. Von dort ging ich nochmals in den «Engel» (in Nendeln), wo ich alles tun musste, auch servieren. Nach einiger Zeit ging ich nochmals in die Fremde, diesmal nach Zürich ins Bahnhofbuffet und dann an eine Privatstelle, von wo ich dann endgültig nach Nendeln kam. Vater ist dann auch gestorben, als ich schon zwei Jahre verheiratet war und wir schon die Gu- sta hatten. Vater war erst 49 Jahre alt, als er starb - an Hirnhautentzündung. 368
        

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