BÄUERLICHES WOHNMUSEUM IN SCHELLENBERG NORBERT W. HASLER schwarz, und es brauchte am Samstag schon viel Wichse, bis sie nur wieder schwarz waren. Es gab Schuhwichse in so länglichen Holzschachteln, und da musste man hineinspucken, um sie feucht zu machen. Wasser durfte man nicht nehmen, es hät- te sonst zu viel Wichse gebraucht. So wurden die Schuhe angestrichen und mit einer Bürste ge- glänzt. Die neuen Schuhe haben 
meistens gegirrt. Da hatten wir einen Stolz, denn das taten eben nur die neuen. So alle Jahre auf Ostern bekamen wir etwas neue Kleider, und da bekamen wir vom Göt- te und von 
der Cotta einen Kreuzer. Es war so Brauch. Taufgotta war Mathilde Goop. Sie heirate- te Andreas Biedermann, Hinterschellenberg, wo ihr Sohn Franz Biedermann noch heute wohnt - im Löwen. Sie war auf Hinterschloss daheim. Im Win- ter hatte man Holzschuhe, ganz aus 
Holz, Holt- schen nannte man sie. Da konnte man im Winter bei schöner 
Bahn schlefera, und in der Stube durf- te man sie um den Ofen herumstellen. Es war dort ein schöner grosser Kachelofen. Wir mussten alle Tage in die heilige Messe, sonst schimpfte der Herr Pfarrer. Er hiess Jakob Marte. Wir sind auch hie und da schütteln gegangen, durchs Klenn hinab, weil auf Hinterschellenberg keine so lange Bahn war. Wir hatten auch etwa den Müller aufgehalten, dass er uns mitfahren lasse, wenn er 
die Türkenbündel vom Hinterschellenberg holte 
- Sacken nannte man das. Wenn uns 
das Tür- kenmehl einmal ausging, so mussten wir nach Tisis in die Mühle. Eines oder zum zweiten haben wir ein Bündelchen Türken auf den Kopf genommen, sind beim Hinterschloss hinunter nach Hub, über das Riet bis Tisis. Dort war eine Mühle, sie steht heute noch, und da bekamen wir sofort das Mehl. Zahlen mussten wir nichts, aber das Bündelchen war dann nicht mehr so schwer auf dem Heimweg. Früher hatte man meistens Laubbetten, oder es wurden Türkenknöpfe (so sagte man dem Türken- laub, mit dem im Herbst 
beim Tür kenausziehen immer vier Kolben zusammengebunden wurden) aufgemacht und 
fein geschleizt, etwa mit einer al- ten Essgabel oder von Hand. Nur wurde es von Hand nicht so fein. Diese Arbeit machte lange ein altes Geschwisterpaar, das oft zu uns zum Essen 
kam, den ganzen Tag. Wir sagten ihnen der Gigra Sepp und d'Mei. Am Abend gingen sie wieder, ich weiss nicht, wo sie daheim waren. Aber das war damals so mit den armen Alten, dass sie von Haus zu Haus mussten essen gehen. Ich glaub, wenn sie krank wurden, kamen sie ins Armenhaus Mauren, wo dann die Gemeinde bezahlen musste. Wir Kin- der mussten schon auch helfen 
Laub schleizen oder Laub - es war Buchenlaub - holen im Wald. Man ging, wenn es föhnig war, da war das Laub schön trocken. Es wurde mit einem Rechen zusam- mengetan an einen Haufen 
und eingefasst gleich in grosse Laubsäcke. Was zu viel war, tat man in die Laubkammer, dass man immer Vorrat hatte. Das waren feine Betten, wenn sie frisch waren. Der Laubsack war aus grobem Leinenstoff. Aber mit der Zeit wurden sie schon zusammengedrückt, wenn man sie nicht alle Tage aufrüttelte oder um- kehrte. Aber wer tat das schon! Wenn sie dann ganz nieder waren, hat man wieder nachgefüllt. Es gab beim Türkenausziehen noch viel Laub. Das gab man dem Vieh unter das Heu. Ich weiss noch gut, wie der Vater auch 
den Stu- benbesen aus dem Wald holte. Es 
musste Weisstan- nenkress sein, das hielt die Nadeln länger. Auch die Herdbesen machte man selbst. Wir mussten aus dem Riet nach Hause durchs Steueriet. Da rupfte man einige Handvoll Besenhalme aus. Es mussten aber grüne sein. Daheim machte 
man Halmbesen daraus. Ich könnte es heut noch, aber solche Herd- besen sind nicht mehr gefragt und total ausgestor- ben. Aber sie haben den Zweck auch erfüllt und waren billig. Zum Tisch und Bänke fegen haben wir irgendwo im Wald in der Halde so einen weis- sen Sand geholt. Damit wurde alles, was aus Holz war, schön weiss. Aus dem allem ersieht man, dass damals das Geld rar war. Wir mussten oft alle Trückle aussuchen, bis wir für Vater ein kleines Päckle Tabak kaufen konnten, das vier rote Kreu- zer kostete. Zündhölzle hatten wir immer, die Schwefelhölzle, die es jetzt schon lange nicht mehr gibt. Sie haben auch sehr gestunken. Unsere Vetter Josef und Isidor, Vaters Brüder, gingen im Sommer meistens in die Schweiz zur Arbeit. Im Herbst, wenn sie kamen, brachten sie 
uns Kröm und hatten 365
        

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