SPRACHWANDEL IN TRIESENBERG/UMFANG DER ARBEIT/TONI BANZER Plural: «d' Männer sind chranch» «d'Fraua sind chrancha» «d' Chind sind chränchi» (Belege in Schreibung von Gassner) Daraus ergibt sich folgendes Schema für alle Genera und Numeri: Singular f-a] Plural [0] [4] [-a] [-s] l-il Gassner unterscheidet beim prädikativen Adjektiv nicht zwischen der Verwendung beim Menschen und bei anderen «Dingen». Bei beiden Autoren steht der Mask. PI. endungslos, wenn sich das Ad- jektiv auf Menschen bezieht, sie widersprechen sich jedoch im Fem. PL, wo der eine für Menschen endungsloses Adjektiv, der andere aber die Endung l-a] angibt (beide Beispiele mit «Frau» gebildet). Im Neutr. PL nennen sie aber übereinstimmend f-i] als Endung. Das Korpus der vorliegenden empirischen Stu- die stützt keine der Autorenmeinungen, sondern zeigt, dass wohl beide unvollständig sind. Im Mask. PL sind die meisten Korpusbelege endungslos, die Endung l-a] kommt nicht vor, hingegen zweimal die Endung Die Äste vom Nussbaum sind dick. (36) [d escht fam nussbomm sin diki] (Informantin Nr. 14 und Nr. 41) ansonsten [d escht fam nussbomm sin dik] Im Fem. PL herrscht im Korpus ebenfalls die en- dungslose Form vor. 22 Belege lauten auf ]-a] aus, ein Beleg auf f-i]. Die Flaschen sind leer. (44) [d fläscha sin leera] (z.B. Informanten Nr. 6, 8, 25) fd fläscha sin leeri] (Informantin Nr. 16) Das Adjektiv leer in Beispielsatz 44 erhielt neun- mal die Endung f-a], einmal die Endung ]-i] und wurde 48 mal endungslos realisiert. Das um die Korpusbelege erweiterte Paradigma sieht danach so aus: 
neues Paradigma (nach Gabriel, Gassner und Kor- pus): Singular ]-a] Plural [-a], l-i], 10] l-i] l-a], f-i], [0] f-s] f-i] Während im Tal: endungslos. Ob die endungslosen Formen (mit Nullmorphem) in ein basismundartliches Paradigma gehören, darf mit Vorsicht diskutiert werden. Es könnte ja durch- aus sein, dass der Wandel zu den endungslosen Formen vor längerer Zeit im Plural begonnen hat, so dass schon Gabriel und Gassner Variation fest- stellten und diese als starre Regel zu beschreiben versuchten. Merkmal 15: Diminutivendungen auf f-i], f-lti] und [-W Im Gegensatz zum übrigen Liechtenstein kennt die Triesenberger Mundart drei verschiedene Dimi- nutivendungen. Zwar überwiegt auch in Triesen- berg die gemeinalemannische Endung auf [-Ii], doch kommen noch oft die auf germanisch <-in> zurückgehende Endung f-i] sowie die typische Walserendung f-lti] bei Substantiven, die auf <-el> enden, vor. Die Endung f-lti] entstand aus der Mi- schung von alemannisch <-li> und romanisch <-etta>.44 Beispiele: Suffix f-if: faugif 'Äuglein', fbommif 'Bäumlein' Suffix f-lti]: [öpfelti] 'Äpfelchen', [mantelti] 'Mäntelchen' 38) Zinsli 1968, S. 158. 39) Gabriel 1987, S. 20, und Gabriel 1981. S. 215. 40) Gabriel 1987, S. 27. und Gabriel 1981, S. 215. 41) Gabriel 1987, S. 34f. Zum Sprossvokal vgl. auch Gabriel 1967 und Hotzenköcherle 1961, Karte auf S. 212. 42) Gabriel 1987, S. 23, und Gabriel 1981, S. 216. 43) Gassner, S. 9. 44) Gabriel 1987, S.23. 25
        

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