GRÄBERFUNDE AN DER MÜHLEGASSE IN SCHAANWALD/MARIANNE LÖRCHER/ULRIKE MAYR Das Individuum war erwachsen, eine genauere Altersangabe und die Geschlechtsbestimmung kann aufgrund der geringen Anzahl der Knochen- stücke nicht gemacht werden. GRAB 3 Südlich von Grab 1, in einem Abstand von etwa 30 Zentimetern, fanden sich ein rechtes Oberarm- fragment mit dem Ellbogengelenk, beide rechten Unterarmknochen und einige rechte Handknochen in einer Tiefe von 32 Zentimetern unter der Humusoberkante. Im Aushub konnten noch einzel- ne linke Unterarmfragmente gefunden werden, die diesem Individuum zuweisbar sind. Die Bestattung erfolgte offensichtlich in Rücken- lage, der rechte Unterarm war rechtwinklig zum Körper hin abgebogen. Das Erdgrab war nord-süd ausgerichtet. Parallel zum Oberarm lagen sieben einfach gearbeitete Knöpfe, zwischen den Knochen des Unterarmes befand sich noch ein weiterer. Die Knochen selbst sind relativ gut erhalten, ob- wohl das Wurzelwerk in die Knochenlumen8 einge- wachsen war. Die Kompakta9 blättert zum Teil ab; am Oberarmknochen sind Nagerspuren zu beob- achten. Die vorliegenden Knochenfragmente lassen kei- ne sichere Geschlechtsbestimmung zu. Die erhobe- nen Masse (Umfang von Oberarm, Elle und Spei- che) liegen im gleichen Bereich wie diejenigen des Individuums aus Grab 2. Da vom rechten Oberarm nur das untere Ende erhalten ist, kann das Alter nicht genau bestimmt werden. Das Ellbogengelenk zeigt leichte diffuse arthrotische Knochenveränderungen, die darauf hindeuten, dass es sich um ein adultes10, eher aber um ein matures11, Individuum handelt. Die Körpergrösse kann nicht bestimmt werden, da die unteren Gelenkenden des Unterarmes und das obere Ende des Oberarmes nicht erhalten sind. Im Vergleich mit den Knochen aus Grab 2 dürfte das Individuum aus Grab 3 aber von ähnlicher Sta- tur gewesen sein. 
GRAB 4 Etwa 1,20 Meter westlich der Gräber 1, 2 und 3, in einer Tiefe von 35 Zentimetern unter der Humus- oberkante, wurde das rechte Scheitelbeinfragment eines adulten menschlichen Schädels gefunden. Obwohl das Fragment in einem grösseren Abstand zu den übrigen Skeletteilen lag, kann nicht ausge- schlossen werden, dass es zu einer der vorher be- schriebenen Bestattungen gehört. Die Lambdanaht12 war noch nicht verwachsen. Daher kann angenommen werden, dass diese Per- son vermutlich vor dem 55. Lebensjahr verstarb. LESEFUNDE Im Aushub konnten insgesamt von mindestens zwei erwachsenen Individuen diverse Knochen- fragmente herausgelesen werden: ein Unterkiefer- fragment; ein Teil eines Gesichtsschädels mit der rechten Augenhöhle; ein rechter oberer, stark ab- gekauter Backenzahn; ein Schlüsselbein-, mehrere Wirbel-, Rippen- und Wadenbeinfragmente; ein lin- kes, vermutlich männliches Beckenfragment; dazu ein Oberschenkelfragment und Teile eines linken Schienbeines mit Nagerspuren. Diese Knochen könnten zu Grab 1 gehören. Zwei linke Oberschenkelfragmente, zwei Ober- armstücke, ein Ellenfragment und diverse Finger- knochen können nicht eindeutig einem der Gräber zugeordnet werden. Sicher ist einzig, dass diese Teile nicht zu Skelett 1 gehören können. 8) Hohlraum im Knocheninnern. 9) Knochenrinde. 10) Adult = erwachsen, d. h. 20-40 Jahre alt. 11) Matur = reif, d. h. 40-60 Jahre alt. 12) Naht am Schädel zwischen den Scheitelbeinen und dem Hinter- hauptknochen. 251
        

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