SPRACHWANDEL IN TRIESENBERG/UMFANG DER ARBEIT/TONI BANZER DIE MERKMALE Die ausgewählten Merkmale der Triesenberger Mundart werden kontrastiv zur liechtensteinischen Talmundart dargestellt, da viele Wandelvorgänge in deren Richtung verlaufen. Schon Leo Jutz spricht von der «Mundart von Liechtenstein»25, nicht weil er die Unterschiede zwischen den einzelnen Ortsmundarten nicht gese- hen hat, sondern weil er vor allem deren Gemein- samkeiten betonen wollte. Als liechtensteinische (Tal-) Mundart wären alle Ortsmundarten ausser Triesenberg zu bezeichnen. In der vorliegenden Ar- beit soll der Terminus aber auf die Mundarten von Triesen, Vaduz und Schaan eingeengt werden. Die- se drei Ortsmundarten unterscheiden sich nur sehr wenig voneinander, liegen geographisch am näch- sten und sind der bedeutendste Berührungspunkt für die Triesenberger, da fast alle pendelnden Be- rufstätigen des Samples (und nicht nur des Sam- ples) in einer dieser drei Gemeinden arbeiten. Im- mer wenn in der Folge von «liechtensteinischer Talmundart» die Rede ist, bezieht sich dies im all- gemeinen auf alle nicht-walserischen Mundarten Liechtensteins und im speziellen auf die Mund- arten) von Triesen, Vaduz und Schaan. Folgende 16 Merkmale unterscheiden die Trie- senberger Mundart auffällig von der liechtensteini- schen Talmundart: PHONOLOGIE 
 zu [e], [ö], [o], [ö] und [ö], ist in der Triesenber- ger Mundart nicht anzutreffen. Hier ist die Qualität dieser Vokale unverändert geblieben.26 In der vor- liegenden Arbeit ist die Erscheinung als ein Merk- mal zusammengefasst. Beispiele:27 mhd. : mhd. <ü>: mhd. : mhd. <ö>: mhd. : Während im Tal: 
fbira](5) 'Birne', [milch](14) 'Milch', [tisch](18) 'Tisch' [alphütta] (32) 'Alphütte', [tsüglat] (51) 'gezügelt' [suppa](24) 'Suppe', [nussbomm](36) 'Nussbaum' [chääschnöpßij(3) 'Käsknöpfli', [eichöörali] (42) 'Eichhörnchen' [chopfwee] (37) 'Kopfweh', [kloga] (48) 'gelogen', [hokat](42) 'hockt' [bera], [melch], [tesch], [alphötta], [tsöglet], [soppa], [nossbömm], [kheeskhnöpfli], [äähörnli], [khöpfwee], [klöga], [höket] Merkmal 2: Erhaltung der Qualität von mhd.  «Charakteristisch (...) ist die Beibehaltung des überoffenen e für mhd. , (,..).»28 In der Tal- mundart erscheint hier [e]. Beispiele: mhd. : 
[trisabäärg] (11) 'Triesenberg', [schpäk](25) 'Speck', [wäg](46) 'Weg', [ässa](6) 'essen' Auf der phonologischen Ebene sind insgesamt 13 Merkmale, neun aus dem Vokalismus und vier aus dem Konsonantismus, untersucht worden. VOKALISMUS Merkmal 1: Erhaltung der Qualität von mhd.  Eines der wichtigsten Kennzeichen der Liech- tensteiner Talmundarten, nämlich die Senkung der mittelhochdeutschen Vokale , <ü>, , <ö> und 
22) Gabriel 1981 und Gabriel 1987. 23) Bohnenberger 1913 und Jutz 1925. 24) Kreis 1958 und Zinsli 1968. 25) Vgl. den Titel seiner Grammatik: «Die Mundart von Südvorarl- berg und Liechtenstein» 26) Gabriel 1981, S. 194 und S. 215. 27) Sämtliche aufgeführten Beispiele stammen aus dem Fragebogen. 28) Gabriel 1987, S. 27. 21
        

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