SKELETTFUNDE AN DER LINDENGASSE IN TRIESEN MARIANNE LÖRCHER /ULRIKE MAYR nung des Sockels unterhalb von Grab 2 fanden sich keine weiteren Funde oder Holzkohle. Aus der Schicht über den beiden Gräbern wurden Scherben von Bauernmajolika (18./19. Jh.), Nägel, modernes Glas und einige Tierknochenfragmente geborgen. Wegen der Vollständigkeit der Knochen und der besseren Fundlage wurde nur Grab 2 systematisch freigelegt. Dabei zeigte sich, dass das Skelett schon in früherer Zeit im Brustbereich gestört worden war. Ob dies durch einen Tiergang oder durch eine alte Beraubung erfolgte, konnte bei der Ausgra- bung nicht mehr festgestellt werden. An der gestör- ten Stelle lag auffälligerweise ein etwa 20 x 25 Zen- timeter grosser Stein. Es war jedoch nicht mehr er- sichtlich, ob er bewusst in diese Lage gebracht worden war. Parallel zum Oberkörper waren auf der linken Seite bergseitig drei grössere Steine keil- förmig in die Erde gesetzt. Da aber der Bagger im Zuge der Baumassnahmen rechts des Skelettes alles Erdmaterial bis knapp an die Knochen ent- fernt hatte, konnte nicht nachkontrolliert werden, ob eine ähnliche Situation auf dieser Seite gegeben war. Es waren weder die Grabgrube noch Belege für eine Grabzurichtung in Form von einem Toten- brett oder von einem Sarg vorhanden. ANTHROPOLOGISCHE AUSWERTUNG GRAB 1 Es konnten aus dieser Bestattung nur noch wenige Langknochenfragmente geborgen werden: Teile des rechten Oberarmgelenkes, Bruchstücke der rechten Elle und Speiche, das untere Ende des rechten Oberschenkels mit dem Hüftgelenk und zwei Unterschenkelfragmente des linken Beines. Anhand der Knochenbälkchenstruktur im Ober- schenkelkopf kann das Alter dieses Individuums auf etwa 50 Jahre geschätzt werden.2 Sowohl die ausgeprägten Muskelansatzstellen am Knochen als auch die mit dem Individuum von Grab 2 vergleich- bare Robustizität der Knochen legen die Bestattung eines männlichen Individuums nahe. 
GRAB 2 Der Erhaltungszustand dieser Bestattung ist gut - der in situ-Befund konnte im Labor nach der Reini- gung und Rekonstruktion der Knochen bestätigt werden. Es fehlen nur einige Handknochen und die Füsse; die Extremitätenknochen sind zum Teil an den Enden beschädigt, da die Freilegung der Ske- lette je nach Bodenbeschaffenheit und Erhaltungs- zustand der Knochensubstanz nicht immer ganz unproblematisch ist. Die Geschlechtsmerkmale am Becken, am Schä- del und an den Langknochen deuten bei dieser Be- stattung ebenfalls auf ein männliches Individuum hin. Die Muskelansatzstellen an den Langknochen sind deutlich ausgebildet, der Unterkiefer ist ro- bust, die Nasenwurzel ziemlich tief eingesenkt. Die Körpergrösse war, im Grab gemessen, etwa 162 Zentimeter, aufgrund der Langknochenmasse be- trug sie zu Lebzeiten etwa 169 Zentimeter.3 Insge- samt dürfte es sich bei diesem Mann um eine kräf- tige, markante Erscheinung gehandelt haben. Alle Altersmerkmale, wie Zahnzustand, Schä- delnähte, Wirbelsäule und Knochenstrukturen am Oberschenkelkopf sowie der allgemeine Eindruck, lassen vermuten, dass es sich hier um einen etwa mit 55 Jahren verstorbenen Mann handelt.4 An krankhaften Veränderungen am Skelett fal- len insbesondere die Lendenwirbelsäule auf und die beidseitige Knochenauflösung im Wurzel- bereich der ersten Backenzähne im Oberkiefer (Abb. 7). An drei Rippenfragmenten können früh verheilte Frakturen beobachtet werden (Abb. 4). Die Lendenwirbelkörper zeigen Knochenreaktio- nen aufgrund entzündlicher Prozesse, die im Extremfall bis zum Verwachsen der einzelnen Wirbelkörper und damit zur Versteifung ganzer Wirbelsäulenabschnitte führen können (Abb. 5). 2) Szilvässy/Kritscher 1990. 3) Breitinger 1937. 4) Nemeskeri/Harsanyi/Acsadi 1960. 239
        

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