DER KAISERLICHE NOTAR JOHANNES DIEPRECHT VON BENDERN (t 1468)/KARL HEINZ BURMEISTER Johannes Dieprecht ist im bisherigen Schrifttum eine unbekannte Grösse; man kennt ihn weder als Notar1 noch als Person2. Dagegen läuft er seit jeher in der Reihe der Vorarlberger Notare des Mittelal- ters.3 Dazu bestand umso mehr Berechtigung, als Dieprecht sowohl in der Matrikel der Universität Heidelberg als auch in den dortigen Fakultätsakten als «de Veltkirch»/«de Feldkirch»4 genannt wird; und nicht weniger wurde das einzige bisher be- kannt gewordene Notariatsinstrument von seiner Hand in Dornbirn ausgestellt.5 Die schon bei Lude- wig am Rande erwogene Herkunft aus dem heuti- gen Fürstentum Liechtenstein hat sich inzwischen durch mehrere Quellenfunde bestätigt. Damit schliesst sich Johannes Dieprecht dem einzigen bisher bekannten mittelalterlichen liechtensteini- schen Notar Georg Vaistli (tl491)6 an. Johannes Dieprecht wurde um 1440 als Sohn des Heinz Dieprecht in Bendern geboren. Seine Herkunft lässt sich aus einer Urkunde aus dem Jahre 1461 im Pfarrarchiv Schaan7 klar erkennen: In dieser Urkunde handelt Jörg Dieprecht für sich selbst und im Namen (sowie als gesetzter Vogt) Maister Hannsen Dieprechts und aller seiner Ge- schwister, die Kinder seines verstorbenen Bruders Haintzen Dieprecht sind. Es geht in der Urkunde um das Erbe des 1461 verstorbenen Pfarrers von Schaan, Jodok Dieprecht8 von Bendern, der 1435 in Heidelberg studiert hatte.9 Jörg Dieprecht, der Onkel unseres Johannes Dieprecht, ist für 1458 als Landammann am Eschnerberg bezeugt,10 desglei- chen für 1462», für 146712 und für 147013. Damit steht zum einen die Familie Dieprechts fest, die man ohne weiteres der Führungsschicht zuweisen kann; zum andern war wohl das Vorbild des Jodok Dieprecht ausschlaggebend dafür, dass Johannes Dieprecht Heidelberg als Studienort aus- wählte, wo er sich am 18. Dezember 1455 immatri- kulierte. In rascher Folge wurde Johannes Diep- recht am 14. Juli 1457 zum Bakkalar der freien Künste und am 3. März 1459 zum Lizentiaten in den artes liberales promoviert.14 In der schon er- wähnten Urkunde vom 13. November 1461 wird er als «Maister» (= Magister) tituliert. 1463 wird er «magister in artibus» genannt.15 Sein für den 28. 
September 1465 bezeugtes Notarssignet enthält gleichfalls die Abkürzung «M. Jo. Die.» für «Magi- ster Johannes Dieprecht», ja er nennt sich in seiner Unterschriftszeile sogar «der sieben freien künsten doctor vnd maister». Dieprecht wird demnach in kurzer Zeit Lizentiat, Magister und Doktor in den I) Peter-Johannes Schuler, Notare Südwestdeutschlands, Bd. 1-2, Stuttgart 1987, nennt ihn nicht. 2} Joseph Ospelt, Sammlung liechtensteinischer Familiennamen, in: Jahrbuch des Historischen Vereins für das Fürstentum Liechtenstein 39 (1939), S. 78 f., enthält keinen Hinweis auf ihn. 3) Karl Heinz Burmeister. Kulturgeschichte der Stadt Feldkirch bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts. Sigmaringen 1985, S. 118 und S. 123 f.; Karl Heinz Burmeister, Das humanistische Bildungsideal des Homo trilinguis im Spiegel der Notarszeichen, in: Clausdieter Schott und Claudio Soliva (Hgg.), «Nit anders denn liebs und guets», Petershauser Kolloquium aus Anlass des 80. Geburtstags von Karl S. Bader, Sigmaringen 1986, S. 32 f.; Andrea Fischbach, Vorarl- berger Notare und ihre Signete, in: Montfort 45 (1993), S. 87-101 (hier S. 90, Nr. 8). 4) Anton Ludewig, Vorarlberger an in- und ausländischen Hoch- schulen vom Ausgange des XIII. bis zur Mitte des XVII. Jahrhun- derts, Bern/Bregenz/Stuttgart 1920, S. 35, Nr. 26. 5) Vorarlberger Landesarchiv, Urk.4902 (1465 September 28). 6) Karl Heinz Burmeister, Der Notar Georg Vaistli aus Vaduz (tl491), in: Jahrbuch des Historischen Vereins für das Fürstentum Liechten- stein 73 (1973). S. 215-230. 7) Pfarrarchiv Schaan, Urk. Nr. 4. 8) Zur Sache vgl. Johann Baptist Büchel, Geschichte der Pfarrei Schaan, in: Jahrbuch des Historischen Vereins für das Fürstentum Liechtenstein 27 (1927), S. 39-43. 9) Oskar Vasella, Untersuchungen zu den Bildungsverhältnissen im Bistum Chur, in: Jahresberichte der historisch-antiquarischen Gesellschaft von Graubünden 1932, S. 1-212 (hier S. 129, Nr. 37). Jodok Dieprecht ist 1461 gestorben; die Angabe Vasellas «kurz vor 1468», die von vielen übernommen wurde, ist zu korrigieren. 10) Ludewig, S. 35, Nr. 26; Peter Kaiser, Geschichte des Fürstentums Liechtenstein, 2. Aufl. Vaduz 1923, S. 341. II) Gemeindearchiv Schaan, U 1, fol. 5 b. 12) Kaiser, Geschichte, S. 349. Bei Kaiser wird der Name irrtümlich mit Heinz Dieprecht angegeben, korrigiert bei Joseph Ospelt, Land- ammänner-Verzeichnis und Landammänner-Siegel, in: Jahrbuch des Historischen Vereins für das Fürstentum Liechtenstein 40 (1940), S. 42 f. 13) Kaiser, Geschichte, S. 352. 14) Ludewig, S. 35, Nr. 26. 15) Repertorium Germanicum, Bd.8/1, S. 405, Nr. 2740. 221
        

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