Schülers» verlagern, in Beziehung setzt.242 Und die Pädagogin kommt zum Schluss: «Wie erstaunlich ist es, dass der Rektor eines Gymnasiums ... eine so klare, heute wie damals gültige Sicht der Lehrerbil- dung hat.»243 Kaisers Bekenntnis, dass wahre Bil- dung auf «Selbstvervollkommnung, Veredlung»244, auf «Selbstbewusstsein», «Freiheit des Geistes»245 und weniger auf praktischen Lebensnutzen anzule- gen, dass Bildung «keine Dressur oder Abrichtung zu gewissen äusseren Zwecken des Lebens» sei,246 stimmt überein mit dem heute noch angesehenen Ziel gymnasialer Bildung,247 kann aber zugleich als Mahnung verstanden werden, dieses hohe pädago- gische Ziel nicht durch blosse Wissensvermittlung zu verdrängen. Schon Iso Müller hat lobend festge- halten, dass Peter Kaiser «gegen das Nützlichkeits- prinzip in der Schule» kämpft, nur dass er dieses polemisch dem faden «Utilitarismus der typischen Aufklärung» anlastet.248 Arthur Brunhart nennt die «Geschichte des Für- stenthums Liechtenstein» «zu seiner Zeit ein emi- nent politisches Buch»249. Und weit über seine Zeit hinaus, darf man hinzufügen. Dass Peter Kaiser im Fürstentum Liechtenstein so beharrlich im Kreuz- feuer gegensätzlicher Auffassungen stand, deutet gerade auf seine Bedeutung hin. Wirkung wächst am Widerstand. Doch der Widerstand hat aufge- hört, die Wogen von Angriff und Abwehr haben sich geglättet, kompetente Gelehrte haben ihm seinen Platz innerhalb der Geistesströmungen des 19. Jahrhunderts zugewiesen, er ist in die Ge- schichte eingegangen. Damit teilt er das Los aller zu ewigem Ruhm emporgehobenen Persönlich- keiten: Er ist harmlos geworden. Dieses Verdikt trifft nicht mehr ihn, sondern uns. 
242) Germann 1993, S. 89. 243) Ebenda. 244) Peter Kaiser, Schulreden. Staatsarchiv Graubünden (B 686/3). Zitiert in Germann 1993, S. 86. 245) Peter Kaiser: Einige Worte über Erziehung und Unterricht. In: Allgäuer 1964, S. 58. 246) Ebenda, S. 58. 247) Germann 1993, S. 86 / Bundi 1991, S. 144. 248) Müller 1944, S. 80 249) Brunhart 1993, S. 10. 216
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.