PETER KAISER IM LICHTE DER NACHWELT JÖRG GERMANN deckt, wie schon In der Maur, auch Malin auf, deu- tet aber die Möglichkeit einer «viel tieferen Ursa- che» an, nämlich «die Aushöhlung der alten Ver- fassung durch den Absolutismus».187 Nicht erst der Eingriff Fürst Johanns in die alten Volksrechte wird als «Umsturz»188 bezeichnet, sondern schon die frühere Abschaffung der Landammann-Institution 1720: «Der Umsturz war radikal.»189 Eine ähnliche Perspektive öffnet Rupert Quade- rer, der an Malins Geschichte anschliesst.190 Schon in den Einleitungen, die eine dichte Zusammenfas- sung des Geschehens bringen, weisen beide Auto- ren auf den gewaltsamen Einbruch hin, den die Fürsten von Liechtenstein unter dem Druck des Absolutismus anfänglich dem Lande brachten. Ma- lin: «Um 1800 stand die organisch gewachsene Tradition dem mächtigen obrigkeitlichen Willen ge- genüber. Das Ergebnis einer jahrhundertelangen Entwicklung fiel einem Willensakt zum Opfer. Durch die Dienstinstruktion vom 7. Oktober 1808 an den Landvogt Josef Schuppler wurde eine Ord- nung menschlichen Zusammenlebens, nach der Generationen ihr Leben eingerichtet hatten, mit ei- nem Federstrich zerstört.»191 Quaderer: «Diese Ar- 180) Bundi 1991, S. 142. 181) Ab 1974 auch die Liechtensteinische Akademische Gesellschaft in ihren beiden Schriftenreihen: Liechtenstein Politische Schriften / Kleine Schriften. 182) Malin 1953. 183) Mit Verweis auf In der Maur 1905. Aber: «In der Maur überstei- gerte Schupplers Verdienste.» 184) Vgl. allerdings die jüngste Untersuchung: Press 1993, S. 67. 185) Malin 1953, S. 48. 186) Ebenda. Belegt wird diese Verachtung durch etliche Zitate, welche die Liechtensteiner als «sinnlich, falsch, eigennützig, streit- und zanksüchtig», als «unverträglich, unsittlich, unmässig in Speis und Trank», ihr Äusseres als «schmutzig, abgeschmackt, unge- schickt und bis zum Ekel schleppend» charakterisieren! 187) Ebenda, S. 38. 188) Ebenda, Titel des 2. Kapitels, S. 31. 189) Ebenda, S. 22. 190) Quaderer 1969. 191) Malin 1953, S. 12. 
Rupert Quaderer * 1942, aus Schaan; Studium der Germanistik und der Geschichte in Freiburg i. Ue. und in Wien; Dr. phil; seit 1969 Hauptlehrer am Liechtensteinischen Gym- nasium in Vaduz, zwi- schendurch 1990 bis 1994 Forschungsbeauftragter am Liechtenstein-Institut in Bendern mit Forschungs- projekt «Geschichte des Fürstentums Liechtenstein vom Ersten Weltkrieg bis zur Krise der Zwanziger Jahre»; seit 1986 Vor- standsmitglied des Histori- schen Vereins für das Fürstentum Liechtenstein, seit 1996 auch Vorsitzen- der 209
        

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