ERSTE REAKTIONEN Noch im Todesjahr Kaisers erscheint im Programm der Bündnerischen Kantonsschule der Nachruf ei- nes nicht genannten Verfassers,6 der sich aber gleich zu Beginn auf die Mitteilungen zweier Freunde Kaisers,7 «welche meist wörtlich aufge- nommen sind»8, beruft. Der Lebensabriss wird häufig mit persönlichen Worten bereichert. Der Le- ser spürt, dass diese liebenswerten Schilderungen der Person Kaisers durch ihre Intensität und Ge- nauigkeit über das sich ziemende Lob eines Nach- rufs weit hinausgehen. Da spätere Biographen oft daraus zitieren, sollen einige dieser Stellen hier fol- gen. Freiburg 1819: «Dort hörte er besonders Rot- tecks Vorlesungen, von dem er stets mit Hochach- tung sprach, ohne jedoch gegen Einseitigkeiten dieses Gelehrten blind zu sein. Überhaupt war schon damals, bezeugt ein alter Studiengenosse, wie auch in seinem ganzen spätem Leben Kaiser bei allem Eifer ruhig von Gemüth, besonnen von Urtheil, frei von allem excentrischen und einseiti- gen Wesen, offen und treuherzig, ernst und beson- ders sittlich rein, geachtet und geliebt von allen, die ihn näher kannten.»9 Kaiser schloss sich der Bur- schenschaft, «der Bewahrerin patriotischer Ideale an, zwar nicht ohne Anflug von Romantik, die spe- ziell in jener Zeit lag und überhaupt in der Jugend liegt, jedoch bei seinem klaren und richtigen Sinne frei von aller Excentricität und thörichter Schwär- merei.»10 Hofwyl 1821: Besonders gerühmt wird Kaisers Tätigkeit als Lehrer, und vor allem sein Ge- schichtsunterricht, den er, ohne Buch oder Notizen zu benützen, frei hielt: «... die lebendige Wärme, ja oft das Hinreissende des Vortrags brachte er mit aus dem unmittelbar vorhergegangenen Studium der Quellen.»11 Aarau 1830: «Seiner ruhigen allem Schein und Aufsehen abholden Gemüthsart gemäss lebte er in vertrautem Umgang mit wenigen Freun- den.»12 Doch war er «bei aller Ruhe nie düster, stets heiter und wegen seines eben so gutmüthigen als eigenthümlich launigen Witzes ein beliebter Gesell- schafter.»13 Disentis 1837-42: Die Autoren bewun- dern «die geistige Energie und die Aufopferungs- fähigkeit des Mannes der von so vielen 
Schwierigkeiten und Widerwärtigkeiten, von so vielen persönlichen Angriffen und Verunglimpfun- gen ungebeugt der einmal ergriffenen Aufgabe treu blieb und seine Hand von dem schweren Werke nicht abzog.»14 Sein ganzes Denken trage «ein me- thodisch-pädagogisches Gepräge»15. Im Anschluss an ein Zitat, worin Kaiser an den Lehrerberuf höchste Anforderungen stellt, heisst es: «Und wir dürfen es getrost sagen: wie Kaiser lehrte, so lebte er auch.»16 Als «Christ und Pestalozzianer» habe er es nie auf «materiellen Erwerb» abgesehen17. Chur 1842: «Er war immer derselbe treue gewissenhafte Lehrer, dem die sittliche und geistige Förderung der Jugend höchster Lebenszweck war; seine jüng- sten Freunde rühmen an ihm nicht minder als die ältesten das schlichte anspruchlose Wesen, den gebildeten reichen Geist, der zu heiterer launiger Unterhaltung wie zu ernstem Gespräche gleich ge- schickt war, seine Zuverlässigkeit und Wahrhaftig- keit in Wort und Werk, sein mildes, besonnenes, gerechtes Urtheil, den reinen keuschen, auf das Höchste gerichteten, wahrhaft edlen Sinn.»18 Vor seinem Tod: «Es war rührend zu beobachten, wie in dieser ganzen Zeit der Krankheit sein Geist und Gemüth fast ausschliesslich mit der Schule und was sie anging, beschäftigt waren.»19 Spätere Wissenschafter haben eine Fülle neuer Tatsachen und Gedanken zutage gefördert, wo- durch Kaisers Bedeutung erst richtig zum Vor- schein kam, er selber aber in die Ferne eines Ge- schichte Gewordenen rückte. Der Nachruf der Freunde ist wegen seiner menschlichen Nähe nie überholt. Er lässt uns erahnen, dass für einmal gei- stige Grösse und Bedeutsamkeit mit einem «schlichten, anspruchlosen Wesen» und «wahrhaft edlem Sinn» vereinigt waren. Ein früher Hinweis auf Kaisers Bedeutung als Historiker findet sich in Klenzes Geschichte der liechtensteinischen Alpwirtschaft.20 Der Autor be- ruft sich oftmals auf Kaisers «Geschichte des Für- stenthums Liechtenstein», zitiert gelegentlich dar- aus und nimmt gleich am Anfang grundsätzlich Stellung: «Es war mir leider unmöglich, die Quellen aufzufinden, aus welchen Kaiser diese Nachrichten schöpfte, der den für einen Geschichtsforscher un- 186
        

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