DR. MED. PETER MARXER 1850 BIS 1885 RUDOLF RHEINBERGER nimmt». Diese 500 fl. wurden «auf die 3213 Seelen des Unterlandes verteilt, sodass jede Seele mit 16 Kreuzern belastet» wurde.8 Die Ordinationsräume hatte Marxer in einem Anbau an das alte Gasthaus «Zum deutschen Rhein» in Rendern eingerichtet. Dr. Peter Marxer wird als «tüchtiger und gesuch- ter Arzt» geschildert.'' Aufgrund eines «öffentlichen Dankes» in der «Liechtensteinischen Wochenzei- tung»10 wissen wir, dass Marxer in Rendern auch Staroperationen mit Erfolg durchführte. Sein Leh- rer in der Augenheilkunde, Prof. Ludwig Mauthner in Innsbruck, hatte als brillanter Operateur einen Ruf weit über Innsbruck hinaus genossen. Rerühmt gemacht hatte den jungen, erst 29-jährigen Augen- arzt auch ein Lehrbuch der Ophthalmoskopie.11 Leider sind aus Dr. Marxers ärztlicher Tätigkeit keine weiteren Einzelheiten bekannt. Schon nach sieben Jahren ärztlicher Praxis wurde der «blühend aussehende, starke Mann»12 von einer Tuberkulose befallen, wodurch er zu einem zurück- haltenden Arbeitstempo gezwungen wurde. Im Jahre 1870 war in Schruns der dort über 20 Jahre tätig gewesene Arzt Dr. med. Franz Josef Vonbun13 gestorben. Es fand sich aber lange kein Nachfolger für ihn. Vorübergehend übte dann ein Wundarzt Rarbisch in Schruns seinen Reruf aus. Da es Dr. Peter Marxer sicherlich bekannt war, dass man in Schruns einen Gemeinde- und Land- schaftsarzt suchte, hatte er noch im Jahre 1883 beim Innenministerium in Wien um die Niederlas- sung als praktischer Arzt in Schruns nachgesucht, und die Rewilligung wurde ihm auch erteilt.14 Am 15. Oktober 1883 bittet Dr. Marxer die Fürst- liche Regierung, sich für eine rasche Erledigung seines Gesuches beim k. k. Innenministerium zu verwenden, da er der Gemeindevorstehung von Schruns das Versprechen gegeben habe, «noch die- sen Herbst dorthin übersiedeln zu wollen».15 Aus der rasch darauf erfolgten Zusage des Innenmini- steriums geht hervor, dass an Dr. Marxer «von Seite des Standesausschusses zu Montafon die Standesarztenstelle in Schruns verliehen worden ist».16 Allerdings machte Marxer dann von dieser österreichischen Konzession keinen Gebrauch. Er blieb in Rendern. Was ihn zu seinem Ansuchen an 
das österreichische Innenministerium bewogen hatte, ist nicht bekannt. Man kann darüber nur Mutmassungen anstellen. Es gibt zwei mögliche Erklärungen. Die erste, dass er sich, solange er noch bei voller Gesundheit war, in Rendern zu wenig ausgelastet fühlte und daher das Montafon als neues Tätigkeitsfeld wählen wollte, da in den Tälern Vorarlbergs in jener Zeit grosser Ärzteman- gel herrschte. Dort wären ihm als «Standesarzt für das Montafon» wohl einige Privilegien zugestan- den. Die Funktion als Standesarzt bedeutete, dass dieser für alle Gemeinden des Standesbezirks Mon- tafon, also für die ganze Talschaft zuständig war.17 Eine zweite, mir wahrscheinlichere Erklärung für den Entschluss Dr. Peter Marxers könnte sein, dass er seine Krankheit schon im Anfangsstadium, als er noch voll arbeitsfähig war, als Tuberkulose erkannt hatte und er sich von einem langzeitigen Aufenthalt in Schruns, das damals schon als Klima- kurort galt, eine Heilung erhoffte. Schon seit den Vierzigerjahren des 19. Jahrhunderts wurde das Höhenklima, besonders in der Schweiz, als Heilfak- tor für Tuberkulosekranke propagiert. In Liechten- 8) GAG Nr. 170 u. 249. 9) LVolksblatt. 12. Juni 1885. 10) Liechtensteinische Wochenzeitung. 1877 Nr. 40. 11) Universität Innsbruck: Hundert Jahre Med. Fakultät 1869-1969. Bd. II. Innsbruck, 1969. 12) LVolksblatt, 1885 Nr. 24. 13) Dr. med. Franz Josef Vonbun, *1828 in Nüziders, tl870 in Schruns, Praktischer Arzt, Schriftsteller und Sagenforscher. Gab 1847 die «Sagen Vorarlbergs» heraus. Dritte erweiterte Auflage 1858, in der auch Sagen aus Liechtenstein erstmals veröffentlicht wurden. Ferner Beiträge zur deutschen Mythologie, Chur, 1862. 14) LLA RE 1883/1433 ad 1125. 15) Ebenda. 16) Ebenda. 17) Der Begriff «Stand» stammt aus der Zeit der alten landständi- schen Verfassung. Er hat sich im Bregenzerwald und im Montafon erhalten und bezeichnet heute den Gemeindeverband dieser Täler. (Freundliche Mitteilung von Hr. Prof. Dr. Karl Heinz Burmeister, Bregenz.) 159
        

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