DR. MED. ALBERT SCHÄDLER 1848 BIS 1922 RUDOLF RHEINBERGER licher Sanitätsrat» ausgezeichnet. Diese Ehrung ist umso höher zu bewerten, als Albert Schädler der erste gebürtige Liechtensteiner war, dem der Titel eines fürstlichen Rates verliehen wurde. Die Verlei- hungsurkunde lautet: «Lieber Dr. Albert Schädler! Wie Mir berichtet worden ist, sind Sie im Vorjahre zum 25. Male mit dem Vorsitze in Meinem Landta- ge als dessen freigewählter Präsident betraut ge- wesen. Während dieser vielen Sessionen haben Sie die Verhandlungen mit grossem Geschicke und unver- kennbarem Takte geleitet, sowie die Ihnen übertra- genen durch die Verfassung vorgesehenen Geschäf- te in ernster, würdiger und massvoller Weise geführt. Mit Erfolg bemüht, dem Wohl der Bevölkerung zu dienen, haben Sie einvernehmlich mit Meiner Re- gierung loyal dazu beigetragen, dass Meine stets auf das allgemeine Beste des Fürstentums gerich- teten Absichten verwirklicht, nützliche Einrichtun- gen geschaffen und erfreuliche Fortschritte auf allen Gebieten erzielt wurden. Es gereicht Mir zur besonderen Befriedigung, Ih- nen für Ihr vieljähriges patriotisches Wirken, auf welches Ich auch weiterhin rechnen zu können hof- fe, Meine volle Anerkennung auszusprechen und Ihnen als Zeichen derselben den Titel eines fürstli- chen Sanitätsrates zu verleihen. Ich verbleibe Ihr wohlgeneigter Johann Fürst von Liechtenstein Wien, am 25. Jänner 1911.»147 Als im Jahre 1914 Landesphysikus Dr. Felix Bat- liner freiwilligen Dienst als Chefarzt in einem öster- reichischen Lazarett tat, wurde Dr. Albert Schädler während der Abwesenheit Dr. Batliners von der Regierung mit der Stellvertretung des Landesphysi- kus betraut. Wie schon oben148 erwähnt, zog Dr. Albert Schädler im Frühjahr 1919 zur Familie seiner Tochter in München, wo er noch einige ungetrübte Jahre verbringen durfte. Er hatte zuvor sein Land- tagsmandat niedergelegt. Von jedem Zwang befreit, 
verbrachte er den Tag mit Spaziergängen, mit sei- nem geliebten Klavierspiel und vor allem mit ge- schichtlichen Studien, denen auch seine häufigen Besuche im Bayerischen Staatsarchiv galten. Während dieser Zeit schrieb er seinen letzten Beitrag zum Jahrbuch des Historischen Vereins, die letzte Folge der «Tätigkeit des liechtenstein- ischen Landtags».149 In München entstand auch die schon mehrfach zitierte Familienchronik, kurz «Chronik» genannt, in welcher Dr. Albert Schädler ausführlich die Ge- schichte der Familie Schädler seit der Mitte des 17. Jahrhunderts schildert. Die «Chronik» ist nicht nur familiengeschichtlich von Bedeutung, sie ent- hält auch viele Details, welche für die Landesge- schichte von Wichtigkeit sind.150 Besorgt verfolgte er auch die politische Entwick- lung nach dem Ersten Weltkrieg in Deutschland und Europa. Auf der letzten Seite seiner «Chronik», die er am 7. Juli 1921 abschloss, schreibt er in si- cherer Abschätzung der Zukunft: «Alles Übermass straft sich selbst und das werden sicher auch die geradezu wahnsinnig gegen Deutschland handeln- den Franzosen in Bälde erfahren müssen...» Er selbst sollte diese Zukunftsvision nicht mehr erle- ben müssen. Das Schicksal Deutschlands hatte bei Albert Schädler und seinen beiden Brüdern Rudolf und Karl schon immer einen besonderen Stellen- wert eingenommen. Als sie geboren wurden, war Liechtenstein noch ein Gliedstaat des Deutschen Bundes und ihre Generation war noch geprägt von einer geschichtlich gewachsenen Verbundenheit mit Deutschland. Am 17 Juni 1922 erlag Albert Schädler in Mün- chen einem Herzinfarkt, ohne dass sich vorher Krankheitszeichen bemerkbar gemacht hätten. Sei- ne Leiche wurde nach Vaduz überführt, wo am 22. Juni die Beerdigung stattfand. Eine schlichte 147) Urkunde im LLA. 148) Seite 121. 149) JBL 21, S. 5-56. 150) Das Original der «Chronik» ist im LLA. 141
        

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