DR. MED. ALBERT SCHÄDLER 1848 BIS 1922 RUDOLF RHEINBERGER jektes durch eine ausreichende Beteiligung des Landesfürsten wäre gesichert gewesen. Doch was sollte für Liechtenstein eine Bahn, die am Rhein mit einem Sackbahnhof endete? Die Vorreiterrolle hatte bei dem Projekt der achtziger Jahre wie auch bei jenem kurz nach der Jahrhundertwende Dr. Albert Schädler gespielt. DER HISTORIKER Die Gründung des «Historischen Vereins für das Fürstentum Liechtenstein» erfolgte am 1. Februar 1901 in Vaduz.131 Ein Dreierkomitee, bestehend aus den Herren Dr. Albert Schädler, Kanonikus Joh. Baptist Büchel und Landesverweser von In der Maur, hatte zur konstituierenden Sitzung im Gast- haus «Löwen» in Vaduz eingeladen.132 Dr. Albert Schädler hielt die Begrüssungsansprache. Er be- zeichnete das Zustandekommen eines historischen Vereins für Liechtenstein geradezu als ein Bedürf- nis. Liechtenstein weise eine einzigartige ge- schichtliche Entwicklung auf, die zu erforschen es sich wohl lohne. Diese Aufgabe falle dem zu grün- denden Historischen Verein zu. Der Hinweis Schädlers auf die patriotische Bedeutung eines sol- chen Vereins ist typisch für jene Zeit, in der sich die Menschen dafür begeisterten, die Vergangenheit des Vaterlandes zu rekonstruieren und sie wieder lebendig werden zu lassen. Ein echter Patriot sollte auch den geschichtlichen Werdegang seines eige- nen Staates kennen. Schädler hob auch die Wichtigkeit der Sammlung und des Studiums aller Quellen für die Erforschung der Geschichte unseres Landes hervor. Auf diesem Gebiete hatte er selbst schon Erfahrung, hatte er doch von seinem Vater eine bedeutende Akten- und Urkundensammlung übernehmen können und diese selbst durch wei- tere interessante Stücke ergänzt.133 Historische Vereine mit ähnlichen Zielen, wie sie Albert Schädler geschildert hatte, waren in der vor- arlbergischen und schweizerischen Nachbarschaft schon etliche Jahre zuvor entstanden. Dadurch an- geregt, waren es in erster Linie zwei Männer, näm- lich Dr. Albert Schädler und Kanonikus Joh. Baptist 
Büchel (1853-1927), welche die Initiative zur Ver- einsgründung in Liechtenstein ergriffen und die nötigen Vorbereitungen dafür trafen. Beide waren geschichtlich interessiert und gebildet, und zwi- schen beiden bestand eine Freundschaft, die durch die enge Zusammenarbeit im Landtag134 begründet und durch ihre gleichartige politische Gesinnung noch gefestigt worden war. Die beiden waren sich auch der Wichtigkeit ei- ner Mitwirkung der Behörden bewusst und trugen den Gedanken einer Vereinsgründung an Landes- verweser von In der Maur heran. Dieser zeigte sich bereit, das Vorhaben aktiv zu unterstützen, hatte er doch erkannt, dass den Zielen und Bestrebungen eines solchen Vereins eine erhebliche staatspoliti- sche Bedeutung zukam. Die Mitwirkung von In der Maurs bedeutete aber auch für den neuen Verein einen kräftigen Rückhalt. In der Gründungsversammlung wurden die Sta- tuten des Vereins beraten und beschlossen. Die wichtigsten Punkte lauteten: «1. Der historische Verein des Fürstentums Liechtenstein hat den Zweck, die vaterländische Geschichtskunde zu fördern. 2. Um diesen Zweck zu erreichen, wird der Ver- ein ein historisches Jahrbuch herausgeben. Das- selbe soll enthalten: a) die Protokolle über die Verhandlungen des Vereins. b) grössere und kleinere Aufsätze über die älte- re, neuere und neueste Geschichte des Landes und einzelner liechtensteinischer Gemeinden. 129) «Chronik» S. 71-72 (Original). 130) Ebenda. 131) JBL Bd. 1. S. 271-274. 132) Siehe auch: Alfons Feger, «Die ersten 25 Jahre unseres Histori- schen Vereins» in JBL Bd. 25, und Joseph Ospelt, «50 Jahre Histori- scher Verein für das Fürstentum Liechtenstein» in JBL Bd. 50, S. 5-39. 133) Siehe auch Albert Schädler, Regesten zu meiner Sammlung liechtenst. Urkunden (1395-1859) in JBL Bd. 7, S. 103-169. 134) Joh. Baptist Büchel war Landtagsabgeordneter von 1890 bis 1906 und von 1918 bis 1920. 137
        

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