DR. MED. ALBERT SCHÄDLER 1848 BIS 1922 RUDOLF RHEINBERGER Idee zum Ziel gesetzt hatte, wählte seinen Initiator Dr. Albert Schädler zum Präsidenten und entfaltete bald eine rührige Tätigkeit.127 Zu dieser Zeit gehör- te Albert Schädler noch nicht dem Landtag an. Er versuchte zunächst, einflussreiche Persönlichkei- ten, besonders in Vorarlberg, aber auch in Wien, für das Projekt zu gewinnen. Es wurde eine Petition an den Landtag gerichtet, der diese einstimmig be- fürwortete, ebenso wie nachher der Landesaus- schuss, welcher dann den Vorarlberger Landtag um Unterstützung in Wien bat. Eine Petition sämt- licher Gemeindevorsteher des Landes vom 9. De- zember 1881 an den Landtag forderte ein rasches und nachdrückliches Vorgehen zur Verwirklichung des Eisenbahnprojektes und drückte den Wunsch aus, einen Delegierten zum Fürsten nach Wien zu entsenden. Dies war aber offenbar in Wien nicht genehm, wo immer noch der einflussreiche Graf von Westphalen einen bestimmenden Einfluss auf den Fürsten ausübte. Landesverweser von Hausen stellte daher am 24. Dezember 1881 - wohl auf Ge- heiss der Kabinettskanzlei in Wien - den Antrag, von der Entsendung eines Delegierten an den Für- sten abzusehen, und der Landesausschuss12* stimmte diesem Antrag zu. Als Trost erhielt das Ei- senbahnkomitee einen Kredit von 300 fl. «zur För- derung des Eisenbahnprojekts» aus der Landes- kasse. Doch das Komitee liess sich dadurch nicht entmutigen. Es regte zum zweiten Mal am 20. April 1882 beim Landesausschuss die Entsendung eines Delegierten nach Wien an. Dabei wurden mit Si- cherheit Veränderungen in der Zusammensetzung des Landtages, dessen Neuwahl in 14 Tagen erfol- gen sollte, ins Kalkül gezogen. Dr. Albert Schädler hatte nämlich seine Kandidatur für den Landtag angemeldet und er wurde dann auch am 2. Mai 1882 mit einem Glanzresultat gewählt und zum Landtagspräsidenten bestimmt. Er löste damit Dr. Wilhelm Schlegel ab, der sich nie sonderlich für den Bahnbau eingesetzt hatte. Dr. Albert Schädler wurde dann erwartungsgemäss als Delegierter nach Wien abgesandt, wo er mit möglichst vielen massgebenden Männern Kontakt aufnehmen soll- te. Der österreichische Handelsminister stellte bei diesen Kontakten in Aussicht, eine eingehende Ex-pertise 
in Auftrag zu geben, um zu klären, welche Vorteile die Bahnführung über Balzers - Sargans für Österreich hätte. Diese technische und ökono- mische Expertise kam dann aber zum Schluss, dass die neue Bahnlinienführung für Österreich zu wenig kommerzielle Bedeutung habe, worauf das österreichische Handelsministerium das Projekt ablehnte. Es hatte sich aber auch der Fürst nicht dafür eingesetzt, im Gegenteil! Dr. Albert Schädler hatte sich bei seinem Wiener Aufenthalt als Delegierter 121) RhAV, Maly Rheinberger an Fanny, Brief vom 8. November 1872: «Fürst Liechtenstein aber hat dem Ding (Eisenbahnanschluss Schaan-Sargans) mit einem einzigen Wort ein Ende gemacht». 122) Clemens F. X. Reichsgraf von Westphalen, * 3. September 1836, t 20. Oktober 1887, entstammte einem rheinischen Adelsgeschlecht. Er lernte den Fürsten Johann II. von Liechtenstein bei dessen Studium in Bonn kennen und befreundete sich mit ihm. Der Fürst gewann ihn als Berater und machte ihn zu seinem Generalbevoll- mächtigten. Als solcher fungierte er z.B. bei den Zollvertragsver- handlungen mit Österreich 1863 und 1874/76. Wegen seiner Ver- dienste um den Zollvertrag verlieh ihm der Landtag im Jahre 1869 das liechtensteinische Staatsehrenbürgerrecht. Peter Rheinberger schreibt am 26. August 1866 vom Feldzug aus Prad an seine Frau: «Graf von Westphalen war 3 Tage lang hier...» Graf Westphalen war öfters in Liechtenstein, so 1866 (Empfang des liechtensteinischen Kontingents bei der Rückkehr vom Stilfser Joch), 1872 (anlässlich der Spielbankangelegenheit) und 1884 (anlässlich des Regierungs- wechsels von Hausen - von In der Maur). Siehe auch «Dr. med. Wilhelm Schlegel» in JBL 91, S. 189/90. In Liechtenstein waren die Ansichten über den Grafen v. Westphalen geteilt. Dr. Albert Schädler schreibt es seinem Einfluss zu, dass sowohl der direkte Anschluss der Vorarlbergbahn 1869 über Schaan - Vaduz - Triesen - Balzers - Sargans unterblieb als auch derselbe Anschluss beim Bau der Arlbergbahn 1882/84 nicht zustande kam. (Dr. Albert Schädler «Chronik») Reg. Sekretär David Rheinberger schreibt nach Westphalens Tod, dass er eine Lücke für unser Land hinterlassen werde und «fürstli- che Gnadengaben nicht mehr so viele fliessen» würden. Er schreibt aber auch, dass Landesverweser von In der Maur durch den Tod Westphalens «sehr viel, ja seine Hauptstütze verloren» habe. (RhAV) 123) Siehe «Chronik» S. 29. 124) LVolksblatt 3. März 1882. 125) Inundationsgefahr = Überschwemmungsgefahr. 126) Dies bewies sich beim Rheineinbruch oberhalb Schaan 1927. 127) Weitere Komiteemitglieder waren: Anton Amann, Vaduz, Ing. Karl Schädler, Vaduz, Dir. Arbenz, Triesen, Dr. Rudolf Schädler, Vaduz, Xaver Bargetzi, Triesen, und Anton Real, Triesen. 128) Dem Landesausschuss gehörten 1881 an: Dr. Wilhelm Schlegel als Präsident, Landestierarzt Chr. Wanger u. F. X. Biedermann. 135
        

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