DR. MED. ALBERT SCHÄDLER 1848 BIS 1922 RUDOLF RHEINBERGER kenversicherung des Gesetzes von 1910 kommen. In der Gesetzesnovelle blieb nur die Krankenversi- cherungspflicht für Fabrikarbeiter bestehen. Auch das Einstehen des Landtagspräsidenten Dr. Albert Schädler für die Beibehaltung des Kassenobligato- riums für alle Arbeitnehmer hatte keinen Erfolg.118 Die Notwendigkeit eines strukturellen Umbaues des «Krankenunterstützungsvereins» war aber of- fensichtlich geworden und wurde nun in die Wege geleitet. Die Umstellung wurde durch die veränder- te Lage nach dem Ersten Weltkrieg eher erleichtert. Denn nach dem Zollanschluss an die Schweiz mel- dete sich auch bald die Konkurrenz, wodurch sich der «Verein» gezwungen sah, sich dem Modell der schweizerischen Krankenkassen anzupassen. Im Jahre 1925 erfolgte die Umbenennung des «Vereins» in «Liechtensteinische Krankenkasse». Der «Liechtensteinische Krankenunterstützungs- verein» ist der Vorreiter der freiwilligen Kranken- kassen in Liechtenstein.119 EISENBAHNPROJEKTE IN LIECHTENSTEIN Ich will nun in einem kurzen Kapitel auf einen Bereich eingehen, der auf den ersten Blick schein- bar weder mit Medizin noch mit Sozialmedizin et- was zu tun hat. Es ist die Frage eines Eisenbahn- baues in Liechtenstein. Und doch -, können wir uns heute vorstellen, wie die ambulante Behand- lung in einer ärztlichen Sprechstunde funktionie- ren sollte ohne adäquate Transportmittel, sei es das Postauto oder auch das Privatauto. Beides gab es damals nicht. Die Patienten kamen, sofern sie ge- hen konnten, zu Fuss oder mit einem Pferde- oder Ochsenfuhrwerk zum Arzt. Umgekehrt war auch der Arzt auf dieselben Verkehrsmittel angewiesen, wenn er einen Patienten besuchen wollte. Von Dr. Rudolf Schädler, dem Bruder Alberts, ist die folgen- de Episode aus der Zeit um 1880 überliefert: Er hatte einer vor der Entbindung stehenden Frau in Triesen versprochen, ihr im Falle von Komplikatio- nen bei der Geburt Hilfe zu leisten. Da bekam er aber zu dieser Zeit selbst eine Magenblutung, die ihn ins Bett zwang. Sein Versprechen wollte er aber 
halten. So liess er sich, auf einem Leiterwagen lie- gend, nach Triesen führen. Die Frau aber soll mit seiner Hilfe glücklich entbunden haben. Dr. Albert Schädler hatte nicht nur den wirt- schaftspolitischen Sinn einer Bahnverbindung aller Gemeinden untereinander erkannt, er sah auch die zukünftigen Möglichkeiten und Vorteile, die eine solche Verbindung gerade den Patienten bieten würde, die einen Arzt aufsuchen wollten. So setzte er sich dann, als ein Bahnbau in Liechtenstein ak- tuell wurde, mit grossem Engagement dafür ein. Schon der Vater Dr. Karl Schädler hatte sich als Landtagspräsident dafür eingesetzt, dass die Bahn- verbindung von Feldkirch in die Schweiz durch un- ser ganzes Land und erst bei Sargans über den Rhein geführt werde. In der Landtagssitzung vom 1. Januar 1870120 wurde dann aber die Konzession zur Linienführung über Schaan-Buchs erteilt, da man gegen die Vereinbarungen zwischen der Schweiz und Österreich realistischerweise kein An- kommen sah. Im Jahre 1865 hatten sich nämlich Österreich und die Schweiz schon darauf geeinigt, die Bahn bei Rüthi über den Rhein zu führen und es bedurfte zäher Verhandlungen, den Anschluss wenigstens einige Kilometer weiter südlich auf Liechtensteiner Gebiet zu erreichen. Nur Dr. Karl Schädler hatte bis zuletzt noch versucht, die Über- führung über den Rhein - wenn schon nicht bei 108) Hugo Gassner in LVolksblatt und LVaterland 29.4.1987. 109) LVolksblatt 1894 Nr. 17. 110) Von Reding wurde später Pfarrer in Triesenberg. 111) LVolksblatt 1896 Nr. 1. 112) LVolksblatt 1896 Nr. 1. 113) LVolksblatt 1895 Nr. 12. 114) LLA, Landtagsprotokoll vom 23. Juni 1897. 115) LGB1. 1910 Nr. 3. 116) LLA, Kommissionsbericht zur Landtagssitzung vom 11. Dezem- ber 1915. 117) LGB1. 1915 Nr. 14. 118) LLA, Landtagsprotokoll vom 25. November 1915. 119) Hugo Gassner in LVolksblatt und LVaterland am 29.4.1987. 120) JBL 89, S. 76-77. 133
        

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