tee gebildet, welches die Statuten auszuarbeiten hatte. Diesem Komitee gehören an: Theodor Jehle, Flaschnermeister in Schaan, Franz von Reding, Kaplan in Balzers, Arnold Thöny, Lindenwirt in Schaan, Josef Amann, Metzgermeister in Vaduz, und Josef Amann, Konsumleiter im Mühleholz.108 Am 16. März 1894 wurden die vorgelegten Statuten von der Regierung genehmigt. «Der Zweck dieses Vereins ist, jedem Mitgliede im Krankheitsfalle eine Unterstützung zukommen zu lassen. Der Verein wurde gegründet für Arbeiter und Dienstboten.»109 Diese Einschränkung der Zielmitglieder wurde aber bald fallengelassen und auf den gesamten Mit- telstand erweitert. Bei krankheitsbedingter Arbeits- unfähigkeit erhielt das Mitglied je nach Klasse 60 Kreuzer bis 1 Gulden pro Tag ausbezahlt. In die un- terste Klasse mit 60 Kreuzer Taggeld konnten auch Frauen aufgenommen werden. Arzt- und Medika- mentenkosten musste der Patient selbst bezahlen. Nun entfaltete der «Krankenunterstützungsver- ein» eine rege Werbetätigkeit. In allen Gemeinden des Landes wurden Versammlungen abgehalten, an denen jeweils der Präsident Theodor Jehle und der unermüdliche Balzner Kaplan von Reding110 aufklärende Vorträge hielten. Im Dezember 1895 zählte der Verein schon 110 Mitglieder.111 In der Jahresversammlung 1895 wurde der junge Arzt Dr. Alfons Brunhart, der kurz zuvor seine Praxis in Schaan eröffnet hatte, in den Vorstand gewählt.112 Er nahm damit praktisch die Stellung eines Ver- trauensarztes der Krankenkasse ein. Die Ärzteschaft zeigte sich dem Verein sehr ge- wogen. So empfahl Dr. Rudolf Schädler in einer Versammlung des «Landwirtschaftlichen Vereins» eindringlichst, dem «Krankenunterstützungsver- ein» beizutreten.113 Dr. Albert Schädler setzte sich im Landtag 1897 erfolgreich für einen jährlichen Landesbeitrag von 400 fl. an den Verein ein.114 Ebenso unterstützte der Landesfürst die gute Sache mit der namhaften jährlichen Summe von 200 fl. Im Jahre 1910 trat die vom Landtag im Vorjahr beschlossene neue Gewerbeordnung113 in Kraft. Sie sollte die längst überholte Ordnung vom Jahre 1865 ersetzen und verlieh ganz neuen sozialen Grundsätzen Gesetzeskraft. Ihr Zustandekommen 
war vom Präsidenten des Landtags Dr. Albert Schädler wesentlich mitgeprägt worden, der mit den Gedanken der Enzyklika «Rerum novarum» vom Jahre 1891 wohlvertraut war. Doch gab es von Anfang an Schwierigkeiten in der Durchführung der im Krankenversicherungs- bereich getroffenen, sehr fortschrittlichen Bestim- mungen, nach denen für Arbeitnehmer im Gewerbe generell der Beitritt zu einer Krankenkasse vor- geschrieben war. Hatten sich schon die Gewerbe- treibenden für einige Punkte der neuen Ordnung nicht erwärmen können, so war es der «Allgemei- ne Krankenunterstützungsverein», der ein Beitritts- obligatorium für «gewerbliche Hilfskräfte» oder «gewerbliche Hilfsarbeiter» strikte ablehnte. So kam dieser Teil des Gesetzes überhaupt nie zum Tragen und war damit gescheitert. Dazu waren durch das Gesetz nicht unwesentliche Leistungen der Krankenkasse vorgeschrieben. Sie mussten die vollen Arzt- und Arzneikosten sowie eine Lohnaus- fallentschädigung von 50 Prozent übernehmen. Die Prämienbeiträge hatten zu zwei Dritteln die Versi- cherten und zu einem Drittel die Arbeitgeber zu tragen. Auf eine derart tiefgreifende Umstellung war aber der «Krankenunterstützungsverein», wie es schon der Name besagt, nicht vorbereitet und da- her völlig überfordert, hatte er doch bisher ledig- lich bei krankheitsbedingter Arbeitsunfähigkeit ein Taggeld von 0.80 bis 1.20 Kronen ausgerichtet. Um diesen Teil des Gewerbegesetzes, nämlich die so- ziale Krankenversicherung, nicht scheitern zu las- sen, war die Regierung schon frühzeitig mit dem «Krankenunterstützungsverein», als der einzigen nichtbetrieblichen Krankenkasse im Lande, in Ver- bindung getreten. Verschiedene Angebote der Re- gierung wurden aber vom «Verein» abgewiesen, zuletzt das weitgehende Angebot, in welchem «die fürstliche Regierung dem Vereine für den Fall der Übernahme der gewerblichen Hilfsarbeiter in die Krankenversicherung die volle Vergütung sämtli- cher damit verbundenen Auslagen zusicherte».116 So musste es bei der Novellierung der Gewerbe- ordnung im Jahre 1915117 notgedrungen zu einem Abbau der fortschrittlichen Teile der sozialen Kran- 132
        

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