DR. MED. ALBERT SCHÄDLER 1848 BIS 1922 RUDOLF RHEINBERGER Hand zur Last fiel. Der Landtag entschied sich aber gegen den von der Regierung unterstützten Plan Dr. Karl Schädlers zugunsten der Errichtung einzelner Gemeindearmenhäuser und bekräftigte diesen Be- schluss nochmals im Herbst 1869.61 Anlässlich seines 25-jährigen Regierungsju- biläums hatte Fürst Johann II. im Jahre 1883 den Landesverweser Carl von Hausen wissen lassen, dass er dem Lande eine grössere Schenkung zuge- dacht habe. Von Hausen sah jetzt die Möglichkeit, seine Idee, ein Landeshospital zu bauen, zu ver- wirklichen. Es war dies ein Anliegen, das er schon seit seinem Amtsantritt im Jahre 1861 vor Augen hatte.62 Er legte seinen Plan im Frühjahr 1884 dem Landtag vor. Die Gemeinde Schaan bot - allerdings nur unter bestimmten Bedingungen - einen Bau- platz in der Nähe des Schaaner Armenhauses in der Resch an. Die Erstellung des Gebäudes und die gesamte Einrichtung wollte der Fürst aus seiner Privatkasse bezahlen. Das Haus sollte 30 Betten haben, davon fünf für besonders pflegeintensive «Irre», 15 für «Geistesschwache» und zehn für «kranke Arme». Man sieht aus dieser Aufgliede- rung der Insassen, dass das geplante «Hospital» in keiner Weise mit einem heutigen Spital verglichen werden kann. Es war als reine Sozialeinrichtung für Geisteskranke und kranke Arme gedacht. Der mehr oder weniger vermögende Bürger Hess sich, wenn er krank wurde, ohnehin zu Hause behan- deln. Die von Landesverweser von Hausen gewähl- te Bezeichnung «Landessiechenhaus» traf den Sachverhalt nicht schlecht, doch wurde diese Be- zeichnung von der Bevölkerung abgelehnt. «Sie- che» waren arbeitsunfähige und damit meistens auch arme Chronischkranke - Sozialfälle, für die von der öffentlichen Hand gesorgt werden musste. Doch beim Schaaner «Hospital» gab es Schwie- rigkeiten. Die Gemeinde Schaan wollte nur gerade soviel Boden abtreten, als zur Erstellung des Ge- bäudes notwendig war. Ausserdem stellte sie die Bedingung, dass die Spitalinsassen vom bestehen- den Armenhaus verpflegt werden müssten, dazu verlangte sie noch eine Mitbenutzung des Erdge- schosses des «Spitals». Dort sollte unter anderem eine Schnapsbrennerei ihren Platz finden. 
Auf diese Bedingungen ging der Landtag nicht ein, insbesondere, weil die beschränkte, von der Gemeinde gebotene Fläche, keinerlei Erweiterungs- möglichkeiten für die Zukunft erlaubt hätte. Daher beauftragte der Landtag den Landesausschuss, zu- sammen mit der Regierung nach anderen Lösun- gen zu suchen. Inzwischen war aber Landesverweser von Hau- sen, der Hauptverfechter der Spitalsidee, durch Carl von In der Maur im Amte abgelöst worden. Am 20. Dezember 1884 nahm von In der Maur erstmals an einer Sitzung des Landesausschusses teil.63 Man war gespannt auf die Person des neuen Landesverwesers und musste ihn und seine Eigen- schaften erst kennenlernen. In einigen Briefen sei- nes engsten Mitarbeiters, Regierungssekretär Da- vid Rheinberger, wird das sich wandelnde Urteil über von In der Maur in den ersten sieben Monaten seiner Amtszeit ungeschminkt und wohl auch tref- fend formuliert. Im ersten Brief64 vom 24. Oktober 1884 heisst es: «... Du wirst neugierig sein, wie wir mit dem neuen Chef auskommen. Da kann ich Dir nur sagen, dass wir speziell in der Kanzlei, bisher alle Ursache haben, mit ihm zufrieden zu sein. Er ist ruhig, gelassen, nicht spritzig, human, freund- lich und bescheiden...». Drei Wochen später, am 11. Dezember 188465 lautet die Beurteilung: «... Mit dem neuen Landesverweser komme ich einstwei- len gut aus. Er ist das gerade Gegenteil vom alten und zwar in allem.66» Gutmütig, fast zu weich, aber leicht verletzt, besonders wenn er glaubt, man tre- te seinem Prinzipat oder Ansehen zu nahe und 59) Siehe auch «Liechtensteiner Ärzte» in JBL 89, S. 75-76. 60) LLA, Landtagsakten 1867. Regierungsvorlage Nr. 261. 61) Siehe «Dr. med. Karl Schädler» in JBL 89, S. 76. 62) Ebenda. 63) LLA, Landtagsakten 1884, Prot. v. 20. Dezember. 64) RhAV VII, David Rheinberger an Schwägerin Fanny, 24. Oktober 1884. 65) RhAV David Rheinberger an Fanny, Brief vom 11. Dezember 1884. 66) In den letzten Jahren hatte es zuweilen Unstimmigkeiten zwi- schen von Hausen und seinem Sekretär Rheinberger gegeben. 123
        

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