DR. MED. ALBERT SCHÄDLER 1848 BIS 1922 RUDOLF RHEINBERGER Krankentransport nach Grabs keineswegs gesi- chert sei. Der Grenzübertritt sei erschwert und bei Nachtzeit seien die Tore der Rheinbrücken ge- schlossen. Auch vom Standpunkt unserer Selb- ständigkeit müsse man das Projekt empfehlen. Er legte den Landesverweser nahe, «sich auch einmal in den Schuhen eines Bittenden» zum Fürsten zu begeben.81 Dr. Albert Schädler als Berichterstatter der Kom- mission gab im Landtag nochmals einen Rückblick auf die geschichtliche Entwicklung der Spital- baufrage seit 1845. Dann kam er zur momentanen Situation. Als Arzt stehe er der Spitalsidee gewiss sympathisch gegenüber, doch das nötige Geld fehle noch. Die Errichtung eines Spitals sei unmöglich ohne grosse Spenden. Auch wäre ein Spitalarzt und ein tüchtiger Chirurg nötig. Er empfehle den Antrag, und die Regierung möchte sich dafür ver- wenden.82 Der Kommissionsantrag wurde dann vom Landtag einstimmig angenommen. Der Aufforderung Dr. Wilhelm Becks an den Landesverweser, «sich auch einmal in den Schuhen eines Bittenden zum Fürsten zu begeben», scheint von Imhof dann auch nachgekommen zu sein, denn an Weihnachten 1918, zum 60. Regierungsju- biläum, gab Fürst Johann II. ein Handschreiben heraus, in welchem er seinen Willen kundgab, ein landschäftliches Krankenhaus mit einem Beleg- raum von 20 Betten nebst der gesamten Einrich- tung auf seine Kosten zu errichten.83 Des weiteren widmete der Fürst den Betrag von 50 000 Kronen, dessen Zinsen dauernd zur teilweisen Deckung der Betriebskosten dienen sollten. Der Fürst bestimm- te, dass in diesem Krankenhaus, welches den Namen «Fürst Johannes Jubiläumsspital» tragen sollte, jeweils fünf mittellose Landesangehörige un- entgeltliche Pflege und Behandlung finden sollten.84 Der Landtag würdigte das hochherzige Angebot des Fürsten und erklärte sich zur Übernahme der Betriebskosten des Krankenhauses bereit. Die Bau- platzfrage gab noch einiges zu reden, doch wählte der Landtag als Standort Schaan, und die Gemein- de stellte einen bei Dux gelegenen Bauplatz zur Verfügung. Der Alternativvorschlag, für den Land- tagspräsident Dr. Albert Schädler eingetreten war, 
hätte die Lage beim späteren «Waldhotel» in Vaduz bevorzugt.85 Der in Frankfurt tätige Vaduzer Archi- tekt Franz Röckle wurde mit der Planung beauf- tragt und reichte auch bald mehrere Vorschläge für das zu bauende Krankenhaus ein. Bald wurde auf Dux mit dem Aushub begonnen - und dabei blieb es. Die totale Geldentwertung im Gefolge des Ersten Weltkrieges hatte dem Bauvor- haben jegliche materielle Grundlage entzogen. Das Land und seine Bevölkerung waren fast über Nacht völlig verarmt und der Kampf ging um die nackte Existenz. So war für die nächsten Jahrzehnte an ei- nen Spitalbau nicht mehr zu denken. Albert Schäd- ler aber hatte sich aus der Öffentlichkeit zurückge- zogen. Ein neues Kapitel in der liechtensteinischen Geschichte nahm seinen Anfang. ARMENBEHANDLUNG86 Die Klienten, die Dr. Albert Schädler als Badearzt in Ragaz zu betreuen hatte, kamen alle aus den wohlhabendsten Kreisen, während er in Vaduz 76) Dr. Josef Batliner war gebürtig aus Mauren und ein Schüler des berühmten Chirurgen F. von Winnivvarter gewesen. Er führte später in Abwesenheit des Chefarztes auch selbst die dringlichen Operatio- nen durch. 77) «Spital Grabs, 75 Jahre im Dienste der Region», Buchs 1989. 78) LLA, Landtagsprot. vom 7. Dezember 1914. 79) LLA, Landtagsprot. vom 29. November 1917. 80) Ebenda. 81) Ebenda. Dr. Beck hatte als Mitglied der 1914 gebildeten Land- tagskommission zum Studium der Spitalfrage den Antrag auf Errichtung eines Landeskrankenhauses mitunterzeichnet. 82) LLA, Landtagsprotokoll vom 29. November 1917. 83) Schädler «Landtag» in JBL Bd.Hj), S. 42. 84) Ebenda. 85) Ebenda. 86) Es soll an dieser Stelle auf einige Fragen und Einrichtungen der sozialen Medizin eingegangen werden, mit denen sich die Ärzte des ausgehenden 19. Jahrhunderts zu befassen hatten. Es sind dies insbesondere die Armenbehandlung und die Entstehung der Kran- kenkassen. 127
        

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