DR. MED. ALBERT SCHÄDLER 1848 BIS 1922 RUDOLF RHEINBERGER im Institut der Englischen Fräulein in Lindau er- halten. Es scheint, dass sie sich anfänglich mit der Eingewöhnung in die Vaduzer Verhältnisse schwer tat.22 «Sie war eine schöne, hochelegante Erschei- nung. Sie liebte es besonders, im Garten zu arbei- ten und war eine grosse Wohltäterin der Armen.»23 Frau Schädler lebte immer sehr zurückgezogen. Am 2. März 1899 starb sie unerwartet im Alter von nur 51 Jahren an einem Gehirnschlag. Die Räume für die Doppelpraxis befanden sich im ersten Geschoss des Neubaues und waren sehr geräumig. Die ärztliche Teamarbeit verlief rei- bungslos. Doch Albert Schädler hatte weitere Plä- ne. Er hatte ein Angebot bekommen, in Ragaz-Pfä- fers als Badearzt zu wirken und er wollte den Versuch wagen.24 Nach dem vierten Sommer in Ragaz unterzog er sich in Zürich nochmals einem Examen und erwarb damit das schweizerische Konkordatsdiplom.25 Damit hatte er auch den for- mellen Anforderungen Genüge getan und er konnte sich jetzt auch offiziell «Badearzt in Ragaz-Pfäfers» nennen. Diese Stellung hatte er dann bis ins Jahr 1890 inne. So zog er jeweils im Sommerhalbjahr mit der ganzen Familie nach Ragaz, wo er eine feste Wohnung hatte. Die Ausübung dieser «Praxis elegans» war für ihn in mehrfacher Hinsicht interessant und wich- tig. Einmal konnte er viele bedeutende Menschen kennen lernen, unter denen sich eine ganze Reihe international bekannter Ärzte befand; zum andern konnte und musste er sich vertiefte Sprachen- kenntnisse aneignen. Um sein Französisch zu ver- bessern und um sich in jeder Stadt etwa vier Wochen zum Besuch der Kliniken aufzuhalten,26 begab er sich Anfang des Jahres 1879 nach Lyon und Paris. In Paris lernte er den berühmten Psy- chiater und Neurologen Jean Martin Charcot (1825-1893), den Praktiker Sigismund Jaccoud (1830-1913) und nicht zuletzt den grossen Louis Pasteur (1822-1895) kennen, der ihn persönlich in sein neuerrichtetes Institut einführte und ihm auch Einsicht in die Krankengeschichten gewährte. In London27 war es vor allem Hermann Weber (1823-1918), ein Pionier der Klimatherapie, dessen Forschungsergebnisse ihn interessierten. Albert 
Schädler hatte sich im Februar 1887 nach London begeben, wo er ein ganzes Vierteljahr blieb. Es wa- ren aber nicht nur medizinische und Sprachstudi- en, die er in London betrieb, denn er sollte auch dazu beitragen, Bad Ragaz in England bekannt zu machen. So schreibt David Rheinberger an seine Schwägerin am 26. Februar 1887 unter anderem: «Daneben wird er (Albert Schädler) aber wahr- scheinlich Proseliten für Ragaz zu machen haben, denn die Reise soll ihn nichts kosten.»2* Schädler war mit dem Besitzer der Kuranstalten Ragaz-Pfä- fers, Bernhard Simon, gut befreundet. Simon hatte ihn in jener Zeit auch zu seinem persönlichen Arzt gewählt29 und hielt grosse Stücke auf ihn. Er war es auch, der ihn im Jahre 1886 veranlasste, eine Schrift über «Ragaz-Pfäfers, die Heilwirkung seiner Therme, Lage und Klima»30 zu verfassen. Sie er- schien im Verlag Scheitlin und Zollikofer in St. Gal- len, enthielt einen hübschen Stahlstich mit der An- sicht auf Ragaz und das Rheintal und wurde in einer Auflage von 10 000 Exemplaren in deutscher 20) «Chronik» S. 47. 21) Siehe auch «Dr. Rudolf Schädler» in JBL 92, S. 164. Michael Pattyn, Das Schädlerhaus in Vaduz, Terra plana, Heft 2/1994. 22) RhAV, Maly an Fanny Rheinberger, Brief vom 31. März 1875. 23) FamARh, «Abstammung Schädler» von Albert Hinkelbein, 1975. 24) Im Jahre 1872 war in Ragaz das erste Thermalschwimmbad Europas eröffnet worden. 25) Konkordatsdiplom, ausgestellt in Bern am 1. Dezember 1877, LLA. 26) RhAV/VIIL David Rheinberger an Bruder Josef, Brief vom 2. November 1878 und «Chronik». 27) Albert Schädler kommentierte seinen Londoner Aufenthalt in den «Memorabilia of Dr. Albert Schädler in London 1887» in engli- scher Sprache in einem 195 Seiten starken Heft. LLA, PA Schädler, 3. 28) David Rheinberger an Fanny, Brief vom 26. Februar 1887, RhAV. 29) Praxisjournal Schädler, 1883-1886, FamARh. 30) Siehe auch LVolksblatt 1886 Nr. 13. Diese Publikation hatte schon zahlreiche Vorläufer, angefangen von Felix Malleolus aus Zürich «De balneis naturalibus...» im 15. Jahr- hundert, über Theophrastus Paracelsus «Vom Bad Pfeffers in Oberschwyz gelegen...» 1535 bei Froschauer in Zürich, Ägidius Tschudi «Die uralt alpisch Retia», Basel 1538, bis herauf zu Adolf von Planta «Ragaz-Pfäfers» St. Gallen 1869. Weitere Literaturanga- ben in «Bad Pfäfers-Bad Ragaz» 1868-1968, St. Gallen 1968. 109
        

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