DR. MED. ALBERT SCHÄDLER 1848 BIS 1922 RUDOLF RHEINBERGER Vorlesungen «Medizinische Klinik», «Spezielle Patho- logie und Therapie» und «Pathologie der anatomi- schen Hirnkrankheiten». Ferner besuchte er bei Bier- mer einen Kurs über «Syphilitische Krankheiten». Ein weiterer wichtiger Lehrer Albert Schädlers in Zürich war Ludimar Hermann.12 Hermann las damals in Zürich «Experimentalphysiologie», «Physiologische Chemie» und «Physiologie der Seelenkrankheiten». Bei E. Rose besuchte Schädler die Vorlesungen über Chirurgie und bei A. Gusserow jene über Ge- burtshilfe und Gynäkologie. Karl Josef Eberth13 lehrte «Allgemeine Pathologie», Joh. Friedrich Horner14 das Fach der Augenheilkunde. Zur Zeit, als Albert Schädler in Zürich studierte, brach der deutsch-französische Krieg aus. Die Schweiz leistete dabei humanitäre Hilfe, indem sie Kriegsverletzte in verschiedenen Militärlazaretten betreute. Albert Schädler stellte sich für diesen Dienst freiwillig zur Verfügung.15 Im März 1871 verliess Albert Schädler Zürich und immatrikulierte sich am 16. Mai 1871 für das Sommersemester an der Universität Giessen.1'1 Dies geschah lediglich zum Zwecke der Promotion, denn schon nach sieben Wochen wurde er am 8. Juli 1871 mit dem Prädikat «multa cum laude» zum Doktor der gesamten Heilkunde promoviert. Der Grund, warum er nicht in Zürich promovierte, lag darin, dass in Liechtenstein das schweizerische Doktorat zur Ausübung des Arztberufes nicht aner- kannt wurde. Für die Konzessionserteilung war bis 1874 das Diplom einer deutschen Universität erfor- derlich. Nach Inkrafttreten des neuen Sanitätsge- setzes17 von 1874 wurde dann die Promotionsur- kunde einer österreichischen Universität verlangt. HEIRAT UND BERUF Nach dem nun erfolgten formalen Abschluss seines Studiums kehrte Dr. Albert Schädler nach Hause zurück und half für einige Monate in der Praxis sei- nes Bruders Rudolf mit. Von Oktober 1871 bis April 1872 besuchte er noch einige klinische Kurse in Wien, um seine theoretischen und praktischen 
Kenntnisse zu vertiefen. Nach seiner Rückkehr nach Vaduz übte er gemeinsam mit seinem Bruder Rudolf die ärztliche Praxis aus. Zu dieser Zeit hatte gerade eine grosse Typhus- epidemie im Liechtensteiner Oberland ihren Höhe- punkt erreicht18, und die beiden arbeiteten fast Tag und Nacht. Hatte Rudolf am Anfang noch die meisten Wege zu Fuss bewältigt, so kamen jetzt die beiden ohne Pferde nicht mehr aus, und oft kamen sie nur zum Pferdewechsel nach Hause.19 Für kurze Zeit wurde die schwere Arbeit für Al- bert durch seine Heirat mit Albertine Berl unter- brochen. Albertine war die Tochter des Postmei- sters Eduard Berl in Feldkirch, dessen Frau Theresia auch das Posthotel «Krone» führte. Berl hatte ständig über 20 Pferde zu halten, um den grossen Postverkehr nach dem Arlberg, nach Bregenz und nach der Schweiz bewältigen zu 7) Aren. d. Univ. Wien, Nationalien d. Med. Fak. R 49.4 Nr. 9776. 8) Siehe auch «Dr. med. Rudolf Schädler» in JBL Bd. 92. S. 156. 9) Staatsarchiv des Kantons Zürich. Matrikelbuch UU 24.1. 10) Vorlesungsverzeichnis d. Med. Fak. d. Universität Zürich 1869/71. 11) Anton Biermer (1827-1892) war ein sehr vielseitiger und bedeu- tender Kliniker. Er modifizierte und verfeinerte die Technik der Percussion der Lungen. Eine Kapazität von Weltruf war er auf dem Gebiet der Blutkrankheiten; er beschrieb zum ersten Mal im Jahre 1868 die «Perniciöse Anämie», die nach ihm auch «Biermersche Krankheit» genannt wird. 12) Der Physiologe Ludimar Hermann (1838-1914) war bekannt geworden durch seine Arbeiten auf dem Gebiet der Atemphysiologie, der Funktion der Nervenfasern und der Grosshirnrinde. Sein Hand- buch der Physiologie fand weite Verbreitung. 13) Karl Josef Eberth (1835-1925) war Pathologe und Bakteriologe. Er war der Entdecker des Typhus-Bazillus (1880). 14) Johann Friedrich Horner (1831-1886), bekannter Augenarzt. Nach ihm ist die Symptomentrias «Hornerscher Symptomenkom- plex» benannt. 15) Siehe «Chronik». 16) Matrikelbuch der Universität Giessen. 17) LGB1. Nr. 3 vom 30. Oktober 1874. 18) Siehe auch «Dr. med. Rudolf Schädler» in JBL 92, S. 158. 19) Mündliche Mitteilung von Fr. Elwine Happ. München, einer Enkelin Dr. Albert Schädlers. 107
        

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