ren von 1924 bis 1931 zufriedenstellend - ausser dem Einbruch 1927/28 durch die Rheinüber- schwemmung, die im Unterland grosse Flächen verwüstete.438 1931 zeigten sich die ersten Krisensymptome, von 1932 an steckte die Landwirtschaft, vor allem we- gen der stark sinkenden Viehpreise, in einer tiefen Krise, von der sie sich erst in der zweiten Hälfte der dreissiger Jahre langsam wieder erholte. Wie schlecht es um die Landwirtschaft bestellt ge- wesen zu sein scheint, vermittelt der Rechen- schaftsbericht von 1933: «In Zeiten, wo die land- wirtschaftliche Rendite auf dem Nullpunkt ange- langt ist, ist der Bauer für alles dankbar, was ihm den Nutzen seiner eigenen Arbeit verbessern kann. Er ist heute vielfach auf einen Nebenverdienst an- gewiesen, weil die Einnahmen aus der Wirtschaft die Ausgaben nicht mehr decken.»439 WS. schildert die Situation der Landwirtschaft in den dreissiger Jahren ähnlich prekär wie der Rechenschaftsbe- richt: «Es hat alles zusammen nichts gegolten. Das weiss ich noch! Rossbeschlagen und das alles war teuer und Geld hat man nicht viel gehabt. Man hat nichts zuviel gehabt! Man versuchte halt, Eier, Ka- bis und Salat zu verkaufen. Bei allem musste man schauen, dass man es irgendwie fortbrachte. Da hat man wieder Poulets verkauft - an einen Gasthof oder so. Man hätte sie auch lieber selber gegessen! Damit man wieder ein paar Franken gehabt hat, man musste schon knapp durch!»440 Am stärksten zog die Krise die Triesenberger Bauern und Bäue- rinnen in Mitleidenschaft, die sich in ihrer Not 1932 mit einem Hilfsgesuch an die Regierung wandten.441 Einzige wirtschaftlich positive Entwicklung in der Landwirtschaft anfangs der dreissiger Jahre war der sich rasch ausbreitende Konservengemüsebau. Da der Gemüsebau verhältnismässig wenig Boden benötigte, öffnete sich hier vor allem kleinbäuer- lichen Betrieben eine wichtige Einnahmequelle.442 Schon 1936 standen in der Handelsbilanz Gemüse und Früchte an zweiter Stelle der landwirtschaft- lichen Exportgüter. Die meisten Bauern und Bäue- rinnen lieferten zunächst nach St. Gallen oder Ror- schach. Mit der Gründung der Konservenfabrik 
Scana AG hatten sie dann ab 1936 die Möglichkeit, das Gemüse auch im Inland abzusetzen. In der zweiten Hälfte der dreissiger Jahre versuchte der Staat die Krise in der Landwirtschaft durch be- trächtliche Förderungs- und Lenkungsmassnahmen aufzufangen. Als Folge des 1935 verabschiedeten Wirtschafts- und Notstandsprogramms richtete er von 1936 an grosszügige Subventionen an die Land- wirtschaft aus.443 Ähnlich wie in der Schweiz444 förderte der liechten- steinische Staat in erster Linie den Getreide- und Hackfruchtbau: Er subventionierte die Umwand- lung von Streu- in Ackerland («Umbruchprämien») wie auch die Neulandgewinnung durch Drainagen und Rodungen, übernahm zum Teil die Kosten für das Saatgut und zahlte Mahlprämien aus. Wieder- um parallel zur Schweiz traten gleichzeitig Ein- schränkungen für die Viehzucht in Kraft, die fest- legten, dass der Bestand an Vieh den Futteran- baumöglichkeiten des/r Viehhalters/in angepasst werden müsse.445 Die Auswirkungen waren be- trächtlich: Das Ackerland stieg von 1929 bis 1939 von 471,9 ha auf 782,7 ha an. Am stärksten ver- grösserte sich die Weizenanbaufläche, aber auch Mais- und Kartoffelanbau zeigten grossen Zu- wachs.446 Beweggrund für diese Umstellung von der Gras- auf die Getreidewirtschaft, beziehungsweise für die Ausdehnung der Ackerbaufläche war die in den dreissiger Jahren allerorts propagierte Idee der Selbstversorgung. Anziehungskraft und Wirkung dieses Zieles sind nur auf dem Hintergrund der wirtschaftlichen Krisensituation und der immer spürbareren Kriegsgefahr in Europa sowie der mit diesen Entwicklungen zusammenhängenden Hoch- stilisierung des Bauerntums und dessen nationaler Bedeutung zu verstehen.447 Im Rahmen der Kriegswirtschaft448 wurden die Au- tarkiebestrebungen im Ernährungsbereich ab 1939 nochmals massiv verstärkt, die Ackerbaufläche bis 1943 auf 1321,9 ha ausgedehnt. Diese beachtliche Umstrukturierung der Landwirt- schaft, die erst durch die Entwässerung der Rhein- ebene möglich geworden war, stand in den dreis- siger Jahren im Zentrum der liechtensteinischen 96
        

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