FRAUENARBEIT IN LIECHTENSTEIN 1924 BIS 1939 BÄUERINNEN / CLAUDIA HEEB-FLECK DIE STELLUNG DER BÄUERIN IM LANDWIRT- SCHAFTLICHEN BETRIEB Die Landwirtschaft war in der Zwischenkriegszeit immer noch der weitaus wichtigste Arbeitsbereich für Frauen. In der Betriebszählung von 1929 wie- sen sich 1630 Frauen von 15 und mehr Jahren und 1431 Männer als ständige Arbeitskräfte in der Landwirtschaft aus.419 Knapp zwei Drittel (1079) dieser weiblichen Ar- beitskräfte führte die Betriebszählung als Familien- mitglieder des Betriebsleiters auf. Die grössere Zahl weiblicher Arbeitskräfte in der Landwirtschaft hängt wohl damit zusammen, dass in fast allen landwirtschaftlichen Betrieben eine Tochter zu Hause blieb, um der Bäuerin zu helfen, dass es hin- gegen auf kleineren Höfen häufig zu wenig Arbeit für zwei Männer gab, so dass sich die Söhne eine andere ausserhäusliche Arbeit suchen mussten. Dies kommt zum einen bei den Interviewpartnerin- nen klar zum Ausdruck, denn alle sprechen von einer Schwester, Tante oder Tochter, die als Hilfe daheim bleiben musste, zum anderen in der Volks- zählung von 1941, die mehr als 90 Prozent der über 16jährigen Familienangehörigen der «Erwer- benden» in der Landwirtschaft als Frauen auswies. Da Männer wie Frauen vor allem in den dreissiger Jahren ausserhalb der Landwirtschaft immer schwieriger Arbeit fanden, gab es auch einen rela- tiv grossen Prozentsatz an nicht ständigen männ- lichen und weiblichen Arbeitskräften: Junge Frau- en nahmen für kürzere Zeit eine Dienststelle an oder gingen zum Beispiel im Winter in die Fabrik; Männer - Söhne wie Väter - arbeiteten als Saison- arbeiter.420 Frauen stellten mit 459 oder 36,2 Prozent einen recht hohen Anteil der Betriebsleiterinnen, wobei sie allerdings vorwiegend Klein- (100-300 Aren) und Kleinstbetriebe (bis 100 Aren) führten.421 Hier- unter fielen neben Witwen in erster Linie Frauen wie die Mutter von K.H., die den Hof vorwiegend alleine bewirtschafteten und deren Ehemänner und Söhne hauptsächlich als Saisonarbeiter im Baugewerbe oder als Kleingewerbetreibende arbei- teten und in der Landwirtschaft nur sporadisch 
oder regelmässig einige wenige «typische Männer- arbeiten» verrichteten. In Literatur und Quellen wurde diese Art der Arbeitsteilung innerhalb der Familie immer aus männlichem Blickwinkel darge- stellt: «Auch die meisten Gewerbetreibende und 410) LVolksblatt. 1930. Nr. 82, Landwirtschaftliche Beilage: «Bauern, schätzt die häusliche Arbeit eurer Frauen richtig ein und überlastet sie nicht mit Feldarbeiten». 411) LVolksblatt. 1935, Nr. 125, Landwirtschaftliche Beilage. «Bünd- nerische Bauernschule Banz», Hervorhebung von mir. Vgl. auch: LVolksblatt, 1934, Nr. 130, Landwirtschaftliche Beilage. «Ein Wort an unsere Bauerntöchter». 412) LN. 1933, Nr. 14, «Gemüsebau. 
    

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