FRAUENARBEIT IN LIECHTENSTEIN 1924 BIS 1939 FABRIKARBEITERINNEN / CLAUDIA HEEB-FLECK Insgesamt lässt sich sagen, dass es um die organi- sierte Interessenvertretung der Arbeiterinnen in der Zwischenkriegszeit sehr schlecht bestellt war. Ein grosser Teil der Arbeiterinnen schickte sich wie K.H. in die gegebenen Arbeitsbedingungen, andere aber griffen zur Selbsthilfe. Dabei wandten sie sich - wie auch der LAV - selten direkt an den Arbeit- geber,256 sondern sie richteten ihre Beschwerde an die Regierung oder das Arbeitsamt und baten diese um Vermittlung beziehungsweise um die Vertre- tung ihrer Anliegen.257 Der Weg über die Regierung ermöglichte den Arbeiterinnen, ihren Problemen Öffentlichkeit zu verschaffen, und bot ihnen auch eine gewisse Rückversicherung gegen ungerecht- fertigte Reaktionen der Arbeitgeber auf ihre Pro- teste. Wie Haltung und Selbstverständnis etlicher liechtensteinischer Arbeitgeber zeigen, scheint dieses indirekte Vorgehen der Arbeiterinnen auch geboten gewesen zu sein. So teilte beispielsweise der Verwaltungsrat der Rheintalischen Bekleidungswerke AG 1938 der vorwiegend aus Frauen bestehenden Belegschaft Folgendes mit: «Es ist allen Arbeitern gestattet, Wünsche und Reklamationen bei Herrn Eichholz im Bureau oder bei mir vorzubringen. Nicht gestat- tet ist, im Betrieb selbst ganz ungehobelt, wie es bisher vorgekommen ist, den Mund zu zerreissen und dadurch das normale Arbeiten zu stören. Herr Eicnholz wurde von mir beauftragt, jedes solches Vorgehen mit Entlassen in derselben Stunde zu ahnden und ich werde überwachen, dass diese meine Anordnungen auch respektiert werden. Ferner werden betriebsschädigende Schimpfereien ausser dem Betrieb ebenfalls mit sofortiger Ent- lassung bereinigt.»258 Jenny, Spoerry & Cie standen noch ganz in der Tradition des ländlich-patriarchalisch geprägten Selbstverständnisses des Unternehmers: Proteste der Arbeiterinnen empfanden sie als persönlichen Affront gegen ihren Einsatz 
    

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