So zahlte beispielsweise auch die Ramco AG sehr niedrige Löhne. Nach Angaben von K.H. begann ihre Schwester in der Ramco AG mit einem Stun- denlohn von 28 Rappen. 1933 äusserte sich Herr Bock von der Ramco AG gegenüber dem Regie- rungschefdahingehend, dass er begreife, «dass die Löhne als zu niedrig empfunden werden» und dass er gedenke, «mit den besseren auf 38 Rp., mit den anderen etwa auf 36 und 35 Rp. zu gehen».220 Auf ein sehr krasses Beispiel der Ausbeutung von Arbeiterinnen in einer 1934 eröffneten Firma in Vaduz machte ein Zeitungsartikel aufmerksam: «Es soll vorkommen, dass dort geschickte Arbeiterin- nen pro Tag, sage und schreibe, 2-3 Fr. verdienen, auch sollen solche dabei sein, die einen Verdienst pro Tag mit 2 Franken nicht erreichen. . . . Ein be- scheidenes Mittagsmahl verzehrt den täglichen Verdienst und die Arbeiterin hat absolut kein Ein- kommen.»221 In welchem Verhältnis standen nun die Frauen- löhne zu den Männerlöhnen? Ein Vergleich bietet Schwierigkeiten, da Frauen und Männer selten die gleichen Arbeiten verrichteten. Die bei Jenny, Spoerry & Cie beschäftigten Männer arbeiteten häufig als Handwerker - 1922 mit sfr. 1.05 Stundenlohn - oder als Weber- und Spinner- meister, wo sie 1922 bis sfr. 1.20 pro Stunde ver- dienten.222 Gewisse Vergleiche lassen sich dennoch anstellen. Mit der von Frauen in der Bekleidungsindustrie verrichteten Arbeit in etwa vergleichbar dürfte die von Männern in der Rheintalischen Kleineisen- industrie gewesen sein. Drei der fünf dort beschäf- tigten Männer hatten 80 Rappen Stundenlohn, einer verdiente 45 Rappen, ein anderer 55 Rappen pro Stunde. In einem anderen Kleinbetrieb erhiel- ten drei Arbeiter je 90 Rappen, ein Arbeiter 60 Rappen Stundenlohn. Während also die meisten Arbeiterinnen nach der Erhebung von 1938 um 35 Rappen Stundenlohn bekamen, verdienten die Männer nach dieser Er- hebung mehrheitlich mehr als das Doppelte. Auch wenn Frauen die gleichen Positionen beklei- deten wie Männer, wurden sie wesentlich schlech-ter 
entlöhnt. So verdiente eine Vorarbeiterin in der Rheintalischen Bekleidungswerke AG im Monat sfr. 100.-, der Vorarbeiter in der Bettfedernfabrik Hannauer Schmidt hingegen sfr. 55 - in der Wo- che.223 Diese krassen Unterschiede bestätigen sich auch, wenn andere Berufssparten als Vergleichsba- sis herangezogen werden. Die Kollektivverträge im Baugewerbe legten für einen Handlanger, der sicherlich unqualifiziertere Arbeit verrichtete als beispielsweise eine Ringspin- nerin wie K.H., 1927 70 Rappen und 1939 95 Rap- pen Stundenlohn fest. Die Mindeststundenlöhne für Berufsarbeiter im Baugewerbe betrugen 1927 und 1939 sfr. 1.15 - wobei zu berücksichtigen ist, dass die Arbeitnehmer in der Krise der dreissiger Jahre gezwungen waren, für weniger Lohn als vertrag- lich festgelegt zu arbeiten, um überhaupt etwas zu verdienen.224 In der Zwischenkriegszeit bestanden demnach sehr hohe Diskrepanzen zwischen Frauen- und Männerlöhnen. Zum selben Resultat kommt der Verfasser der 40-Jahre-Jubiläumsschrift des LAV, wenn er schreibt, dass in den dreissiger Jahren «besonders für Arbeiterinnen, teilweise Löhne zur Auszahlung [kamen], die unter jeder Norm lagen».225 In diesem Zusammenhang interessant ist die über die Zwischenkriegszeit hinausgehende Lohnent- wicklung. Der Kollektivvertrag der Metallindustrie legte die Durchschnittslöhne auf Ende 1947 wie folgt fest: Für angelernte Arbeiter sfr. 2.30 und an- gelernte Arbeiterinnen sfr. 1.60 Stundenlohn, für Hilfsarbeiterinnen sfr. 2.10 rsp. sfr. 1.45.226 Frauen verdienten demnach rund ein Drittel we- niger als Männer in der gleichen Position. Die Un- terschiede zwischen Frauen- und Männerlöhnen verringerten sich also mit der Überwindung der wirtschaftlichen Krise in der Zwischenkriegszeit und dem beginnenden industriellen Aufschwung in und nach dem Zweiten Weltkrieg. Ob die für andere Länder festgestellte Tendenz, dass es in wirtschaftlichen Krisenzeiten wegen des allgemein geringeren Spielraumes der Frauen- löhne zum Existenzminimum zur Angleichung von 56
        

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