FRAUENARBEIT IN LIECHTENSTEIN 1924 BIS 1939 FABRIKARBEITERINNEN / CLAUDIA HEEB-FLECK Lederwärenfabnk „Aipina" A.G. Fabnque'd« N1 aroqmnene .,Atpina". S.A. Manufactures of.Leather Goods ^Alpma ' LTD. "Titli P ü r s t 1. : . Auf das gestrige. Schreiben erwiidern wir Ihnen, dasJwir hier bereits mit Herr Peger von der Wirtschaftskammer das für ihn .Wichtige in der Angelegenheit der sogenannten Oeberstunden besprochen haben. Wir gehören zwar nicht der Wirtsohaftskaonier an und sind auch bisher nicht Uber den amtlichen Charakter dieses Instituts orientiert worden .trotzdem gaben wir bereitswilligst Auskunft. In jedem Jahre fertigen wir in Januar Uuster an - um Aufträge und Arbeit für unsere Leute zu "bekommen , bisher hat diese weder in Schaan noch in unseren früheren deutschen Domi= zil zu Anständen geführt - wir haben jedem Arbeitnehmer frei gestellt 'die Stelle aufzukündigen , wenn er diese -j Stunde nicht mitmachen kann öder will.- gekündigt hat Niemand - also war man mit ;der 2 Stunde Mehrarbeit einverstanden. Eine Lohnerhöhung hat nicht stattgefunden ., weil wir bis= her nachweisbar duroh das Anlernen der liechtensteinischen Ar = heiter im' Jahre einige looo Franken zugelegt haben bis wir einen Stamm eingeschaffter Leute hatten. Wir haben.unsere Leute darauf aufmerksam gemacht , das wir nachweisbar höhere -Löhne - wie in 4 benachbarten Schweiz bezahlen und deshalb für diese fdu3terafebei= ' ten von-einer weiteren Erhöhung absehen müBBen .. Tfenn wir uns. Lohne noch weiter'erhöhen dann sind wir absolut nicht mehr konkurenzfehig und'hat dann die Weifierführung unseres Geschäftes in Liechtenstein kein IntefesBe für unä - weil uns auch urasoraohr aus der Schweiz günstigere -Arbeitsbedingungen vorliegen. Lex oder die Person - welche uns eins auswischen will - schadet•nicht uns sondern der liechtensteinischen Tirtschafts= läge Im.Allegmeihen - denn es wird der hohen Regierung ja be = Jcannt sein, das unsere Pirma bis-zum l.S.crts mit Heimarbeiter noch 38 -Leute beschäftigt hat - und legen wir besondern Wert darauf - wenig im Hause anfertigen zu lassen - sondern den recht-zahlreich sich um Arbeit bemühenden Heimarbeitern in den umliegenden Dörfern Arbeit zu geben. In unserem'Geschäft selbst arbeiten wir - auf Akkord - •und verdienen die daran beteiligten Leute mehr wir früher. Hochachtungsvoll . wir vonai Die Schutzwirkung der gesetzlichen Arbeitszeitre- gelung war in der Zwi- schenkriegszeit minimal. Die Betriebsleitungen setzten sich laufend über die Schutzbestimmungen hinweg und die verant- wortlichen Behörden kamen ihrer Kontrollauf- gabe nur sehr ungenügend nach. Angesichts der prekären Wirtschaftslage unterzogen sich die Behör- den wie auch die Arbeit- nehmerinnen und Arbeit- nehmer häufig dem Diktat der Unternehmerinteres- sen, um keine Arbeitsplät- ze zu gefährden oder zu verlieren. 
Am 17. Februar 1927 bemängelte beispielsweise die Regierung in einem Brief an die Lederwaren- fabrik «Alpina» A.G., dass das Unternehmen seine Arbeiterinnen und Arbei- ter eine halbe Stunde Überzeit arbeiten Hess, ohne die notwendige Bewilligung eingeholt und den vorgeschriebenen Lohnzuschlag entrichtet zu haben. Die Antwort der Lederwarenfabrik vom 19. Februar 1927 zeigt die Macht der Unternehmer: «... Wir haben jedem Arbeitnehmer frei gestellt die Stelle aufzukündigen, wenn er diese 1/2 Stunde nicht mitmachen kann oder will - gekündigt hat Niemand - also war man mit der 1/2 Stunde Mehr- arbeit einverstanden. . . Der oder die Person - welche uns eins auswi- schen will - schadet nicht uns sondern der liechten- steinischen Wirtschafts- lage im Allgemeinen...» 
Eine Anzeige - dieses Mal von der liechtensteini- schen Wirtschaftskammer kommend - wegen un- bewilligter Überzeit ohne Lohnzuschlag in der Lederwarenfabrik Alpina AG von 1927 zeigt aller- dings, dass sich die Überwachung und Durchset- zung der geltenden Vorschriften für die Regierung häufig sehr schwierig gestalteten, da die - meist ausländischen - Firmeninhaber respektive die Fir- menleitung sehr unwirsch auf Kritik reagierten. So drohte die Lederwarenfabrik mehr oder weni- ger direkt, den Betrieb in Liechtenstein zu schlies- sen, weil bei solch kleinlichen Reklamationen eine Produktion in Liechtenstein für sie kaum von In- teresse sei: «In jedem Jahre fertigen wir im Januar Muster an - um Aufträge und Arbeit für unsere Leute zu bekommen, bisher hat diese weder in Schaan noch in unserem früheren deutschen Domizil zu Anständen geführt - wir haben jedem Arbeitnehmer frei gestellt die Stelle aufzukünden, 174) LLA, 1937, RF/169 Nr. 329; LLA, 1939, RF/190 Nr. 359. 175) IIA, 1928, RF./698 z.Z.146; LLA, 1930, RF/1041; LLA, 1938, RF/178 Nr. 364. 176) LLA, 1935, RF/148 Nr. 114 u. 150 Nr. 275. 177) LLA, 1937, RF/169 Nr. 329. 178) LLA, 1937, RF/169 Nr. 329. Bedingungen. Punkt c). 179) LLA, 1937, RF/169 Nr. 329; LLA, 1928, RL/698 z.Z. 146. 180) Anhang, Interview mit K.M., S. 113. 181) LLA, 1937, RF/172 Nr. 391, Jenny, Spoerry & Cie an die Fürst- liche Regierung, Vaduz, 12. 7. 1937. 1S2) LLA, 1937, RF/172 Nr. 391, Eidg. Fabrikinspektorat St. Gallen an die Regierung des Fürstentums Liechtenstein, 13.7. 1937. 183) LLA, 1937, RF/172 Nr. 391. 13. 7. 1937. 184) Anhang, Interview mit K.M., S. 113. (Die Fabrikhalle war über Mittag geschlossen.) 185) LLA, 1938, RF/184, Nr. 316. In der Überzeitbewilligung von 1929 an die Ausrüsterei Hans Tribel- horn betonte die Regierung ebenfalls ausdrücklich, dass die Arbei- terinnen für die Überzeit zu entlöhnen seien. In dem in der Fabrik anzuschlagenden Bewilligungsformular wurde der Lohnzuschlag jedoch nicht aufgeführt und damit den Arbeiterinnen auch höchst- wahrscheinlich nicht vergütet. (LLA, 1929, RE/1828 z.Z. 266: Bewil- ligungsformular, das in der Fabrik angeschlagen wurde: «...Firma ... Lohnzuschlages von ... % für die Überzeitarbeit behaftet»). 51
        

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